Das Rennen um Karstadt
Interesse am Überleben
Von Frank-Thomas Wenzel
Eine Frist-Verlängerung soll es nicht geben. Anfang nächster Woche soll die Entscheidung über die Zukunft von Karstadt fallen. Es ist ein Poker zu sechst. Und selbst für Insider ist schwer abzuschätzen, wer welche Karten auf der Hand hat. Vier Investoren zeigen Interesse. Eine ganz wichtige Rolle spielen die Betriebsräte. Hinzu kommt noch die Insolvenzverwaltung nebst Karstadt-Management.
Für den 10. Juni ist hat das Essener Amtsgericht eigens den großen Schwurgerichtssaal reserviert. Die Richter sollen dann über den Insolvenzplan entscheiden. Doch bis dahin muss eine wesentliche Hürde genommen werden: Nur wenn ein Investor bis spätestens einen Tag vorher den Kaufvertrag für das Unternehmen mit bundesweit 120 Warenhäusern unterschreibt, sind die Bedingungen erfüllt. Wird der Rettungsplan nicht beschlossen, droht die "Totalliquidation". Doch damit rechnet keiner Insider. Vielmehr geht es darum, wer es schafft für sich die besten Konditionen auszuhandeln.
Am Freitag gegen Mittag trafen sich in Berlin Betriebsräte, um über die Konzepte der Investoren zu diskutieren und einen zu Bewerber zu empfehlen. Umstritten ist dabei die Rolle von Gesamtbetriebsratschef Hellmut Patzelt. Laut Handelsblatt soll er seit Wochen Geheimverhandlungen mit einem Investor, dem Highstreet-Konsortium unter Führung der Investment-Bank Goldmann Sachs. Der Deal: Er soll längere Arbeitszeiten durchsetzen.
Highstreet bietet angeblich als Gegenleistung unter anderem an, die Karstadt-Filiale in Fulda zu erhalten. Patzelt kommt aus Fulda, das dortige Warenhaus gehört zu den potenziellen Kandidaten für eine Schließung. Von Verdi und vom Betriebsrat gab es gestern zunächst keine Stellungnahme zu den Vorwürfen.
Die nächste Etappe in dem Verfahren: Am Montag soll der Karstadt-Gläubigerausschuss, dem auch Patzelt angehören, seine Wahl unter den Investoren treffen. Doch die Sitzung könnte turbulent werden. Beobachter rechnen damit, dass noch im letzten Moment Änderungen an den Angeboten vorgenommen werden könnten.
Kurzfristige Offerten haben in dem Verfahren mittlerweile Tradition. Kein Interessent legt in so einem erbitterten Bieterrennen gern vorzeitig seine Karten auf den Tisch. Nur wenige Stunden vor Beginn der letzten Sitzung des Gläubigerausschusses hatte Highstreet am 28. Mai sein Angebot eingereicht. Während der laufenden Sitzung brachte sich noch ein russisches Konsortium unter Führung des Petersburger Unternehmers Artur Pachomow als möglicher Investor ins Spiel.
Interesse am Überleben
Als ernsthafte Interessenten gelten bislang neben Highstreet, dem Konsortium gehört die Mehrheit der Kaufhaus-Immobilien, aber nur die beiden Bieter Berggruen und Triton. Alle diese Angebote sind jedoch an Bedingungen geknüpft. Während der deutsch-schwedische Investor Triton und Highstreet weitere Zugeständnisse von den Beschäftigten fordern, will Berggruen die Belegschaft ungeschoren lassen.
Einig sind sich Triton und Berggruen bei ihrer Forderung nach Mietsenkungen - die Forderung richtet sich an die Adresse des Karstadt-Vermieters Highstreet. Aber auch Highstreet selbst soll Mietsenkungen von insgesamt 230 Millionen Euro in den kommenden fünf Jahren in Aussicht gestellt haben.
Die Besonderheit im Fall Karstadt: Der eigentliche Kaufpreis spielt bei der Entscheidung für einen Investor nur eine untergeordnete Rolle. Während sonst in derartigen Verfahren meist schlicht der Höchstbietende den Zuschlag erhält, geht es diesmal in erster Linie um den Erhalt des Unternehmens.
"In diesem Fall haben alle Interesse, dass es weitergeht, allen voran die Vermieter", beschreibt Görg-Sprecher Thomas Schulz das Szenario. Der Immobilienfonds Highstreet besitzt 86 der 120 Karstadt- Warenhäuser, die er 2006 für einen Milliardenbetrag von dem ums Überleben kämpfenden Unternehmen übernommen hatte.
Mögliche Leerstände könnten nach Berechnungen des Insolvenzverwalters allein bei den Vermietern Schäden von mehr als 1,5 Milliarden Euro verursachen. Im Gläubigerausschuss haben ebenso wie Highstreet nahezu alle Mitglieder ein Interesse am Überleben von Karstadt: Arbeitnehmervertreter etwa, die um die 25.000 Karstadt-Jobs bangen, oder Lieferanten, die um ihre Abnehmer fürchten.
