Fast alle Märkte an wichtigen Schlüsselpunkten - und der KID wackelt. Der hoffnungsvolle kleine Anstieg vom letzten Mal hat sich etwas abgeschwächt, auch für den Februar sieht es im Vorlauf eher mau aus. Die miserable angespannte Stimmung fordert ihren Tribut und über allem schwebt weiter das Phantom Irak-Krieg.
Kürzlich wurde die erste Schätzung für das (Jahres-) BIP 2002 bekanntgegeben: für Deutschland dürftige +0.2 %, also fast reales Nullwachstum - aber bislang auch nicht weniger. Investitions- und Konsumverzicht aus allgemeiner Verunsicherung, deutlich abrutschende Aktienkurse und ein exportbedrohlich steigender Eurokurs lassen leichte Zweifel an dem kleinen Silberstreif am Konjunktur-Horizont aufkommen. Schon knapp 3 Wochen nach Jahresbeginn werden bereits die ersten Prognosen für 2003 herabgesetzt. Deutschland auf dem Sonderweg zur dauerhaften Nullnummer ?
Nur ein schnelles und am besten friedliches Ende des Irak-Krieg-Traumas könnte jetzt für einen positiven Kick sorgen. Doch danach sieht es momentan nicht aus. Jenseits von Politik und Ideologie kann man sich fragen, ob die deutsch-französische Friedens-Initiative nicht strategisch gerade dazu führt, daß sich die Wahrscheinlichkeit eines realen Krieges wieder erhöht. Denn noch handelt es sich um einen kalten Krieg, um ein Machtpoker, das der irakische Staatspräsident perfekt beherrscht. Unter dem amerikanisch-britischen Druck wurden zwar Zugeständnisse an die UN-Inspektoren gemacht, genau dieser Druck erhält nun aber einen organisierten europäischen Gegendruck - was die Lage real verschärft, wie man an den Marktreaktionen der letzten Tage deutlich sehen konnte. Verblüffend hoch zudem die Umfragewerte in Deutschland, die in der Initiative des Kanzlers nur Landtagswahltaktik und Sympathiewerbung sehen.
Die deutsche Konjunktur jedenfalls hängt wie das Kaninchen vor der Schlange am Thema Irak, sodaß die Entwicklung der nächsten Monate zunächst einmal völlig dem Fortgang des Tagesgeschehens ausgeliefert scheint. Sollte hier bald eine Lösung zustandekommen, ist mit kurzer Erleichterung zu rechnen - doch danach droht uns unerbittlich wieder das, was die Auslandspresse als "La Malaise Allemande" bezeichnet: weitere Verunsicherung und anhaltende Depression durch tägliches Gezänk um kleine Flickschustereien an den von der Wirklichkeit längst überholten Systemen, statt notwendiger konzeptionell ausgereifter Strukturreformen. Der "neue europäische Weg" klingt imposant, solange aber die alten Strukturen dabei weiterhin unverändert bleiben, handelt es sich um reine Verbal-Akrobatik ohne Zukunftsperspektive. Die europäische Auslandspresse sieht dies bislang mit deutlich mehr Schärfe als unsere deutschen Medien.
Betrachtet man die Märkte, fragt man sich, was jetzt eigentlich noch kommen soll - bzw. ob der amerikanische Aufmarsch am Golf die westlichen Anleger inzwischen weit mehr bedroht als die irakische Regierung selbst. Die in den letzten Monaten aufgebaute Spannungsblase nimmt an den Märkten inzwischen negative Entwicklungen vorweg, die real immernoch völlig ungewiß und offen sind. Der Druck, der auf Saddam Hussein ausgeübt werden sollte, scheint die westlichen Akteure an den Aktien-, Renten- und Devisenmärkten viel mehr nervös zu machen als den Diktator im Irak. Eine irgendwie irreale Situation, dennoch wurden dabei an allen Schlüsselmärkten wichtige Chartmarken durchbrochen oder kürzlich erreicht, die eigentlich erst mögliche Kursziele im Fall einer negativen Entwicklung der Situation am Golf gewesen wären.
