Infineon beschafft sich mit der Ausgabe einer milliardenschweren Wandelanleihe frisches Geld. Gleichzeitig verkauft die Siemens AG weitere 40 Millionen Infineon-Aktien.
reuters MÜNCHEN. Der krisengeschüttelte Halbleiter-Hersteller Infineon will sich mit einer fünfjährigen Wandelanleihe im Volumen von einer Milliarde Euro Mittel zur Finanzierung der langfristigen Strategie verschaffen. Die Anleihe werde unter dem Management der Investmentbank Goldman Sachs bei institutionellen Anlegern außerhalb der USA platziert, teilte Infineon am Dienstag mit.
Zudem verkaufe die Siemens AG über ihre niederländische Tochter Siemens Nederland 40 Millionen Aktien oder 5,77 Prozent des Grundkapitals von Infineon im Rahmen einer Blocktransaktion mit Goldman Sachs. Damit verringert sich der Anteil der ehemaligen Muttergesellschaft an dem Chipproduzent auf gut 41 Prozent. Die Infineon-Aktien büßten am Vormittag 5,5 Prozent auf 24,69 Euro ein, Siemens-Papiere legten 0,35 Prozent auf 76,49 Euro zu.
Spekulationen über Pläne für eine Wandelanleihe hatten die Infineon-Aktien bereits im Dezember unter Druck gebracht. Damals waren die Transaktionen nach Angaben aus Bankenkreisen kurzfristig abgesagt worden. Infineon leidet derzeit wie alle Halbleiter-Hersteller unter der schlimmsten Krise in der Geschichte der Branche. Seit Monaten liegen die Preise für Speicherchips (DRAMs) unter den Herstellungskosten, auch wenn sich in den letzten Wochen eine leichte Erholung abzeichnet. Im vergangenen Geschäftsjahr (zum 30. September) hatte Infineon einen Verlust von mehr als einer Milliarde Euro verbucht.
Solide Finanzposition
Die Wandelanleihe könne während der ersten drei Jahre Laufzeit nicht und danach nur unter bestimmten Bedingungen gekündigt werden, teilte Infineon weiter mit. Der Kupon und die Wandelprämie würden im Rahmen der Preisfeststellung ermittelt, die noch für den heutigen Dienstag geplant sei. Die Anleihe sei wandelbar in Aktien oder in einen gleichwertigen Barbetrag in Euro oder eine Kombination aus Bargeld und Aktien.
Der Erlös aus der Emission werde zur Finanzierung der langfristigen Strategie verwendet, hieß es in der Mitteilung weiter. Die Finanzposition des Konzerns sei aber auch ohne die Maßnahme solide. So gehe Infineon davon aus, dass die Netto-Cashposition zum Ende des ersten Quartals (zum 31. Dezember) des laufenden Geschäftsjahres 250 Million Euro übersteigen werde. Mit der Wandelanleihe habe der Konzern die günstigen Marktbedingungen ausnutzen wollen. "Wir haben keinen kurzfristigen Kapitalbedarf", betonte eine Infineon-Sprecherin.
Auch Analysten interpretierten die Maßnahme als Ausnutzung günstiger Bedingungen für Wandelanleihen - niedrige Zinsen gepaart mit der Hoffnung auf Kurssteigerungen bis zur Rückzahlung. "Infineon schafft sich dadurch mehr Flexibilität, um agieren zu können, wenn etwas ansteht - zum Beispiel eine Kooperation", erläuterte Michael Bahlmann von M.M.Warburg. Der weltweit viertgrößte Speicherchip-Hersteller ist nach der Ansicht der Experten unter Druck, nach dem Scheitern der geplanten Kooperation mit Toshiba Ende Dezember entweder andere Partner zu suchen oder das eigene Wachstum zu forcieren, um im Konsolidierungsprozess der Branche mithalten zu können.
So verhandeln derzeit der zweit- und der drittgrößte DRAM-Hersteller, der US-Konzern Micron und die südkoreanische Hynix über eine Allianz bei DRAMs. Infineon führt nach den Angaben von Vorstandschef Ulrich Schumacher mit mehreren kleineren taiwanischen Anbietern Gespräche über eine Kooperation.
"Vor allem eigenes Wachstum beschleunigen"
"Größere mögliche Partner gibt es nicht mehr", sagte Bernd Laux, Analyst bei Credit Agricole. "Infineon muss daher vor allem das eigene Wachstum beschleunigen. Mit dem Geld könnten sie die leer stehende Halle in den USA für die 300-Millimeter-Produktion mit Equipment ausrüsten. Das würde ihnen rund drei Prozent mehr Marktanteile bringen." Infineon ist Vorreiter bei der neuen Produktionstechnologie, bei der die Chips aus größeren 300-Millimeter-Siliziumscheiben heraus geschnitten und die Kosten so um 30 Prozent verringert werden.
Händler in Frankfurt und London hatten bereits am frühen Dienstagmorgen berichtet, die US-Investmentbank Goldman Sachs platziere 40 Millionen Infineon-Papiere aus Siemens-Besitz zum Preis von 24,35 Euro je Aktie. Daraufhin waren die Titel schon im vorbörslichen Handel um 6,5 Prozent eingebrochen. Ein Siemens-Sprecher sagte, der Gesamterlös aus dem Verkauf liege bei rund einer Milliarde Euro, der voraussichtlich im zweiten Quartal als außerordentlicher Gewinn in der Bilanz ausgewiesen werde. Siemens hatte die Mehrheit an Infineon Anfang Dezember abgegeben und will sich mittelfristig ganz aus dem volatilen Halbleitergeschäft zurückziehen. Der Verkauf sei in diesem Zusammenhang zu sehen, erläuterte der Siemens-Sprecher.
reuters MÜNCHEN. Der krisengeschüttelte Halbleiter-Hersteller Infineon will sich mit einer fünfjährigen Wandelanleihe im Volumen von einer Milliarde Euro Mittel zur Finanzierung der langfristigen Strategie verschaffen. Die Anleihe werde unter dem Management der Investmentbank Goldman Sachs bei institutionellen Anlegern außerhalb der USA platziert, teilte Infineon am Dienstag mit.
