ROUNDUP: Branchen-Star Peter Kabel stürzt ab - Vom Highflyer zum Pennystock
HAMBURG (dpa-AFX) - Mit dem Hamburger Unternehmer Peter Kabel hat es wieder einen der einstigen Popstars der Internet-Branche erwischt: Sein Unternehmen Kabel New Media stoppte nach enormen Verlusten am Freitag alle Zahlungen, nachdem zuvor Gespräche mit einem möglichen Investor geplatzt waren. Wenn nicht Rettung in letzter Sekunde kommt, dürfte der Internet-Dienstleister durch ein Insolvenzverfahren gehen.
Der 38-jährige Kabel hatte stets versucht, sich von der Euphorie der Internet-Start-Ups abzusetzen. "Wir sind ein stinknormales, langweiliges Unternehmen, das sich ein gewöhnliches Ziel gesetzt hat, nämlich Geld zu verdienen", sagte er vor einem Jahr, als solche Aussagen noch nicht zum Allgemeingut der "New Economy" gehörte. Doch dieses Ziel erreichte Kabel nie: Der Break-Even, der Durchbruch in die Gewinnzone, blieb stets eine Ankündigung.
FIRMENAUFKÄUFE ZU TEUER BEZAHLT
Besonders ernüchternd sind die Daten für das vergangene Geschäftsjahr (31.3.): Bei einem Umsatz von etwa 100 Mio. Euro erwartet die Internet-Firma einen Verlust von 115 bis 130 Mio. Euro. Das Management versuchte vor zehn Tagen, die tiefroten Zahlen mit allerlei Sondereinflüssen zu erklären, aber am Ende bleiben zwei wesentliche Erkenntnisse übrig: Kabel hat nach dem Börsengang im Juni 1999 in großem Stil andere Firmen gekauft und auf dem Höhepunkt des Internet-Booms viel zu teuer bezahlt. Die Firmenwerte müssen in der Bilanz abgeschrieben werden. Und mit der Zahlungsunfähigkeit der Sport-Marketinggesellschaft ISL Worldwide muss Kabel auf rund zehn Prozent seiner Umsätze verzichten. ISL war einer der Großkunden.
IN 2000 NOCH FÜR 'VISIONÄREN WEITBLICK' AUSGEZEICHNET
Kabel hatte seine Internet-Agentur 1993 gegründet und bis zum Ende des vergangenen Jahres auf 1000 Beschäftigte ausgebaut. Dafür wurde er auf dem Deutschen Mittelstandsforum für "visionären Weitblick" als "Entrepreneur des Jahres 2000" ausgezeichnet. Die Aktie kletterte von ihrem Ausgabekurs von 6,15 Euro auf 80 Euro. Auf dem deutschen Markt hatte Kabel nur noch zwei Konkurrenten in der gleichen Gewichtsklasse: Pixelpark aus Berlin und GFT Technologies aus dem badischen St. Georgen. "Wir glauben, das wir auch global dominieren sollten", sagte der Firmenchef damals.
Kabel, der ursprünglich aus der Multimedia- und Designer-Szene kommt, wollte nicht länger nur hübsche Internet-Seiten bauen, sondern komplexe Strategien und Projekte für Marketing, Verkauf, Kundenpflege und Geschäfte aller Art über das Netz verkaufen. "Es geht darum, die Prozesse von der Werbung bis zum Verkauf zu optimieren", erklärte Kabel. Das fehlende technische Know-how kaufte sich der gelernte Designer dazu, und damit Umsatz und Mitarbeiter.
KONZEPT GING NICHT AUF
Doch schon in den vergangenen Monaten mehrten sich die Warnzeichen, dass Kabels Konzepte in einem negativen Branchenumfeld nicht mehr aufgehen. "Der große Schritt vom Stammgeschäft zur Strategieberatung hat sich nicht als eine erfolgreiche Strategie erwiesen", schrieb in der vergangenen Woche die "Financial Times Deutschland". Auch hektische Reparaturarbeiten an dem leckgeschlagenen Schiff - ein Personalabbau um 20 Prozent und neue Köpfe und Zuständigkeiten im Vorstand - brachten nicht viel.
