Investment AB Latour ist eine der interessantesten Qualitäts-Holdings Nordeuropas, weil sie eben nicht nur aus börsennotierten Beteiligungen besteht, sondern zugleich ein großer industrieller Eigentümer ist. Das Unternehmen beschreibt sich selbst als „mixed investment company“: einerseits hält Latour ein Portfolio aus zehn großen börsennotierten Kernbeteiligungen, andererseits gehören dem Konzern sieben vollständig kontrollierte Industriegruppen. Diese Kombination ist strategisch stark, weil sie Marktbewertungen aus dem Beteiligungsportfolio mit operativen Cashflows aus dem Industriegeschäft verbindet.
Das „Sortiment“ von Latour ist deshalb breit und industrienah. In den vollständig kontrollierten Geschäften liegen die Schwerpunkte in Lüftungs- und Klimatechnik, Werkzeugen und Workwear, Industriekupplungen und Dichtungslösungen, Hebe- und Verladetechnik, elektromechanischen Komponenten, Spezialindustrieprodukten und Nischen-Engineering. Auf der Holding-Seite stecken die großen Werte vor allem in Qualitätsunternehmen wie ASSA ABLOY, Sweco, Securitas, TOMRA, HMS Networks, Alimak, Fagerhult, Nederman, Troax und CTEK. Per 31.03.2026 hatte dieses börsennotierte Portfolio einen Marktwert von 80,1 Mrd. SEK; die größten Einzelpositionen waren ASSA ABLOY mit 35,5 Mrd. SEK, Sweco mit 13,0 Mrd. SEK, Securitas mit 9,9 Mrd. SEK und TOMRA mit 7,0 Mrd. SEK. (latour.se)
Historisch ist Latour für Langfristinvestoren fast ein Musterfall skandinavischer Kapitalallokation. Die Wurzeln reichen auf AB Hevea zurück; 1987 erfolgte die Umbenennung in Investment AB Latour. In den frühen 1990er Jahren wandelte sich Latour erst zur reinen Investmentgesellschaft und dann 1993 mit dem Erwerb von Almedahl-Fagerhult wieder zu einer gemischten Holding. 1994 half Latour bei der Bildung von ASSA ABLOY und kaufte zugleich Swegon sowie Nord-Lock. 1995 wurde Swegon vollständig übernommen. 1997 wurden Fagerhult und Säki abgespalten. Diese Historie zeigt, dass Latour seit Jahrzehnten nicht passiv verwaltet, sondern Unternehmen aufbaut, umbaut, abspaltet und langfristig begleitet. (latour.se)
Fundamental sieht das Unternehmen zum Stand nach dem Geschäftsjahr 2025 robust aus. Der Konzernumsatz stieg 2025 auf 28,145 Mrd. SEK, das bereinigte operative Ergebnis auf 3,935 Mrd. SEK und die bereinigte operative Marge lag bei 14,0 Prozent. Der Jahresüberschuss betrug 4,947 Mrd. SEK beziehungsweise 7,69 SEK je Aktie. Die Nettoverbindlichkeiten lagen bei 16,751 Mrd. SEK, beziehungsweise 14,980 Mrd. SEK ohne IFRS-16-Leasingeffekte; das entsprach laut Gesellschaft rund 10 Prozent des Marktwerts der Gesamtaktiva. Für eine Holding mit diesem Beteiligungsprofil ist das beherrschbar, aber eben nicht schuldenfrei.
Wichtiger als das reine KGV ist bei Latour der Blick auf den inneren Wert. Im Geschäftsbericht zum Jahresende 2025 bezifferte die Gesellschaft den Nettoinventarwert auf 216 SEK je Aktie; die ausgewiesene durchschnittliche Bewertung setzte sich aus 64,6 Mrd. SEK für die Industriegeschäfte, 88,0 Mrd. SEK für die börsennotierten Beteiligungen, kleinen Nebenpositionen und abgezogener Nettoverschuldung zusammen. Daraus ergibt sich: Selbst beim Kursniveau um 232 SEK wurde Latour nicht mit Abschlag, sondern mit einem moderaten Aufschlag auf den zuletzt ausgewiesenen NAV gehandelt. Genau das ist typisch für erstklassige skandinavische Familien- und Qualitäts-Holdings: Gute Kapitalallokation wird am Markt oft mit einer Prämie bezahlt.