Ob das im Februar mögliche sehr plötzliche Platzen dieser langfristig aufgebauten Spannungsblase dann erstmal noch zu einer weiteren scharfen Bewegung in Trendrichtung führen wird, oder ob die Entspannung nach Ende des quälenden Wartens ganz unabhängig vom tatsächlichen Ereignis sofort eine ruckartige Gegenbewegung auslöst, scheint mir völlig unvorhersagbar. Zumindest die Logik spricht für eine Gegenbewegung nach dem ersten Schock, da inzwischen sehr viel Negatives eingepreist ist. Eine absolute Ausnahmesituation allenfalls für ausgeschlafene Zocker, da das Timing dabei völlig unkalkulierbar ist. Wer momentan größere Positionen hält oder zu kaufen beabsichtigt, muß wohl den Februar über äußerst wachsam am Ticker kleben.
Wegen der hohen und momentan sehr direkten Intermarket-Korrelationen ist es fast egal, mit welchem Markt man die Betrachtung beginnt. Der DAX hat am Freitag beinah wieder seinen 20-Jahres-Schnitt erreicht (leicht ansteigend bei etwa 2730 Punkten). Zwar bietet sich hier eine gewisse Unterstützung, aber wer gesehen hat, wie der Euro in den letzten Tagen die sehr harte Widerstandszone zwischen 1.0640 und 1.0760 gegen Dollar fast wie Butter durchsägt hat, wird darauf sicher nicht setzen wollen. Darunter liegen noch Unterstützungen bei 2575-2600 sowie das alte Intraday-Tief von 2519 Punkten. Darunter charttechnisch auf "unbegrenzten Freifall" setzen, dürfte dennoch nicht unbedingt erfolgversprechend sein - denn zwischen zunächst 2285 und 2175 sowie 2115 und 1975 liegen aus der Vergangenheit dicke Unterstützungszonen "in Sandbankbreite".
Fast zögerlich invers zum Dollar hat Gold mit dem Widerstand zwischen 350 und 354 $ ebenfalls den langfristigen 20-Jahres-Schnitt überwunden (aktuell etwa bei 351.50 und leicht fallend) und ist umgehend an mehrere Widerstände zwischen 367 und 370 geklettert. Sollte dieser Bereich auch überwunden werden, liegt noch ein mittlerer Widerstand bei 375-376 bevor eine härtere Zone zwischen 380 und 390 $ im Wege steht. Wird die kurzfristige Parallelität beibehalten, wäre ein Eurokurs von 1.11 dafür erforderlich.
Nachdem der Bund unerwartet schnell die Zone von 113.80 bis 114 hinter sich lassen konnte, wurde bei etwa 115.45 mit hohem Umsatz gleich die Mitte eines sehr langfristigen Aufwärtstrendkanals knapp überschritten. Setzt sich diese Entwicklung ungebremst fort, stehen nach 116.- die alten Hochs bei rund 118.- zur Disposition (im nicht adjustierten Endlos-Kontrakt). Am physischen Rentenmarkt scheint sich eine gewisse "neue deutsche Bescheidenheit" auszubreiten, die Kaufrenditen werden täglich winziger, selbst bei Junkbonds. Der besorgte Blick in die Zukunft zeigt den 1-Jahres-Forward beim 3-Monats-Euribor bei über 97.50 - entspricht Pi mal Daumen einem in einem Jahr erwarteten 3-Monatszins von unter 2.50 %.
Im Gesamtbild die absurde Situation, daß das angespannte "Warten auf den Tag X" bereits (fast) die "Tag-X-Kurse" herbeigeführt hat. Falls die für die zweite Februarhälfte erwartete endgültige Entscheidung über Krieg oder Frieden am Golf durch neue Verhandlungen und Untersuchungen erneut vertagt wird, könnte sich das Warten noch über ein weiteres halbes Jahr verlängern. Eine erschöpfte Lethargie an den Märkten bis zum Herbst wäre die mögliche Folge. Aber bis dahin sind es noch 5 lange Wochen.
Wer nebenbei einen Blick in die Wallstreet-Glaskugel werfen möchte, sollte sich heute Nacht (ab 23:30 Sat1 live) den Superbowl gönnen (Oakland Raiders vs. Tampa Bay Buccaneers). (Football-) Experten schwören darauf, das sich daraus eine Prognose für die Wallstreet 2003 ableiten läßt. Hat leider 2002 mal nicht funktioniert ...
