Party in der Scheinwelt...
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Autor: Andreas Hoose, Externer Redakteur | 02:25 | Copyright BörseGo AG 2000-2009
"Wir können nur aus der Krise kommen, wenn wir weiter Wachstum generieren", das sagte der CDU-Abgeordnete Leo Dautzenberg am Rande der Abstimmung des Bundestages über das Wachstumsbeschleunigungsgesetz am Freitag.
Mal ganz davon abgesehen, dass sich Wachstum natürlich nicht per Gesetz beschleunigen lässt, (wer denkt sich eigentlich solchen Schwachsinn aus?) stimmt eines natürlich: Wegen des Zinseszinseffekts benötigt unser Finanzsystem Wachstum wie jede Pflanze das Sonnenlicht. Ohne Wachstum geht gar nichts. Das Dumme ist nur, dass nichts ewig und immerzu nur wachsen kann. Jeder Grundschüler versteht das.
Wir werden es erleben: Wenn diese Krise vorbei ist, in einigen Jahren erst, dann werden die Menschen verstanden haben, dass Krisen ganz normale und auch wichtige Vorgänge sind. Wirtschaftskrisen sind keine Krankheit, wie uns Politiker und Medien immer wieder weismachen wollen.
Die Krankheit entsteht erst, wenn man durch billiges Geld eine Scheinwelt erzeugt, die mit der Realität nichts zu tun hat. Künftige Generationen werden Wirtschaftskrisen deshalb einfach wieder zulassen: Sie werden gelernt haben, dass der Versuch, die Probleme in billigem Geld zu ertränken, zum Scheitern verurteilt ist. Doch bis es so weit ist, wird es noch eine ganze Weile dauern.
Am Freitag mussten an den Börsen erst einmal die Zahlen vom US-Arbeitsmarkt gefeiert werden: Tatsächlich waren die Daten unerwartet positiv ausgefallen. Statt dem erwarteten Wegfall von 130.000 Stellen, verlangsamte sich der Schwund auf 11.000 Jobs.
Damit hat sich der Beschäftigungsabbau im November der Null-Linie angenähert. Zudem wurde der Stellenabbau in den beiden Vormonaten um insgesamt 159.000 nach unten revidiert. Für Oktober ergibt sich demnach ein Abbau von 111.000 statt bislang 190.000 Stellen. Im September lag das Minus bei revidiert 139.000 (219.000) Arbeitsplätzen. Auch die Auftragslage der US-Industrie hatte sich etwas gebessert.
Die Zahlen wurden zwar laut bejubelt, entsprechen aber natürlich nicht der Realität. In Wahrheit ist die Arbeitslosenquote in den USA etwa doppelt so hoch wie offiziell verkündet, nämlich bei etwa 20 Prozent. Das liegt daran, dass man bestimmte Gruppen in der Statistik einfach nicht mehr erfasst. Zum Beispiel jene Arbeitslose, die es aufgegeben haben, einen Job zu suchen.
Doch das interessiert jetzt erst einmal niemanden. Der DAX drehte im Sog der freudigen Überraschung am Freitag mächtig auf. Doch unser Börsentier läuft den anderen Indizes ja meist hinterher.
Viel interessanter ist deshalb die Entwicklung beim US-Transportindex. Und siehe da: Der Frühindikator für den breiten Markt schaffte am Freitag einen Ausbruch aus einer bärisch geprägten Seitwärtsphase, die das Kursgeschehen seit September bestimmt hatte.
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Bestätigt sich dieser Ausbruchsversuch in der kommenden Woche, dürften die großen Indizes bald nachziehen – und auch der DAX wäre dann reif für ein neues Jahreshoch.
Sehen wir uns noch das Gold und die Goldaktien an: Gefährlich wird es bei den Aktien der Minengesellschaften immer dann, wenn die Papiere auch größere Anstiege beim Goldpreis nicht mehr oder nur sehr schleppend mitmachen. Dann muss man vorsichtig werden.
Diesen Fall hatten wir zuletzt: Auffallend war nämlich, dass die Aktien der Goldproduzenten den Anstieg beim Goldpreis nicht mehr mit der gleichen Dynamik bestätigt haben. Das war ein Warnsignal. Aktuell steht der Goldpreis knapp unter 1.200 US-Dollar, doch der Goldaktienindex HUI ist in dieser Woche an seinem Hoch vom Frühjahr 2008 bei 520 Punkten gescheitert.
Wir verfolgen die Entwicklung beim Gold und bei den Minen seit mittlerweile zehn Jahren. Eine relative Schwäche der Minen in Relation zum Goldpreis hat in der Vergangenheit schon sehr oft eine Korrektur beim Goldpreis und erst recht bei den Gold- und Silberaktien angekündigt.
In der folgenden Abbildung sehen Sie, dass der Goldpreis (grüne Linie) in den Steigflug übergegangen ist, während der Goldaktienindex HUI sein Hoch vom Frühjahr dieses Jahres noch nicht ganz erreicht hat. Hier hat sich eine negative Divergenz gebildet (rote Linie), die uns nicht gefällt.
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Achten Sie jetzt auf die Marke von 520 Punkten beim HUI. Steigt der Index doch noch darüber an, könnte eine starke Beschleunigung der Bewegung anstehen, und die negative Divergenz zum Goldpreis auflösen. Fällt der Index dagegen weiter zurück, was sich das am Freitag bereits angekündigt hat, dann muss man vorsichtig werden.
Bedenklich ist nun auch der starke Umsatzanstieg vom Freitag beim Gold-ETF mit dem US-Kürzel GLD (blaue Markierung). Hier dürfte jetzt eine Konsolidierung anstehen:
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Zum Autor:
Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter
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