Zudem verkaufe die Siemens AG über ihre niederländische Tochter Siemens Nederland 40 Millionen Aktien oder 5,77 Prozent des Grundkapitals von Infineon im Rahmen einer Blocktransaktion mit Goldman Sachs. Damit verringert sich der Anteil der ehemaligen Muttergesellschaft an dem Chipproduzent auf gut 41 Prozent. Die Infineon-Aktien büßten am Vormittag 5,5 Prozent auf 24,69 Euro ein, Siemens-Papiere legten 0,35 Prozent auf 76,49 Euro zu.
Spekulationen über Pläne für eine Wandelanleihe hatten die Infineon-Aktien bereits im Dezember unter Druck gebracht. Damals waren die Transaktionen nach Angaben aus Bankenkreisen kurzfristig abgesagt worden. Infineon leidet derzeit wie alle Halbleiter-Hersteller unter der schlimmsten Krise in der Geschichte der Branche. Seit Monaten liegen die Preise für Speicherchips (DRAMs) unter den Herstellungskosten, auch wenn sich in den letzten Wochen eine leichte Erholung abzeichnet. Im vergangenen Geschäftsjahr (zum 30. September) hatte Infineon einen Verlust von mehr als einer Milliarde Euro verbucht.
Solide Finanzposition
Die Wandelanleihe könne während der ersten drei Jahre Laufzeit nicht und danach nur unter bestimmten Bedingungen gekündigt werden, teilte Infineon weiter mit. Der Kupon und die Wandelprämie würden im Rahmen der Preisfeststellung ermittelt, die noch für den heutigen Dienstag geplant sei. Die Anleihe sei wandelbar in Aktien oder in einen gleichwertigen Barbetrag in Euro oder eine Kombination aus Bargeld und Aktien.
Der Erlös aus der Emission werde zur Finanzierung der langfristigen Strategie verwendet, hieß es in der Mitteilung weiter. Die Finanzposition des Konzerns sei aber auch ohne die Maßnahme solide. So gehe Infineon davon aus, dass die Netto-Cashposition zum Ende des ersten Quartals (zum 31. Dezember) des laufenden Geschäftsjahres 250 Million Euro übersteigen werde. Mit der Wandelanleihe habe der Konzern die günstigen Marktbedingungen ausnutzen wollen. "Wir haben keinen kurzfristigen Kapitalbedarf", betonte eine Infineon-Sprecherin.
Auch Analysten interpretierten die Maßnahme als Ausnutzung günstiger Bedingungen für Wandelanleihen - niedrige Zinsen gepaart mit der Hoffnung auf Kurssteigerungen bis zur Rückzahlung. "Infineon schafft sich dadurch mehr Flexibilität, um agieren zu können, wenn etwas ansteht - zum Beispiel eine Kooperation", erläuterte Michael Bahlmann von M.M.Warburg. Der weltweit viertgrößte Speicherchip-Hersteller ist nach der Ansicht der Experten unter Druck, nach dem Scheitern der geplanten Kooperation mit Toshiba Ende Dezember entweder andere Partner zu suchen oder das eigene Wachstum zu forcieren, um im Konsolidierungsprozess der Branche mithalten zu können.
So verhandeln derzeit der zweit- und der drittgrößte DRAM-Hersteller, der US-Konzern Micron und die südkoreanische Hynix über eine Allianz bei DRAMs. Infineon führt nach den Angaben von Vorstandschef Ulrich Schumacher mit mehreren kleineren taiwanischen Anbietern Gespräche über eine Kooperation.
"Vor allem eigenes Wachstum beschleunigen"
"Größere mögliche Partner gibt es nicht mehr", sagte Bernd Laux, Analyst bei Credit Agricole. "Infineon muss daher vor allem das eigene Wachstum beschleunigen. Mit dem Geld könnten sie die leer stehende Halle in den USA für die 300-Millimeter-Produktion mit Equipment ausrüsten. Das würde ihnen rund drei Prozent mehr Marktanteile bringen." Infineon ist Vorreiter bei der neuen Produktionstechnologie, bei der die Chips aus größeren 300-Millimeter-Siliziumscheiben heraus geschnitten und die Kosten so um 30 Prozent verringert werden.
Händler in Frankfurt und London hatten bereits am frühen Dienstagmorgen berichtet, die US-Investmentbank Goldman Sachs platziere 40 Millionen Infineon-Papiere aus Siemens-Besitz zum Preis von 24,35 Euro je Aktie. Daraufhin waren die Titel schon im vorbörslichen Handel um 6,5 Prozent eingebrochen. Ein Siemens-Sprecher sagte, der Gesamterlös aus dem Verkauf liege bei rund einer Milliarde Euro, der voraussichtlich im zweiten Quartal als außerordentlicher Gewinn in der Bilanz ausgewiesen werde. Siemens hatte die Mehrheit an Infineon Anfang Dezember abgegeben und will sich mittelfristig ganz aus dem volatilen Halbleitergeschäft zurückziehen. Der Verkauf sei in diesem Zusammenhang zu sehen, erläuterte der Siemens-Sprecher.