Kürzlich wurde die erste Schätzung für das (Jahres-) BIP 2002 bekanntgegeben: für Deutschland dürftige +0.2 %, also fast reales Nullwachstum - aber bislang auch nicht weniger. Investitions- und Konsumverzicht aus allgemeiner Verunsicherung, deutlich abrutschende Aktienkurse und ein exportbedrohlich steigender Eurokurs lassen leichte Zweifel an dem kleinen Silberstreif am Konjunktur-Horizont aufkommen. Schon knapp 3 Wochen nach Jahresbeginn werden bereits die ersten Prognosen für 2003 herabgesetzt. Deutschland auf dem Sonderweg zur dauerhaften Nullnummer ?
Nur ein schnelles und am besten friedliches Ende des Irak-Krieg-Traumas könnte jetzt für einen positiven Kick sorgen. Doch danach sieht es momentan nicht aus. Jenseits von Politik und Ideologie kann man sich fragen, ob die deutsch-französische Friedens-Initiative nicht strategisch gerade dazu führt, daß sich die Wahrscheinlichkeit eines realen Krieges wieder erhöht. Denn noch handelt es sich um einen kalten Krieg, um ein Machtpoker, das der irakische Staatspräsident perfekt beherrscht. Unter dem amerikanisch-britischen Druck wurden zwar Zugeständnisse an die UN-Inspektoren gemacht, genau dieser Druck erhält nun aber einen organisierten europäischen Gegendruck - was die Lage real verschärft, wie man an den Marktreaktionen der letzten Tage deutlich sehen konnte. Verblüffend hoch zudem die Umfragewerte in Deutschland, die in der Initiative des Kanzlers nur Landtagswahltaktik und Sympathiewerbung sehen.
Die deutsche Konjunktur jedenfalls hängt wie das Kaninchen vor der Schlange am Thema Irak, sodaß die Entwicklung der nächsten Monate zunächst einmal völlig dem Fortgang des Tagesgeschehens ausgeliefert scheint. Sollte hier bald eine Lösung zustandekommen, ist mit kurzer Erleichterung zu rechnen - doch danach droht uns unerbittlich wieder das, was die Auslandspresse als "La Malaise Allemande" bezeichnet: weitere Verunsicherung und anhaltende Depression durch tägliches Gezänk um kleine Flickschustereien an den von der Wirklichkeit längst überholten Systemen, statt notwendiger konzeptionell ausgereifter Strukturreformen. Der "neue europäische Weg" klingt imposant, solange aber die alten Strukturen dabei weiterhin unverändert bleiben, handelt es sich um reine Verbal-Akrobatik ohne Zukunftsperspektive. Die europäische Auslandspresse sieht dies bislang mit deutlich mehr Schärfe als unsere deutschen Medien.
Betrachtet man die Märkte, fragt man sich, was jetzt eigentlich noch kommen soll - bzw. ob der amerikanische Aufmarsch am Golf die westlichen Anleger inzwischen weit mehr bedroht als die irakische Regierung selbst. Die in den letzten Monaten aufgebaute Spannungsblase nimmt an den Märkten inzwischen negative Entwicklungen vorweg, die real immernoch völlig ungewiß und offen sind. Der Druck, der auf Saddam Hussein ausgeübt werden sollte, scheint die westlichen Akteure an den Aktien-, Renten- und Devisenmärkten viel mehr nervös zu machen als den Diktator im Irak. Eine irgendwie irreale Situation, dennoch wurden dabei an allen Schlüsselmärkten wichtige Chartmarken durchbrochen oder kürzlich erreicht, die eigentlich erst mögliche Kursziele im Fall einer negativen Entwicklung der Situation am Golf gewesen wären.