Die Aktie stürzte immer tiefer und halbierte sich sowohl am Donnerstag vor der Mitteilung über drohende Zahlungsunfähigkeit als auch am Freitag, als die Nachricht offiziell die Börse erreichte. Aus dem einstigen Highflyer ist ein Pennystock geworden, der gerade noch einen halben Euro wert ist./DP/cb/ --- Von Eckart Gienke, dpa ---
HAMBURG (dpa-AFX) - Mit dem Hamburger Unternehmer Peter Kabel hat es wieder einen der einstigen Popstars der Internet-Branche erwischt: Sein Unternehmen Kabel New Media stoppte nach enormen Verlusten am Freitag alle Zahlungen, nachdem zuvor Gespräche mit einem möglichen Investor geplatzt waren. Wenn nicht Rettung in letzter Sekunde kommt, dürfte der Internet-Dienstleister durch ein Insolvenzverfahren gehen.
Der 38-jährige Kabel hatte stets versucht, sich von der Euphorie der Internet-Start-Ups abzusetzen. "Wir sind ein stinknormales, langweiliges Unternehmen, das sich ein gewöhnliches Ziel gesetzt hat, nämlich Geld zu verdienen", sagte er vor einem Jahr, als solche Aussagen noch nicht zum Allgemeingut der "New Economy" gehörte. Doch dieses Ziel erreichte Kabel nie: Der Break-Even, der Durchbruch in die Gewinnzone, blieb stets eine Ankündigung.
FIRMENAUFKÄUFE ZU TEUER BEZAHLT
Besonders ernüchternd sind die Daten für das vergangene Geschäftsjahr (31.3.): Bei einem Umsatz von etwa 100 Mio. Euro erwartet die Internet-Firma einen Verlust von 115 bis 130 Mio. Euro. Das Management versuchte vor zehn Tagen, die tiefroten Zahlen mit allerlei Sondereinflüssen zu erklären, aber am Ende bleiben zwei wesentliche Erkenntnisse übrig: Kabel hat nach dem Börsengang im Juni 1999 in großem Stil andere Firmen gekauft und auf dem Höhepunkt des Internet-Booms viel zu teuer bezahlt. Die Firmenwerte müssen in der Bilanz abgeschrieben werden. Und mit der Zahlungsunfähigkeit der Sport-Marketinggesellschaft ISL Worldwide muss Kabel auf rund zehn Prozent seiner Umsätze verzichten. ISL war einer der Großkunden.
IN 2000 NOCH FÜR 'VISIONÄREN WEITBLICK' AUSGEZEICHNET
Kabel hatte seine Internet-Agentur 1993 gegründet und bis zum Ende des vergangenen Jahres auf 1000 Beschäftigte ausgebaut. Dafür wurde er auf dem Deutschen Mittelstandsforum für "visionären Weitblick" als "Entrepreneur des Jahres 2000" ausgezeichnet. Die Aktie kletterte von ihrem Ausgabekurs von 6,15 Euro auf 80 Euro. Auf dem deutschen Markt hatte Kabel nur noch zwei Konkurrenten in der gleichen Gewichtsklasse: Pixelpark aus Berlin und GFT Technologies aus dem badischen St. Georgen. "Wir glauben, das wir auch global dominieren sollten", sagte der Firmenchef damals.
Kabel, der ursprünglich aus der Multimedia- und Designer-Szene kommt, wollte nicht länger nur hübsche Internet-Seiten bauen, sondern komplexe Strategien und Projekte für Marketing, Verkauf, Kundenpflege und Geschäfte aller Art über das Netz verkaufen. "Es geht darum, die Prozesse von der Werbung bis zum Verkauf zu optimieren", erklärte Kabel. Das fehlende technische Know-how kaufte sich der gelernte Designer dazu, und damit Umsatz und Mitarbeiter.
KONZEPT GING NICHT AUF
Doch schon in den vergangenen Monaten mehrten sich die Warnzeichen, dass Kabels Konzepte in einem negativen Branchenumfeld nicht mehr aufgehen. "Der große Schritt vom Stammgeschäft zur Strategieberatung hat sich nicht als eine erfolgreiche Strategie erwiesen", schrieb in der vergangenen Woche die "Financial Times Deutschland". Auch hektische Reparaturarbeiten an dem leckgeschlagenen Schiff - ein Personalabbau um 20 Prozent und neue Köpfe und Zuständigkeiten im Vorstand - brachten nicht viel.
Die Aktie stürzte immer tiefer und halbierte sich sowohl am Donnerstag vor der Mitteilung über drohende Zahlungsunfähigkeit als auch am Freitag, als die Nachricht offiziell die Börse erreichte. Aus dem einstigen Highflyer ist ein Pennystock geworden, der gerade noch einen halben Euro wert ist./DP/cb/ --- Von Eckart Gienke, dpa ---
Werbung