Diese Prämie ist zugleich der entscheidende Haken der Aktie. Latour ist operativ gut, aber selten billig. Wenn man die Aktie kauft, kauft man nicht nur gute Firmen, sondern auch die Erwartung, dass diese Holding ihre Qualität über viele Jahre fortsetzt. Das kann funktionieren, solange die Industriegeschäfte organisch wachsen, Zukäufe diszipliniert bleiben und die großen Beteiligungen wie ASSA ABLOY, Sweco, Securitas oder HMS operativ abliefern. Es kann aber auch dazu führen, dass die Aktie längere Zeit seitwärts läuft, obwohl die Unternehmen darunter solide arbeiten, einfach weil die Bewertung schon viel Qualität vorweggenommen hat. Der ausgewiesene NAV-Anstieg 2025 war mit 2,4 Prozent bereinigt um Dividenden deutlich schwächer als der SIXRX-Benchmark mit 12,7 Prozent. Das war kein Katastrophenjahr, aber eben auch kein starkes Jahr für das gelistete Portfolio.
Die Dividende passt gut zum Charakter des Unternehmens: nicht spektakulär hoch, aber verlässlich wachsend. Für 2025 schlug der Vorstand eine Dividende von 5,10 SEK je Aktie vor, nach 4,60 SEK im Vorjahr, also plus 10,9 Prozent. Die offizielle Ausschüttungspolitik ist klar: 100 Prozent der erhaltenen Dividenden aus dem Beteiligungsportfolio und den teilbesessenen Holdings sollen weitergereicht werden, plus 40 bis 60 Prozent des Nachsteuergewinns der vollkonsolidierten Industrieunternehmen. Das spricht für Kontinuität, aber nicht für Höchstrendite. Wer Latour kauft, kauft eher Dividendenwachstum als eine hohe Anfangsrendite. (latour.se)
Bei den Kurszielen ist die Datenlage dünner als bei Großkonzernen, weil die Analystenabdeckung begrenzt ist. Die offizielle IR-Seite listet nur eine kleine Gruppe von Covering Analysts, darunter ABG Sundal Collier, DNB, Handelsbanken, Nordea und Pareto. Öffentlich auffindbar ist zum Stichtag vor allem eine frische DNB-Carnegie-Einschätzung mit 290 SEK und „Buy“. Aggregierte Konsensseiten lagen zuletzt grob im Bereich um 251 SEK. Das ist als Orientierung brauchbar, aber nicht als harte Wahrheit. Bei Holdings mit NAV-Prämie und gemischter Struktur sind Kursziele grundsätzlich unschärfer als bei normalen Industrieaktien. (latour.se)
Für die nächsten 5 bis 15 Jahre sind die Aussichten aus meiner Sicht gut bis sehr gut. Das ist eine Einschätzung, keine sichere Tatsache. Der Hauptgrund ist die Struktur: Latour sitzt auf mehreren langfristig attraktiven Themen zugleich, darunter Gebäudetechnik, Energieeffizienz, Sicherheit, Automatisierung, industrielle Nischenprodukte und Umwelttechnik. Die vollkonsolidierten Töchter liefern operative Entwicklung, die großen Kernbeteiligungen liefern Beteiligungswert, Dividenden und strategischen Einfluss. Dazu kommt eine Eigentümerkultur, die nicht auf Quartalsschönung, sondern auf Wertaufbau zielt. Genau solche Konstruktionen schlagen über sehr lange Zeiträume oft den Markt. (latour.se)
Die Gegenargumente sind aber real. Erstens ist ASSA ABLOY so groß, dass ein erheblicher Teil der Attraktivität des börsennotierten Portfolios an diesem einen Wert hängt. Zweitens ist das Industriegeschäft trotz Qualität zyklisch; schwächere Bau-, Industrie- oder Investitionsmärkte treffen Teile des Portfolios direkt. Drittens ist die Aktie kein Schnäppchen und historisch eher ein Premiumpapier. Viertens liegt der nächste harte Datenpunkt nach Deinem Stichtag erst am 29.04.2026 mit dem Q1-Bericht 2026. Wer am 21.04.2026 kauft, geht also bewusst unmittelbar vor einem Zwischenbericht in die Aktie.
Mein Gesamturteil ist deshalb klar: Investment AB Latour ist ein sehr gutes Unternehmen und eine gute Aktie, aber nicht automatisch ein guter Kauf zu jedem Preis. Qualitativ gehört Latour für mich in Europa in die obere Liga der langfristig investierbaren Industrie- und Beteiligungsholdings. Die Gesellschaft verbindet aktives Eigentum, operative Tiefe, gute Unternehmen und eine lange Historie vernünftiger Kapitalallokation. Schwächer ist weniger das Geschäftsmodell als die Bewertung: Wer kauft, sollte wissen, dass er Qualität mit Aufpreis bezahlt. Für einen Anlagehorizont von 5 bis 15 Jahren halte ich Latour dennoch für attraktiv, solange man nicht erwartet, dass die Aktie ab heute permanent den NAV überflügelt. Eher ist das ein Titel für geduldige Anleger, die einen hochwertigen Compounder mit zeitweisen Überbewertungen aushalten können. (latour.se)
Autor: ChatGPT