Keine Rettung mehr gab es im vergangenen Sommer für zuletzt noch 54 ehemalige Karstadt-Warenhäuser, die bereits 2005 an einen britisch-niederländischen Investor verkauft worden waren. Rund 2600 Beschäftigte der auf den Namen Hertie umgetauften Warenhauskette verloren ihre Jobs. Eine Einigung über Mietsenkungen zum Erhalt der Warenhauskette war nicht zustande gekommen.
www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/...-ueberleben.html
Interesse am Überleben
Von Frank-Thomas Wenzel
Eine Frist-Verlängerung soll es nicht geben. Anfang nächster Woche soll die Entscheidung über die Zukunft von Karstadt fallen. Es ist ein Poker zu sechst. Und selbst für Insider ist schwer abzuschätzen, wer welche Karten auf der Hand hat. Vier Investoren zeigen Interesse. Eine ganz wichtige Rolle spielen die Betriebsräte. Hinzu kommt noch die Insolvenzverwaltung nebst Karstadt-Management.
Für den 10. Juni ist hat das Essener Amtsgericht eigens den großen Schwurgerichtssaal reserviert. Die Richter sollen dann über den Insolvenzplan entscheiden. Doch bis dahin muss eine wesentliche Hürde genommen werden: Nur wenn ein Investor bis spätestens einen Tag vorher den Kaufvertrag für das Unternehmen mit bundesweit 120 Warenhäusern unterschreibt, sind die Bedingungen erfüllt. Wird der Rettungsplan nicht beschlossen, droht die "Totalliquidation". Doch damit rechnet keiner Insider. Vielmehr geht es darum, wer es schafft für sich die besten Konditionen auszuhandeln.
Am Freitag gegen Mittag trafen sich in Berlin Betriebsräte, um über die Konzepte der Investoren zu diskutieren und einen zu Bewerber zu empfehlen. Umstritten ist dabei die Rolle von Gesamtbetriebsratschef Hellmut Patzelt. Laut Handelsblatt soll er seit Wochen Geheimverhandlungen mit einem Investor, dem Highstreet-Konsortium unter Führung der Investment-Bank Goldmann Sachs. Der Deal: Er soll längere Arbeitszeiten durchsetzen.
Highstreet bietet angeblich als Gegenleistung unter anderem an, die Karstadt-Filiale in Fulda zu erhalten. Patzelt kommt aus Fulda, das dortige Warenhaus gehört zu den potenziellen Kandidaten für eine Schließung. Von Verdi und vom Betriebsrat gab es gestern zunächst keine Stellungnahme zu den Vorwürfen.
Die nächste Etappe in dem Verfahren: Am Montag soll der Karstadt-Gläubigerausschuss, dem auch Patzelt angehören, seine Wahl unter den Investoren treffen. Doch die Sitzung könnte turbulent werden. Beobachter rechnen damit, dass noch im letzten Moment Änderungen an den Angeboten vorgenommen werden könnten.
Kurzfristige Offerten haben in dem Verfahren mittlerweile Tradition. Kein Interessent legt in so einem erbitterten Bieterrennen gern vorzeitig seine Karten auf den Tisch. Nur wenige Stunden vor Beginn der letzten Sitzung des Gläubigerausschusses hatte Highstreet am 28. Mai sein Angebot eingereicht. Während der laufenden Sitzung brachte sich noch ein russisches Konsortium unter Führung des Petersburger Unternehmers Artur Pachomow als möglicher Investor ins Spiel.
Interesse am Überleben
Als ernsthafte Interessenten gelten bislang neben Highstreet, dem Konsortium gehört die Mehrheit der Kaufhaus-Immobilien, aber nur die beiden Bieter Berggruen und Triton. Alle diese Angebote sind jedoch an Bedingungen geknüpft. Während der deutsch-schwedische Investor Triton und Highstreet weitere Zugeständnisse von den Beschäftigten fordern, will Berggruen die Belegschaft ungeschoren lassen.
Einig sind sich Triton und Berggruen bei ihrer Forderung nach Mietsenkungen - die Forderung richtet sich an die Adresse des Karstadt-Vermieters Highstreet. Aber auch Highstreet selbst soll Mietsenkungen von insgesamt 230 Millionen Euro in den kommenden fünf Jahren in Aussicht gestellt haben.
Die Besonderheit im Fall Karstadt: Der eigentliche Kaufpreis spielt bei der Entscheidung für einen Investor nur eine untergeordnete Rolle. Während sonst in derartigen Verfahren meist schlicht der Höchstbietende den Zuschlag erhält, geht es diesmal in erster Linie um den Erhalt des Unternehmens.
"In diesem Fall haben alle Interesse, dass es weitergeht, allen voran die Vermieter", beschreibt Görg-Sprecher Thomas Schulz das Szenario. Der Immobilienfonds Highstreet besitzt 86 der 120 Karstadt- Warenhäuser, die er 2006 für einen Milliardenbetrag von dem ums Überleben kämpfenden Unternehmen übernommen hatte.
Mögliche Leerstände könnten nach Berechnungen des Insolvenzverwalters allein bei den Vermietern Schäden von mehr als 1,5 Milliarden Euro verursachen. Im Gläubigerausschuss haben ebenso wie Highstreet nahezu alle Mitglieder ein Interesse am Überleben von Karstadt: Arbeitnehmervertreter etwa, die um die 25.000 Karstadt-Jobs bangen, oder Lieferanten, die um ihre Abnehmer fürchten.
Keine Rettung mehr gab es im vergangenen Sommer für zuletzt noch 54 ehemalige Karstadt-Warenhäuser, die bereits 2005 an einen britisch-niederländischen Investor verkauft worden waren. Rund 2600 Beschäftigte der auf den Namen Hertie umgetauften Warenhauskette verloren ihre Jobs. Eine Einigung über Mietsenkungen zum Erhalt der Warenhauskette war nicht zustande gekommen.
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