Reversal oder nicht?


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Reversal oder nicht?

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09.03.06 21:09

Donnerstag, 9. März 2006

Reversal oder nicht?

von Jochen Steffens

Gut, heute ist der Dax gestiegen – nach der Skepsis gestern wundert mich das nicht. Aber ob das schon das erwartete Reversal ist? Die Amis zogen zwar gestern nach 20 Uhr brav an, aber ab 21 Uhr war von der Stärke kaum noch was zu sehen. Das ist eher schlecht, kein Zeichen von Dynamik.

Da müssen wir wohl oder übel abwarten, was die Amis heute und morgen nach den Arbeitsmarktzahlen machen. Aber es riecht immer noch sehr danach, dass wir uns zumindest in der Nähe eines vorläufigen Tiefs befinden.

Beruhigend ist, dass der Iran immer noch nicht von seiner ehemaligen Drohung redet, die Erdöllieferungen einzustellen, wenn der Konflikt vor dem UN-Sicherheitsrat landet. Weniger beruhigend ist, dass er offenbar nicht den Hauch eines Interesses an einer gütlichen Einigung hat. Nächste Woche werden weitere Entscheidungen fällig, eine formale Erklärung aller 15 Sicherheitsratsmitglieder wird Anfang nächster Woche erwartet. Ich sehe wenig Chancen für eine Deeskalation dieses Konflikts, bin aber gespannt, was da noch passiert.

Öl fällt weiter

Auch aufgrund der hohen Lagerbestände ist der Ölpreis weiter gefallen. Nach einem zweiten Anlauf auf die 70 Dollar Markte notieren wir nun um die 60 Dollar. Es sieht so aus, als werden wir auch noch Kurse um 56 Dollar sehen. Sollte der Ölpreis unter 54 Dollar fallen, dann ist der seit 2003 sehr sauber verlaufende Aufwärtstrend angeschlagen.

Gold fällt weiter

Es ist wie es ist, in den ersten beiden Quartalen notiert Gold einfach schwächer, das war fast immer so und wird anscheinend auch weiterhin so sein. Allen Skeptikern dieser Zyklik und allen 1001 vorgebrachten Gründe für einen weiteren Anstieg des Goldes zum Trotz läuft der Goldpreis, wie erwartet, seit Anfang des Jahres seitwärts. Unter 535 Dollar ist sogar dicke Platz bis zur 500 Dollar Marke. Auf diesem Niveau ist Gold allerdings wieder interessant, so dass ich glaube, dass diese Marke halten wird.

Dollar bleibt noch (!) stabil

Auch wenn Bill Bonner heute wieder von dem Verfall des Dollars redet, wie in den letzten Jahren auch schon immer, man muss einfach festhalten, dass die niedrigen US-Zinsen, und die Ausweitung der Geldmenge, dem Dollar bei weitem nicht so geschadet haben, wie viele Analysten 2003-4 noch erwartet haben. Jetzt, in einer Phase steigender US-Zinsen, wird der Dollar gestärkt – das ist kein Wunder, sondern logisch.

Wenn der US-Zinserhöhungszyklus ausgesetzt wird und dann auch noch die Zinsdifferenz zwischen Europa und den USA schrumpft, wird auch der Euro wieder Stärke zeigen, der Dollar also schwächer notieren. Vielleicht sogar erst dann, wenn der Zinsunterschied sich wieder umdreht. Vielleicht aber auch schon in vorauseilendem Gehorsam früher. Das muss abgewartet werden. Im Moment scheint es so, als ob der Dollar aufgrund der Gefahr der Aussetzung der Zinserhöhungen in den USA keine wirkliche Zugkraft mehr besitzt, während der Euro aufgrund der zunehmenden Gefahr weiter steigender Zinsen in Europa seine Talfahrt beenden will. Die Folge ist die Seitwärtsbewegung, die wir gerade erleben.

US-Zinsen werden noch in diesem Jahr wieder sinken!

Ich frage mich manchmal, was diese Analysten so treibt, aber es ist doch eindeutig, dass die US-Wirtschaft an Fahrt verliert. Wenn nun einige in den USA schon Zinsen deutlich über 5 % erwarten, dann haben Sie irgendein Seminar in ihrem Studium ausgelassen, will mir scheinen. Wenn sich Zinserhöhungen sechs Monate zeitversetzt auswirken, dann sind die letzten sechs Monate nicht einmal eingepreist.

Meines Erachtens muss die Fed nun unbedingt die Zinserhöhungen (nach einem weiteren Schritt) aussetzen, um erst einmal abzuwarten, was passiert. Ansonsten würgt sie die US-Wirtschaft ab. Vielleicht wird sie dies mit einem Kommentar versehen, dass das Zinsniveau ein Maß erreicht hat, mit dem die Fed eine Weile leben kann. Nur damit nicht Panik aufkommt (besonders in den Devisen). Ab Herbst bis Ende des Jahres rechne ich sogar wieder mit Zinssenkungen, wenn der Ölpreis nicht verrückt spielt.

Alles andere wäre aus meiner bescheidenen Sicht unvernünftig. Aber ich weiß natürlich leider noch nicht, wie Bernanke tickt.

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