13.01.12 12:27 DJN: Nach geglückter Italien-Auktion rückt Griechenland in den Fokus
ROM /FRANKFURT (Dow Jones)--Die jüngste Erfolgsgeschichte geglückter
Anleihe-Auktionen von Ländern der Euro-Peripherie hat sich am Freitag
fortgesetzt. Italien hat 2- und 4-jährige Papiere im geplanten maximalen
Volumen von 4,75 Milliarden Euro am Markt untergebracht und muss darauf zum
Teil deutlich niedrigere Zinsen zahlen als zuletzt. Die Rendite für im November
2014 fällige Anleihen sank von 5,66 auf 4,83 Prozent, für 2018 fällige Papiere
stieg sie dagegen leicht auf 5,75 von 5,62 Prozent.
Bereits am Vortag waren Auktionen Spaniens und Italiens überraschend gut
gelaufen und beide Staaten kamen in den Genuss deutlich niedrigerer Zinsen.
Zudem brachte Spanien ein fast doppelt so hohes Schuldenvolumen unter wie
geplant und hat Schätzungen zufolge bereits 12 Prozent seines
Refinanzierungsbedarfs für 2012 gedeckt. In Reaktion gaben die Renditen am
Sekundärmarkt deutlich nach und 10-jährige italienische Anleihen rentieren
mittlerweile unter 6,5 Prozent, nachdem sie zu Wochenbeginn noch bei über 7
Prozent lagen.
Die gute Nachfrage nach Anleihen aus der Europeripherie wird neben den
Sparanstrengungen der betreffenden Länder vor allem der Politik der
Europäischen Zentralbank (EZB) gutgeschrieben. Vor dem Jahreswechsel hatte die
EZB den Geschäftsbanken über einen Dreijahrestender 489 Milliarden Euro zur
Überbrückung von Liquiditätsengpässen zugeführt. Diese Gelder fließen nun
offenbar zum Teil an den Anleihemarkt und sorgen somit für eine Entlastung der
hoch verschuldeten Staaten.
An den Finanzmärkten wird die jüngste italienische Auktion eher etwas
ernüchtert zur Kenntnis genommen, nachdem die Auktionen am Vortag noch für
Freudensprünge gesorgt hatten. Devisenexperte Paul Robinson von Barclays
Capital bezeichnet die Ergebnisse als gemischt, "nicht fantastisch oder
furchtbar, aber die spanische Auktion gestern war viel besser".
Die Erwartungshaltung sei sehr hoch gewesen, heißt es an anderer Stelle. Nach
den sehr guten Auktionen am Donnerstag hätten die Anleger auf ein ähnliches
Ergebnis gehofft, sprich auf noch deutlicher sinkende Renditen gehofft.
Zudem richtet sich das Augenmerk nun wieder verstärkt der Entwicklung in
Griechenland, wo sich die Verhandlungen über einen Schuldenschnitt unter
freiwilliger Beteiligung der Gläubiger weiter hinziehen.
Nächste Woche reist die Troika aus Vertretern der EU, der EZB und des
Internationalen Währungsfonds (IWF) nach Athen, um die Fortschritte bei
Reformen und Haushaltskonsolidierung zu beurteilen. In seiner jüngsten
Stellungnahme betonte der IWF noch einmal ausdrücklich, dass eine
Freiwilligenquote von nahe 100 Prozent eine der Voraussetzungen ist, dass das
Schuldenniveau Griechenlands auf ein zu bewältigendes Niveau gesenkt werden
kann.
Die Signale vom Anleihemarkt sprechen indes nicht für dieses Wunschergebnis.
Irgendeine Art von Einigung dürfte zwar zustande kommen, doch dass sich alle
Gläubiger daran beteiligen werden, danach sehe es nicht aus, so die Experten
der ING. Damit droht den Regeln des Anleihemarkts folgend aber die Feststellung
eines offiziellen Zahlungsausfalls Griechenlands und damit auch die
Inanspruchnahme von Kreditausfallversicherungen (CDS), was die EU-Seite immer
vermeiden wollte.
Dass die Möglichkeit eines Zahlungsausfalls weiter gespielt wird, ist an den
steigenden CDS-Preisen auf griechische Anleihen in den vergangenen Wochen
abzulesen. Die höheren CDS-Kosten wiederum gelten als Indiz, dass einige
Anleihegläubiger, insbesondere Hedgefonds, einer Lösung auf freiwilliger Basis
nicht zustimmen werden.
Aus Verhandlungskreisen war am Donnerstag zu hören, dass wichtige Fragen
weiter ungeklärt sind. Dabei steigt der Druck auf eine Einigung, da
Griechenland im März fällige Papiere über 14,5 Milliarden Euro bedienen muss.
"Nach konstruktiven Verhandlungen sind wir in der finalen Phase", sagte eine
in die Gespräche eingebundene Person nach einem Treffen von Finanzminister
Evangelos Venizelos und dem Geschäftsführer des internationalen Bankenverbandes
(IIF), Charles Dallara. Weitere Verhandlungen sind für diesen Freitag angesetzt.
"Wir sind sehr besorgt über die fehlenden Fortschritte", sagte Dallara, der
für mehr als 400 Banken an den Verhandlungen teilnimmt. "Alle Parteien müssen
sich jetzt zusammenfinden .... und das muss in den kommenden Tagen passieren",
so Dallara weiter.
In Brüssel treffen sich gegenwärtig hochrangige Finanzbeamte aus der
Eurozone, um Details für das zweite Rettungspaket auszuarbeiten. Ursprünglich
hatten sich beide Seiten auf einen "Haircut" von 50 Prozent der Staatsanleihen
verständigt. Wegen der sich verschärfenden Wirtschaftskrise könnte dies aber
nicht mehr ausreichen, um Griechenland die benötigte Luft zu verschaffen. Nach
früheren Insidermeldungen will die Regierung mit verschiedenen Anreizen
erreichen, dass die privaten Gläubiger nun auf 60 Prozent ihrer Engagements
verzichten.
DJG/gos/ros
(END) Dow Jones Newswires
January 13, 2012 06:27 ET (11:27 GMT)
Dow Jones & Company, Inc.2012
Finanzielle Probleme lassen sich am besten mit anderer Leute Geld regeln. (J. Paul Getty)