CrowdStrike und Okta führen Cybersicherheitsaktien-Ausverkauf nach Claude-Update an.
Neues KI-Tool scannt Code und erstellt Korrekturvorschläge zur menschlichen Überprüfung.
Der Sektor-ETF fällt um 3,8 % und setzt damit seine Verluste seit Jahresbeginn fort.
Cybersicherheitsaktien gerieten am Freitag stark unter Druck, da Anleger die neue Entwicklung von Anthropic verarbeiteten, die Claude weiter in einen Bereich drängt, der lange von spezialisierter Sicherheitssoftware dominiert wurde.
CrowdStrike und Okta führten den Kursverfall an, wobei auch andere Cybersicherheitsaktien nachgaben, da Anleger wiederkehrende strategische Fragen abwogen.
Die Antwort zeigt sich in den Kursen: CrowdStrike fiel um bis zu 6,5 %, Cloudflare um mehr als 6 %, Okta um 5,7 %, Zscaler um 3,5 % und SailPoint um 6,8 %.
Der Global X Cybersecurity ETF gab um bis zu 3,8 % nach und verzeichnete damit seit Jahresbeginn einen Verlust von 14 %.
Warum Claude den Markt verunsicherte
Anthropic gab bekannt, dass seine neue Funktion „Claude Code Security“ Quellcode auf Sicherheitslücken scannt und gezielte Software-Patches zur Überprüfung durch Experten vorschlägt. Die Funktion wird zunächst in einer begrenzten Testphase veröffentlicht.
Vereinfacht gesagt: Sie analysiert die Software eines Unternehmens wie ein Sicherheitsanalyst, markiert potenzielle Schwachstellen und entwirft Lösungsvorschläge. Die endgültige Entscheidung über die Implementierung überlässt sie jedoch einem Experten, anstatt Änderungen automatisch anzuwenden.
Dieses „Human-in-the-Loop“-Design ist wichtig, da Fehlalarme im Bereich der IT-Sicherheit teuer sind und fehlerhafte Korrekturen neue Probleme verursachen können.
Anthropic gibt an, dass das Tool dieses Risiko durch mehrstufige Überprüfung der Ergebnisse, die Vergabe von Schweregraden zur Fokussierung der Teams und die Hinzufügung einer Vertrauensbewertung minimiert, damit Prüfer die Zuverlässigkeit jeder Warnung einschätzen können.
Lesen Sie auch: Anthropic erhält 30 Milliarden US-Dollar bei einer Bewertung von 380 Milliarden US-Dollar – KI-Finanzierung erreicht Rekordwerte
KI als Produkt, nicht nur als Funktion
Der Kurssturz vom Freitag fügt sich in eine seit Wochen bestehende Marktentwicklung ein.
Investoren befürchten zunehmend, dass KI-basierte Tools die Preissetzungsmacht von Softwareunternehmen untergraben könnten, indem sie „ausreichend gute“ Alternativen direkt in den Programmier-Workflow integrieren.
Die Befürchtung besteht nicht darin, dass die Sicherheitsausgaben verschwinden, sondern dass sich ein Teil der Arbeit von eigenständigen Sicherheitsprodukten hin zu KI-gestützten Scans und Behebungsfunktionen verlagert, die sich eher wie eine integrierte Funktion als wie ein separates Abonnement anfühlen.
Um es klarzustellen: Anthropic positioniert Claude Code Security als defensives Tool und betont, dass keine Anwendung ohne menschliche Genehmigung erfolgt.
Es wird außerdem als kontrollierte Vorschau dargestellt, die auf Enterprise- und Team-Kunden beschränkt ist, mit beschleunigtem Zugriff für Betreiber von Open-Source-Repositories.
Doch Märkte handeln oft mit der Richtung, nicht mit dem Kleingedruckten, und die Richtung ist hier, dass fortschrittliche KI-Modelle sich vom Schreiben von Code hin zur Codeüberwachung bewegen.
Für die Cybersicherheitsanbieter, deren Aktienkurse gefallen sind, stellt sich kurzfristig die Frage, ob dies ein durch Schlagzeilen ausgelöster Neustart ist oder der Beginn eines verschärften Wettbewerbs in den Telefonkonferenzen zu den Quartalsergebnissen.
Investoren werden darauf achten, ob etablierte Unternehmen ihre Marktposition verteidigen können, indem sie KI in umfassendere Plattformen wie Endpunktschutz, Identitätsmanagement, Netzwerksicherheit und Reaktion integrieren, wo Ergebnisse, Daten und Echtzeit-Bedrohungsinformationen weiterhin genauso wichtig sind wie die Codeanalyse.