Ob das im Februar mögliche sehr plötzliche Platzen dieser langfristig aufgebauten Spannungsblase dann erstmal noch zu einer weiteren scharfen Bewegung in Trendrichtung führen wird, oder ob die Entspannung nach Ende des quälenden Wartens ganz unabhängig vom tatsächlichen Ereignis sofort eine ruckartige Gegenbewegung auslöst, scheint mir völlig unvorhersagbar. Zumindest die Logik spricht für eine Gegenbewegung nach dem ersten Schock, da inzwischen sehr viel Negatives eingepreist ist. Eine absolute Ausnahmesituation allenfalls für ausgeschlafene Zocker, da das Timing dabei völlig unkalkulierbar ist. Wer momentan größere Positionen hält oder zu kaufen beabsichtigt, muß wohl den Februar über äußerst wachsam am Ticker kleben.
Wegen der hohen und momentan sehr direkten Intermarket-Korrelationen ist es fast egal, mit welchem Markt man die Betrachtung beginnt. Der DAX hat am Freitag beinah wieder seinen 20-Jahres-Schnitt erreicht (leicht ansteigend bei etwa 2730 Punkten). Zwar bietet sich hier eine gewisse Unterstützung, aber wer gesehen hat, wie der Euro in den letzten Tagen die sehr harte Widerstandszone zwischen 1.0640 und 1.0760 gegen Dollar fast wie Butter durchsägt hat, wird darauf sicher nicht setzen wollen. Darunter liegen noch Unterstützungen bei 2575-2600 sowie das alte Intraday-Tief von 2519 Punkten. Darunter charttechnisch auf "unbegrenzten Freifall" setzen, dürfte dennoch nicht unbedingt erfolgversprechend sein - denn zwischen zunächst 2285 und 2175 sowie 2115 und 1975 liegen aus der Vergangenheit dicke Unterstützungszonen "in Sandbankbreite".
Fast zögerlich invers zum Dollar hat Gold mit dem Widerstand zwischen 350 und 354 $ ebenfalls den langfristigen 20-Jahres-Schnitt überwunden (aktuell etwa bei 351.50 und leicht fallend) und ist umgehend an mehrere Widerstände zwischen 367 und 370 geklettert. Sollte dieser Bereich auch überwunden werden, liegt noch ein mittlerer Widerstand bei 375-376 bevor eine härtere Zone zwischen 380 und 390 $ im Wege steht. Wird die kurzfristige Parallelität beibehalten, wäre ein Eurokurs von 1.11 dafür erforderlich.
Nachdem der Bund unerwartet schnell die Zone von 113.80 bis 114 hinter sich lassen konnte, wurde bei etwa 115.45 mit hohem Umsatz gleich die Mitte eines sehr langfristigen Aufwärtstrendkanals knapp überschritten. Setzt sich diese Entwicklung ungebremst fort, stehen nach 116.- die alten Hochs bei rund 118.- zur Disposition (im nicht adjustierten Endlos-Kontrakt). Am physischen Rentenmarkt scheint sich eine gewisse "neue deutsche Bescheidenheit" auszubreiten, die Kaufrenditen werden täglich winziger, selbst bei Junkbonds. Der besorgte Blick in die Zukunft zeigt den 1-Jahres-Forward beim 3-Monats-Euribor bei über 97.50 - entspricht Pi mal Daumen einem in einem Jahr erwarteten 3-Monatszins von unter 2.50 %.
Im Gesamtbild die absurde Situation, daß das angespannte "Warten auf den Tag X" bereits (fast) die "Tag-X-Kurse" herbeigeführt hat. Falls die für die zweite Februarhälfte erwartete endgültige Entscheidung über Krieg oder Frieden am Golf durch neue Verhandlungen und Untersuchungen erneut vertagt wird, könnte sich das Warten noch über ein weiteres halbes Jahr verlängern. Eine erschöpfte Lethargie an den Märkten bis zum Herbst wäre die mögliche Folge. Aber bis dahin sind es noch 5 lange Wochen.
Wer nebenbei einen Blick in die Wallstreet-Glaskugel werfen möchte, sollte sich heute Nacht (ab 23:30 Sat1 live) den Superbowl gönnen (Oakland Raiders vs. Tampa Bay Buccaneers). (Football-) Experten schwören darauf, das sich daraus eine Prognose für die Wallstreet 2003 ableiten läßt. Hat leider 2002 mal nicht funktioniert ...