Zum Thema Katek/Wallboxen/Margen:
1.) Hannes Niederhauser hat mit S&T/Kontron seit 20 Jahren dutzende Übernahmen gemacht und diese waren fast ausnahmslos im Bereich Turnaround angesiedelt. Dies ist seit jeher der Geschäftsansatz von HN gewesen, gestützt auch auf die Restrukturierungsexpertise seines Partners und Financiers Erhard Grossnig. Wer sich also darüber aufregt, dass Kontron mit Katek ein strauchelndes Unternehmen erworben hat, der hat das Geschäftsmodell von Kontron nicht verstanden. Kontron ist eine Private Equity Firma mit Fokus auf Kostensenkung und Heben von Synergien durch vertikale Integration.
2.) Kontron war historisch mit diesem Ansatz sehr erfolgreich -- man schaue sich nur die Übernahme von Kontron durch S&T an: hier wurde innerhalb von Rekordzeit ein Sanierungsfall zum Erfolgsgaranten. Katek ist sicher alles andere als ein Qualitätsunternehmen. Aber dafür hat Kontron eben auch nur sehr wenig Geld ausgegeben. Nächster Schritt sind das Ausschlachten (Verkauf TeleAlarm für €39 Mio. sowie ODM für einen Apfel + ein Ei) und das Heben der Synergien zwischen Katek GreenTec und Kontron.
3.) Wallboxen an sich sind fraglos ein Low-Margin Volumen-Geschäft. Mit den automotive OEMs sitzen harte Verhandler auf der anderen Seite, die keine Excess-Profits zulassen. Allerdings hat Katek es hier durchaus geschafft, sich technologisch abzuheben von anderen Anbietern (siehe hier: youtu.be/QduL8-VKT1U). Auf dieser Basis erwartet Kontron, dass Kateks GreenTec Division bereits in diesem Jahr eine EBITDA Marge von 15% erzielen wird (siehe S. 16 hier: ir.kontron.com/Kontron_Investor_Presentation_May_2024.pdf).
4.) Die wirklichen Synergien werden aber erst 2025 gehoben werden, wenn Kateks Wallboxen mit Kontron Software verkauft werden. Das wird den Preis der Wallboxen zwar nicht drastisch erhöhen, dafür sollte die Marge des Softwareanteils aber sehr hoch sein. Zwar erscheinen mir Kontrons Modellrechnungen zur Einsparung der Konsumenten beim Smart Charging übertrieben. Allerdings dürfte dennoch klar sein, dass bidirektionales Laden auf Basis von Smart Chargern ein extrem attraktives Produkt sein wird. Dies rührt nicht zuletzt daher, dass es die Energiewende spürbar günstiger macht:
Dies wird z.B. hier gut beschrieben: www.zeit.de/mobilitaet/2024-05/...nales-laden/komplettansicht
Einen Podcast mit Hubert Diess kann man dazu hier anhören: www.thepioneer.de/originals/...energiewende-aus-herbert-diess
Die Essenz ist folgende: Erneuerbare Energien sorgen für einen starken Überschuss an Elektrizitätsproduktion zur Mittagszeit, wo die Sonne stark scheint. Gegen Abend wird hingegen keine Solarenergie erzeugt, obwohl dort die Energienachfrage am höchsten ist. Dies fürht zur sogenannten "Entenkurve" bei Strompreisen im Tagesverlauf (teuer morgens und abends, mittags billig). Dies kann man dadurch abfedern, dass mittags erzeugte Energie in Batterien gespeichert wird, und diese dann abends ins Netz zurückzuspeisen. In Kalifornien wird dies bereits in erheblichem Umfang betrieben, wodurch die Strompreise in den Peak-Zeiten deutlich gesenkt werden konnten.
Hier kommen jetzt die E-Autos ins Spiel: Wenn bidirektionales Laden möglich ist und vom Stromanbieter ausreichend rückvergütet wird, können die Millionen E-Autos hier in Zukunft als effizienter Speicher zum Lastenausgleich des Netzes genutzt werden. Wer abends kein Auto fährt, kann so mit dem Strom sogar netto Geld verdienen. E.ON bietet mit dem "Home & Drive Flex Charge Tarif" bereits heute eine solche Lösung in Deutschland an: Durch die automatisierte Optimierung der Ladevorgänge zuhause erhalten Kunden einen finanziellen Bonus.
Natürlich steckt all dies noch in den Kinderschuhen und bedarf einer strukturellen Unterstützung durch Stromanbieter, Netzbetreiber, Politk und Autohersteller. Ich denke aber, dass es absehbar ist, dass dies durch politische Unterstützung am Ende auch in Masse umgesetzt werden wird. Es haben einfach alle Beteiligten einen Nutzen davon: Autobesitzer verdienen Geld (und ihre Batterien halten länger), Stromanbieter bekommen Zugang zu günstiger Energie und der Wirtschaftsstandort profitiert von einem abegefederten Matching von Angebot und Nachfrage.
Daher: selbst, wenn das alles erst in ein paar Jahren in Masse umgesetzt werden sollte, so dürften Kunden bereits sehr bald einen Anreiz haben, Wallboxen zu wählen, die bidirektionales Laden ermöglichen. Ich denke daher, dass die OEMs den Kunden die Vorteile von bidirektionalem Laden bereits sehr bald nahelegen werden -- daher ziehen VW und andere ja so sehr mit in den Gesprächen mit Kontron.
Ich glaube zwar nicht, dass Kontron mit diesen Wallboxen so gute Margen verdienen wird wie -- sagen wir -- im Zugfunk. Die OEMs werden für Wettbewerb sorgen, so dass das immer ein Massengeschäft bleiben dürfte. Allerdings hat Kontron/Katek aktuell einen technologischen Vorsprung und könnte daher in einer sehr guten Ausgangsposition sein, um sich als starker Anbieter in diesem Markt zu etablieren. Das dürfte reichen, um eine ordentliche Marge bei hohen Umsätzen zu erreichen. Und das wiederum dürfte ausreichen, um die Katek-Übernahme zu einem Erfolg zu machen.