Quelle: Reuters
Lloyds folgt RBS unter staatlichen Schutzschirm
Sonntag, 8. März 2009, 16:56 Uhr
Diesen Artikel drucken
[-] Text [+]
London (Reuters) - Nach der Royal Bank of Scotland (RBS) hat sich auch die angeschlagene Großbank Lloyds unter den milliardenschweren Schutzschirm des britischen Staates begeben: Das Geldinstitut versichert bei der Regierung faule Wertpapiere im Umfang von 260 Milliarden Pfund (290 Milliarden Euro) und sorgt damit für den Fall einer sich vertiefenden Rezession vor.
Im Gegenzug wird die Regierung Mehrheitseigner bei der schon zuvor teilverstaatlichten Bank. Wie Lloyds am Samstag mitteilte, könnte die Staatsbeteiligung auf bis zu 77 Prozent ansteigen. Die Bank sagte zu, ihre Kreditvergabe für Hauseigentümer und Unternehmen in den kommenden Jahren deutlich auszuweiten.
"Die Vereinbarung ist genau das Richtige für die Lloyds-Aktionäre", erklärte Konzernchef Eric Daniels nach den mehr als einwöchigen Verhandlungen mit der Regierung. Zugleich zeigte er sich zuversichtlich, dass die Anteilseigner bei einem für Montag geplanten Treffen dem Plan zustimmen würden. Der Konkurrent RBS hat im Rahmen des beispiellosen Schutzprogramms noch etwa 70 Milliarden Euro mehr als Lloyds versichert. Bei RBS könnte der Staatsanteil sogar auf 95 Prozent anwachsen.
Lloyds muss für die Versicherung eine Gebühr von 17 Milliarden Euro zahlen. Zudem ist eine Selbstbeteiligung an Verlusten von knapp 28 Milliarden Euro vorgesehen. Die weiteren Wertverluste bei den versicherten Wertpapieren übernimmt zu 90 Prozent der Staat. Damit verringern sich die Risiken der Bank deutlich. Die Kernkapitalquote (Tier 1) steigt auf 14,5 Prozent von 6,4 Prozent. Über 80 Prozent der versicherten Wertpapiere waren ursprünglich im Besitz des erst im Januar von Lloyds übernommenen Baufinanzierers HBOS. Daniels hat wegen des Zukaufs daher auch Kritik geerntet. Der Konzernchef verteidigte am Wochenende erneut seine Entscheidung: "Das Geschäft mit HBOS wird sich als ein sehr guter Deal herausstellen. Wir werden unsere Anteilseigner über Jahre mit einer sehr guten Führungsposition belohnen."
Im Gegenzug für die Versicherung wechseln Aktien ohne Stimmrecht im Wert von gut 17 Milliarden Euro in die Hände der Regierung. Damit könnte der Staatsanteil von bislang 43 Prozent auf 65 Prozent steigen, sollten Aktionäre ein Angebot der Regierung zum Kauf von Anteilen im Wert von 4,5 Milliarden Euro ausschlagen. Eine weitere Erhöhung der Beteiligung des Staats auf 77 Prozent ist möglich, wenn seine Papiere in Stammaktien umgewandelt werden. Der Stimmanteil der Regierung ist aber bei 75 Prozent gedeckelt.
Lloyds sagte zu, seine Kreditvergabe an Hauseigentümer und Unternehmen in den kommenden zwei Jahren um jeweils knapp 16 Milliarden Euro auszuweiten. Dies Ausdehnung der Kreditvergabe zählt zu den Bedingungen, die der britische Staat den Banken bei seinem Schutzprogramm auferlegt hat. Die Regierung fürchtet, dass sich die Rezession durch die wenigen verfügbaren Darlehen noch vertiefen könnte.
no comment