Steuerfahndung: Die Informanten
Schlauer als der Staat erlaubt? So sehen sich alle Steuersünder – bis ihnen die Fahnder des Fiskus auf die Schliche kommen. Tausende Steuermuffel werden jedes Jahr ertappt, überführt und verknackt. Die Bilanz für 2000: In 25000 abgehakten Sündenfällen hinterzogen Bundesbürger 689 Millionen Euro an Steuern und Zöllen. Das büßen sie jetzt mit insgesamt 57,5 Millionen Euro Strafe und 1879 Jahren Freiheitsentzug. Die Finanzbeamten waren hier am Ende halt doch schlauer.
Aus drei Hauptquellen schöpfen die Beamten des Fiskus Verdacht und Beweise: Im Innendienst des Finanzamts fällt auf, was an einer Steuererklärung nicht stimmt. Da hat sich zum Beispiel ein Steuerzahler ein tolles Haus hingestellt, das nicht zu seinen Einkünften passt. Ein anderer lebt wie Gott in Frankreich, deklariert gegenüber dem Finanzamt aber Einkünfte, die eher den nahen Hungertod vermuten lassen. „Manchmal gibt es für so was Erklärungen“, sagt der Chef der Deutschen Steuergewerkschaft, Dieter Ondracek. Dann wird die ganze Sache vergessen. Manchmal aber enttarnen sich so auch Steuersünder. Laut Ondracek führt eine unstimmige Steuererklärung „in 40 Prozent der nachweisbaren Hinterziehungsfälle“ zum Anfangsverdacht.
Jeder fünfte überführte Steuerbetrüger hat seine Strafe einem Verrat zu verdanken: Betrogene Ehefrauen, ausgebootete Geschäftspartner oder Angestellte gehören zu den besten Informanten des Fiskus. Der geht selbst anonymen Hinweisen nach. „Wenn da kein Fleisch am Gerippe ist“, sagt Ondracek, „landet die Anzeige sofort im Papierkorb.“ Oft aber sind Denunzianten nicht kleinlich, versorgen den Fiskus mit Details. So kommen die Beamten an ganze Aktenordner mit Kopien über schwarze Geschäfte, Kassen und Konten. Dem Täter bleibt dann kaum noch eine Chance, zu entrinnen.
Die Betriebsprüfer können jeden vierten Erfolgsfall auf ihr Konto verbuchen. Ihre Arbeit gleicht der von Detektiven: Mit der Lupe hinschauen und logisch kombinieren. Bei Bäckern etwa rechnen sie nach, ob die Mehleinkäufe zum Umsatz passen. Oder sie stoßen bei Mehllieferanten auf hohe Barverkäufe, kommen so den Steuerbetrügern am Backofen auf die Schliche. Versucht ein Unternehmer seine Betriebsausgaben mithilfe einer der rund 80000 Briefkastenfirmen in Liechtenstein aufzublasen, fragen Steuerfahnder beim Bundesamt für Finanzen in Bonn nach. Dort gibt die Informationszentrale Ausland Hinweise auf Steuerhinterziehung.
RÜDIGER v. SCHÖNFELS
Schlauer als der Staat erlaubt? So sehen sich alle Steuersünder – bis ihnen die Fahnder des Fiskus auf die Schliche kommen. Tausende Steuermuffel werden jedes Jahr ertappt, überführt und verknackt. Die Bilanz für 2000: In 25000 abgehakten Sündenfällen hinterzogen Bundesbürger 689 Millionen Euro an Steuern und Zöllen. Das büßen sie jetzt mit insgesamt 57,5 Millionen Euro Strafe und 1879 Jahren Freiheitsentzug. Die Finanzbeamten waren hier am Ende halt doch schlauer.
Aus drei Hauptquellen schöpfen die Beamten des Fiskus Verdacht und Beweise: Im Innendienst des Finanzamts fällt auf, was an einer Steuererklärung nicht stimmt. Da hat sich zum Beispiel ein Steuerzahler ein tolles Haus hingestellt, das nicht zu seinen Einkünften passt. Ein anderer lebt wie Gott in Frankreich, deklariert gegenüber dem Finanzamt aber Einkünfte, die eher den nahen Hungertod vermuten lassen. „Manchmal gibt es für so was Erklärungen“, sagt der Chef der Deutschen Steuergewerkschaft, Dieter Ondracek. Dann wird die ganze Sache vergessen. Manchmal aber enttarnen sich so auch Steuersünder. Laut Ondracek führt eine unstimmige Steuererklärung „in 40 Prozent der nachweisbaren Hinterziehungsfälle“ zum Anfangsverdacht.
Jeder fünfte überführte Steuerbetrüger hat seine Strafe einem Verrat zu verdanken: Betrogene Ehefrauen, ausgebootete Geschäftspartner oder Angestellte gehören zu den besten Informanten des Fiskus. Der geht selbst anonymen Hinweisen nach. „Wenn da kein Fleisch am Gerippe ist“, sagt Ondracek, „landet die Anzeige sofort im Papierkorb.“ Oft aber sind Denunzianten nicht kleinlich, versorgen den Fiskus mit Details. So kommen die Beamten an ganze Aktenordner mit Kopien über schwarze Geschäfte, Kassen und Konten. Dem Täter bleibt dann kaum noch eine Chance, zu entrinnen.
Die Betriebsprüfer können jeden vierten Erfolgsfall auf ihr Konto verbuchen. Ihre Arbeit gleicht der von Detektiven: Mit der Lupe hinschauen und logisch kombinieren. Bei Bäckern etwa rechnen sie nach, ob die Mehleinkäufe zum Umsatz passen. Oder sie stoßen bei Mehllieferanten auf hohe Barverkäufe, kommen so den Steuerbetrügern am Backofen auf die Schliche. Versucht ein Unternehmer seine Betriebsausgaben mithilfe einer der rund 80000 Briefkastenfirmen in Liechtenstein aufzublasen, fragen Steuerfahnder beim Bundesamt für Finanzen in Bonn nach. Dort gibt die Informationszentrale Ausland Hinweise auf Steuerhinterziehung.
RÜDIGER v. SCHÖNFELS