Rückschlagpotential am NM

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Rückschlagpotential am NM

 
08.01.02 10:15
Experten erwarten schwache Geschäftszahlen am Neuen Markt=
    - Von Patricia Gugau -
    Frankfurt, 08. Jan (Reuters) - Experten rechnen für die in
den nächsten Wochen anstehende Berichtssaison zum Geschäftsjahr
2001 mit überwiegend schwachen Zahlen von Firmen des Neuen
Marktes. "Die Zahlen werden mit Sicherheit noch schlecht
ausfallen", sagte Stefan Müller, Fondsmanager bei Activest.
Viele Unternehmen kämpfen nach Expertenansicht mit
unternehmensspezifischen Problemen und der schwachen Konjunktur,
insbesondere nach den Anschlägen in den USA. Optimistischer
zeigten sich Fondsmanager und Aktienstrategen für das laufende
Geschäftsjahr 2002, wiesen allerdings daraufhin, dass am
Wachstumssegment mit weiteren Pleiten zu rechnen sei. Schlechte
Aussichten werden vor allem den IT- und Medienfirmen
zugeschrieben.
    Union-Investment-Fondsmanager Wassili Papas rechnet
insbesondere für das Abschlussquartal 2001 mit schwachen Zahlen.
"Viele werden das vierte Quartal aber in ihren
Gesamtjahreszahlen verschleiern und nicht separat ausweisen",
sagte Papas. Der Experte erwartet jedoch nicht, dass viele
Firmen des Neuen Marktes wie im vorausgegangenen Jahr ihre
selbstgesteckten Prognosen verfehlen werden, da sie ihre
Erwartungen für 2001 schon stark zurück genommen hätten. Mit den
Geschäftszahlen für 2001 sollte sich nach Einschätzung von Papas
auch zeigen, dass viele Neuer-Markt-Unternehmen kein
nachhaltiges Geschäftsmodell haben. Papas zufolge werden 2002
noch viele Firmen am Neuen Markt wegfallen. "Ich gehe davon aus,
dass das 30 bis 50 Unternehmen sein werden", sagte er.
    Im Gegensatz zu den marktführenden an der

US-Technologiebörse Nasdaq notierten Titeln kämpfe ein Großteil
der Neuer-Markt-Firmen mit unternehmensspezifischen Problemen,
erklärten die Aktienstrategen von HSBC Trinkaus & Burkhardt.
Ihrer Einschätzung nach sollte die beginnende Bilanzsaison an
der Nasdaq auch den Neuen Markt stimulieren, da dort mit einer
Vielzahl positiver Überraschungen zu rechnen sei. Allerdings sei
zu bezweifeln, dass auch die heimischen Wachstumswerte gute
Zahlen präsentierten. Activest-Fondsmanager Müller sagte, der
Markt sollte die Zahlen nicht so negativ wie in der
Vergangenheit aufnehmen, da derzeit vor allem auf den erwarteten
Aufschwung geblickt werde.
    Müller sagte, 2001 sei von dem größten Rückschlag, den die
Technologiebranche bislang gesehen habe, und einer hohen
makroökonomischen Unsicherheit geprägt gewesen. Zusätzlich
belastend hätten sich die Anschläge in den USA im September
ausgewirkt. Rolf Elgeti, Anleihen- und Aktienstratege bei
Commerzbank Securities, sagte, viele Gesellschaften steckten in
fundamentalen und finanziellen Problemen und hätten in
unrentable Geschäftsmodelle investiert. Viele Firmen sollten
noch Bankrott gehen. "Ich rechne mit überwiegend negativen
Zahlen", sagte Elgeti. Einige Firmen sollten zwar positives
vermelden können, dies dürfte sich aber vornehmlich auf den
Ausblick konzentrieren.
    Elgeti denkt dabei nach eigenen Angaben vor allem an den
Hersteller von Produktionsanlagen für optische Speichermedien
Singulus. Die Konkurrenten des Unternehmens werden nach
Einschätzung Elgetis nach und nach vom Markt verschwinden, so
dass sich die Margen von Singulus deutlich ausweiten dürften.
Zudem sei Singulus eines der Unternehmen, dass am ehesten wieder
das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen könnte. Besonders
schwache Zahlen werden Elgeti zufolge aus der Medien- sowie der
Softwarebranche kommen. Vor allem Medienunternehmen, die sehr
von Werbeausgaben abhängig seien und stark spezialisierte
Softwarefirmen sollten dabei unter die Räder kommen.
    Auch Fondsmanager Papas erwartet vor allem aus der IT- und
der Medienbranche schwache Geschäftszahlen. Gemischte
Kennziffern erwartet er aus dem Biotechnologiesektor. Nach einem
guten vierten Quartal werde wohl insbesondere das Schwergewicht
Qiagen gute Zahlen vorlegen, die Aktie bleibe hoch
bewertet. Mit guten Zahlen rechnet Papas auch beim
Elektronikhändler Medion. Das sei aber keine
Überraschung für die Börse, sagte der Fondsmanager.
    Das laufende Geschäftsjahr sollte nach Einschätzung Papas
für die meisten Unternehmen wieder besser laufen, vor allem in
der zweiten Jahreshälfte. Auch Müller zeigte sich für 2002
relativ optimistisch. Das erste Quartal werde jedoch wohl noch
schwach ausfallen.
    pag/nro/ked
 REUTERS
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