www.koeln-nachrichten.de/wirtschaft/...llorca-building-ag.html
Veröffentlicht in : Wirtschaft, Unternehmen
Schlüsselworte : Wirtschaft, Unternehmen, Penny-Stocks, Aktienempfehlung, Mallorca Building AG
Die Frequenzen, in denen diverse Spam-Mails auf vermeintlich todsichere Aktientipps auflaufen, scheinen zwar nicht kürzer dafür aber umso heftiger zu werden. So erhielt alleine unsere Redaktion-Mailanschrift im Laufe der vergangenen 48 Stunden mehr als 40 Nachrichten gleichen Inhalts. Darin wurde eine Aktie namens „Mallorca Building AG“ beworben, die nach Ansicht der zahlreichen allerdings nahezu wortgleichen Verfasser „enorme Chancen im Baugewerbe“ und „enormes Wachstum versprechen“. Von einer Vervielfachung ist die Rede und das innerhalb kurzer Zeit. Der Tageskurs liegt angeblich immer noch bei dem ungefähren Ausgabekurs von knapp über einem Euro pro Anteil. In sieben Tagen sollen es 2,40, in vier Wochen gar über vier Euro werden, verspricht die Mailnachricht. Zum Beweis sprechen die Urheber dieser ungefragt versendeten Mailnachrichten von Quadratmeterpreisen von bis zu 12.000 Euro pro Quadratmeter und geschätzten 50.000 bis 80.000 Deutschen, die sich auf der Urlaubsinsel ihr Domizil eingerichtet haben.
Die Aussicht auf das schnelle Geld an der Börse wird sich jedoch aller Voraussicht nach nicht erfüllen, wie ein aktueller Blick auf den aktuellen Chart zeigt. So kostet das Papier, das in Frankfurt im so genannten „Freiverkehr“ gehandelt wird, kostete am gestrigen Abend gerade einmal knapp acht Cent pro Anteil. Das gesamte Handelsvolumen vom Mittwoch lag bei rund 88.000 gehandelten Papieren, was einem Gesamtvolumen von etwas weniger als 8000 Euro entspricht. Die Gesamtkapitalisierung der insgesamt zehn Millionen Aktien liegt nach gestrigem Schlusskurs bei nur 800.000 Euro. Auch ein Blick auf die Homepage des vermeintlichen „Schnäppchens mit enormen Wachstumspotenzial“ liest sich wie ein schlechter Scherz. Von einem Umsatz von fünf Millionen Euro ist die Rede, für welches Geschäftsjahr dies gilt, bleibt ebenso im Dunkeln, wie die genauen Strukturen der Gesellschaft. Neben einer Verwaltungsanschrift im Heimatmarkt Puerto Andratx hat die Firma ihren Hauptsitz im schweizerischen Zug.
Zum vermeintlichen Beweis der regen Bau- und Investitionstätigkeit platzierte das Unternehmen vier Bauprojekte. Doch den Link zum aktuellen Chart, Presseerklärungen oder einen halbwegs brauchbaren Geschäftsbericht mit den insbesondere für die Bestimmung des Aktienwertes wichtigen Ergebniszahlen sucht man vergebens. Dabei war die Aktie erst im Dezember vergangenen Jahres mit gleich zehn Millionen Stück an die Börse gegangen. Immerhin scheint der plötzliche Boom an Spam-Mails zumindest in dieser Woche einen Teilerfolg gebracht zu haben. Vor wenigen Tagen stieg die Summe der gehandelten (sprich: gekauften) Papiere kurzfristig auf rund 200.000 pro Tag an. Der Aktienkurs stieg dabei von sieben auf nahezu acht Cent pro Aktie. Einen Tag später verzeichnete das Papier in fast gleicher Höhe Verkäufe, wie ein Blick auf die abrufbaren Charts großer Handelsplattformen wie Comdirect oder Finanztreff verriet.