Quelle www.rp-online.de
29. September 2015 | 07.33 Uhr
Düsseldorf
Städte und Bahnen vor Millionen-Abschreibung wegen RWE
Düsseldorf. Bei der Rheinbahn geht es nach dem Kurssturz um 125 Millionen, bei Dortmund um 33 Millionen. Dortmund kritisiert RWE-Vorstand. Von Thorsten Breitkopf und Antje Höning
Der Absturz der RWE-Aktie zieht Kreise. Nach Essen kündigen nun weitere Kommunen und kommunale Unternehmen hohe Abschreibungen auf ihre RWE-Beteiligung an. Die Stadtwerke Dortmund (DSW), über die Dortmund sein RWE-Paket hält, rechnen mit einer Abschreibung von 33 Millionen Euro. Entspräche der Wert der RWE-Aktie am Stichtag 31. Dezember 2015 dem Kurs von heute, wäre eine Wertberichtigung in Höhe von 33 Millionen Euro erforderlich, sagte DSW-Chef Guntram Pehlke unserer Redaktion. Dortmund ist mit 3,5 Prozent der größte kommunale RWE-Aktionär, hat die Aktien teilweise aber schon vor über 40 Jahren zu entsprechend niedrigen Kursen erworben. 2014 musste Dortmund daher noch nichts abschreiben.
Anders die Stadt Essen. Sie musste für 2013 bereits 680 Millionen abschreiben. Für Ende 2015 erwartet Kämmerer Lars Martin Klieve erneut Abschreibungen und zwar in Höhe von 250 Millionen Euro.
Seit Änderung der Gemeindehaushaltsverordnung (Paragraf 35) sind die Kommunen in NRW verpflichtet, Abschreibungen auf Anlagevermögen vorzunehmen, wenn es dauerhaft wertgemindert ist. "Bei Rechtsverstößen kann die Aufsichtsbehörde mit Aufsichtsmitteln tätig werden", sagte ein Sprecher des NRW-Innenministeriums. Konkret heißt das: Die Bezirksregierung kann die Kommunen zwingen, die Abschreibung nachträglich vorzunehmen.
Die RWE-Aktie hat allein seit Jahresanfang rund 60 Prozent ihres Wertes verloren. Gestern schloss sie bei 9,20 Euro (minus drei Prozent). Vor acht Jahren hatte sie bei fast 100 Euro ihr Rekordhoch erreicht.
Auch kommunale Unternehmen wie die Rheinbahn in Düsseldorf sind betroffen. "Die Gemeindehaushaltsverordnung gilt zwar nicht für kommunale Unternehmen, die Regelung des Handelsgesetzbuches ist aber identisch", betonte der Ministeriums-Sprecher.
Die Rheinbahn fürchtet nach eigenen Angaben die Abschreibung eines Millionenbetrags. Treuhänderisch hält sie für Düsseldorf 5,7 Millionen RWE-Aktien. Zum Stichtag Ende 2014 standen diese laut Konzernkreisen mit je 31 Euro in den Büchern. Gemessen am aktuellen Kurs ergibt sich ein Abschreibungsbedarf von 125 Millionen Euro. Der laufende Betrieb sei zwar nicht gefährdet, sagte der Rheinbahn-Sprecher. Jedoch werde die Rheinbahn Immobilien verkaufen müssen.
Dortmunds Stadtwerke-Chef kritisierte den RWE-Vorstand. "Ich halte die RWE-Aktie für sehr werthaltig und zurzeit für unterbewertet. Leider ist es RWE bislang nicht gelungen, den Märkten diese Werthaltigkeit zu vermitteln", sagte Pehlke. "Gelegentlich wird der Eindruck erweckt, das Unternehmen sei nicht mehr in der Lage, Gewinne zu erwirtschaften. Das entspricht aber nicht der Realität. Ich würde mir eine bessere Kommunikation des Vorstands wünschen." RWE bestehe nicht nur aus dem Kraftwerks-, sondern auch aus dem Vertriebs- und Netzgeschäft. Zugleich unterstrich Pehlke die Forderung, dass RWE für 2015 die Dividende stabil hält. "DSW hat die Erwartung, dass die Dividende von einem Euro pro Aktie nicht unterschritten wird."
Quelle: RP