Obwohl der griechische Schwanengesang den Dax beflügelte und auch der Euro passender Weise seinen Rückwärtsgang einlegte, konnte der Dax seine, auch per Stundenschluß gehaltenen Werte, von über 11 600 nicht in den Tagesschluß mitnehmen. Damit beginnt das große Zittern kurz vor der Entscheidung. Das wird auch den heutigen Handelstag andauern. Der ordentliche Anstieg ist schlimmer als ein Verfallstag, denn je nach der Lage werden die Kurse weiter steigen oder sofort korrigieren.
Langfristig jedoch bleibt der Anstieg nachhaltiger als die politische Börse. Denn egal, was entschieden wird, es wird das letzte Hilfspaket sein, das überhaupt geschnürt wird. Weder Griechenland noch die Geldgeber werden ein nächstes Paket auch nur vorbereiten. Alle wissen, dass der Bankrott nur aufgeschoben, aber nicht aufgehoben ist. Die Voraussetzungen, die ursprünglich geplant waren, sind gescheitert, weil sie immer nur an eine Gesundung der griechischen Finanzen nach Einhaltung von Einsparungen geknüpft waren.
Diese Bedingungen sind weder erfüllt noch eingetroffen. Stattdessen wird um neue andere Bedingungen verhandelt, die weder den Anstieg der Verschuldung stoppen, noch die zurückgekehrte Rezession bekämpfen. Der Finanzbedarf wird nicht eingefroren oder gesenkt, nein, die Verschuldung steigt weiter an und spätestens 2016 wird nichts mehr von Griechenland bezahlt. Selbst ein Schuldenschnitt zu 100% reicht nicht aus, da ständig mehr Geld benötigt wird. Alle Berechnungen für Einsparungen haben den jetzigen Zahlungseingang als Grundlage, die jedoch nicht der Rezession Rechnung trägt. Das aber ist eine unseriöse Kreditvergabe, weil keine stabilen oder positiven Aussichten zur Rückzahlung vorhanden sind.
Das erste Halbjahr ist jetzt fast um und die Wirkung der EZB-Aufkäufe konnte in allen Ländern mehr oder weniger positiv einsetzen - außer in Griechenland. Dazu steht im Herbst die Pleite aller Banken Griechenlands unabwendbar bevor. Dei ständige Erweiterung der Notkredite über alle Limits hinaus, ist zwar gegenwärtig notwendig, aber führt unabwendbar zur Zahlungsunfähigkeit der Banken. Damit wird der Ausgang des ersten Halbjahres im Dax gleichzeitig auch zu einem Neubeginn der Bewertung des zweiten Halbjahres, das nicht so fortgesetzt wird wie das erste ausging. Der Rücksetzer war nicht nur technisch notwendig sondern auch die Einpreisung der Pleite Griechenlands in den kommenden Monaten, egal ob sofort oder erst zum Jahresende.
Dann wird es keine politsche Entscheidung geben, die die Griechen im Euro hält, denn ohne Euro können die Griechen zumindest das Spielgeld drucken, das Liquidität vorgaukelt.
Ob heute und morgen genügend Nachkäufer im Markt sind, lässt sich nur schwer ausloten, denn ein Teil der bisherigen Käufer ist erstmal satt und wird vor weiteren Käufen abwarten. Die Shorties sind gestern zum Handelsschluß raus. Und Nachzügler haben nur den Kauf ins Blaue, weil keine Rücksetzmarke nach dem Anstieg vorhanden ist, zu der man seine Orders setzen kann. Das könnte zumindest intraday nochmals für weitere Kursgewinne sorgen. Zum Handelsschluß dürfte der Umsatz entscheidend sein, ob es bei Gewinnen heute bleibt.
Der Chartlord