desto weniger Geld hat AG" ist ein weit verbreiteter Irrtum.
Gerne wird gemutmaßt, dass eine AG in Liquiditätsengpässe gerät, wenn ein Aktienkurs unter 1 € oder tiefer fällt, weil ja das Unternehmen dann ganz wenig Geld nur noch habe.
Dass der Börsenwert nichts mit dem Wert, dem Vermögen oder der Handlungsfähigkeit einer AG zu tun hat verdeutlicht, ohne in die juristischen Hintergründe abzuschweifen, vereinfacht folgende Überlegung:
Der Kurs einer Aktie verändert sich permanent. Wenn das Auswirkungen auf die Liquidität einer AG hätte, hätte die AG keine Chance planbar zu wirtschaften, da sie nie wüsste wie es am nächsten Tag der Kurs, also um die Liquidität der AG stünde. Wirtschaftliches Arbeiten wäre unmöglich.
Führt zu der Frage, warum dann Unternehmen überhaupt den aufwendigen Weg beschreitet eine AG zu gründen. Die Antwort ist einfach: Kapitalbeschaffung. Mit der Gründung einer AG einen Wert, den sie verkaufen kann. Mit der Gründung muss die Gesellschaft ein Grundkapital (nicht zu Verwechseln mit dem Gesellschaftsvermögen), die Summe aller Aktien, von mindestens 50.000 € vorweisen. Darf natürlich auch mehr sein. Dieses Grundkapital, die Summe aller Aktien, kann dann direkt an Großinvestoren oder über einen harmonisierten Handelsplatz wie die Börse verkauft werden.
Da dem Gesetz nach der Nennwert einer Aktie bei Emission 1 € betragen muss, startet eine AG also mit mindestens 50.000 Aktien, die zunächst die Gründungsgesellschafter übernehmen. Die Aktien können sie entweder behalten, direkt an Investoren verkaufen oder an der Börse handeln. Alle Aktien, also das Grundkapital, verteilt sich dann im Laufe der Zeit auf verschiedenste Investoren. Privatanleger, Unternehmen, Banken und die AG selber. Je mehr Aktien platzieren können, desto mehr Geld fließt, genaugenommen pro Aktie 1 €. Je mehr Aktien, desto mehr. Siemens hat z.B. über 900 Mio. Aktien im Handel. davon hält die „Familie Siemens“ aktuell etwa 6 %.
Von den Kursschwankungen einer Aktie profitieren denknotwendig nur die Inhaber einer Aktie, die Aktionäre. Die AG verdient nur einmal an der Aktie. Nämlich zu Emission derselben.
Wer sich tiefergehend zum Thema „AG“ informieren will, muss sich mich mit dem Gesellschaftsrecht auseinandersetzen. Hinweis: Differenzierung „Grundkapital“ und „Gesellschaftsvermögen“.
Man kann die Sache natürlich auch von einem anderen Irrtum her kommend erläutern.
Irrtum: "Mit dem Kauf/Verkauf von Aktien beeinflussen die Aktionäre die Unternehmensliquidität"
Juristisch ausgedrückt nehmen die Aktionäre am in Aktien zerlegten Grundkapital der Aktiengesellschaft teil. Mit dem Grundkapital arbeitet eine AG aber nicht. Eine AG wirtschaftet mit dem Gesellschaftsvermögen. Das Grundkapital dient lediglich als Sicherheit für Gläubiger, sollte das Gesellschaftsvermögen unter einen bestimmten Wert fallen und so die Gefahr bestehen, dass die Gesellschaftsverbindlichkeiten nicht bedient werden könnten.
Viel Spaß und gute trades!
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