endlich mal ein Artikel der tacheles schreibt...
Quelle : boerse.ard.de/content.jsp?key=dokument_632176
27.08.2012 09:00
Q-Cells: Aktionäre gehen leer aus
Der insolvente Solarkonzern Q-Cells ist zwar einerseits gerettet. Die Aktionäre sind es aber nicht. Der südkoreanische Mischkonzern Hanwha kauft die Filetstücke von Q-Cells, nicht aber die Aktien. Der Kurssprung an der Börse ist unberechtigt.
Die Aktien von Q-Cells schießen zwar zu Handelsbeginn 29 Prozent in die Höhe. Am Freitagnachmittag hatten sie bereits in Reaktion auf einen entsprechenden Zeitungsbericht rund 33 Prozent zugelegt. Aber da denken Börsianer zu kurz, oder sie spekulieren mit der Unwissenheit der anderen.
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Bei der so genannten "Übernahme" von Q-Cells handelt es sich nämlich keineswegs um eine Übernahme der alten Aktien. "Das ist kein Share Deal, sondern ein so genannter Asset Deal", bestätigt der Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters von Q-Cells, Christoph Möller, gegenüber boerse.ARD.de. Dabei übernimmt der Käufer einzig das Vermögen, nicht aber die Aktien. "Das ist vom Gesetz so vorgesehen und der übliche Weg bei einer insolventen Firma", so Möller. Die Aktionäre von Q-Cells erhalten weder Ausschüttungen noch sonstige, nennenswerte Vermögensvorteile.
Übernahme von drei Vierteln der Belegschaft
Abseits der Börse wird die Übernahme allerdings als Rettung gefeiert. Der Kaufvertrag sieht den Erhalt des Forschungs- und Produktionsstandortes in Thalheim einschließlich des Erhalts von rund drei Vierteln der dortigen Belegschaft sowie die vollständige Übertragung der Tochtergesellschaft in Malaysia vor.
Der Käufer übernimmt die betriebsbezogenen Verbindlichkeiten in niedriger dreistelliger Millionenhöhe. Außerdem zahlt Hanwha einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag in bar.
Gläubiger müssen noch Ja sagen
Allerdings gibt es noch eine Bedingung: Die Gläubiger müssen der Übernahme noch zustimmen. Das könne sie auf der Gläubigerversammlung am 29. August. Der strategische will den weitaus größten Teil der gesamten Q-Cells-Gruppe übernehmen.
Die Hanwha-Gruppe gehört mit einem Umsatz von etwa 27 Milliarden US-Dollar zu den größten Unternehmen Südkoreas. Das Solargeschäft ist in der an der Nasdaq notierten Hanwha SolarOne mit Sitz in Shanghai gebündelt, die beim Solarmodulbau bereits seit Jahren mit Q-Cells zusammenarbeitet.
Erhalt der Arbeitsplätze?
Q-Cells war einst der größter deutsche Solarkonzern. Zuletzt beschäftigte das Unternehmen rund 2300 Mitarbeiter weltweit, unter ihnen 1300 am Stammsitz in Bitterfeld-Wolfen und 500 in Malaysia.
Mit der erstarkenden Konkurrenz aus China, wo Hersteller staatlich gestützt werden, begann der Niedergang der deutschen Solarbranche. In den vergangenen Monaten geriet auch Q-Cells immer stärker unter Druck. Anfang April stelle das Unternehmen Insolvenzantrag.
Hanwha ist der zehntgrößte südkoreanische Industriekonzern. Er könnte im "SolarValley" im Süden Sachsen-Anhalt sein zentrales Solar-Forschungszentrum aufbauen. Das Angebot der Südkoreaner beinhaltet nach dpa-Informationen, dass die Produktion in Deutschland fortgeführt wird. Beim benachbarten Solarkonzern Sovello war der Einstieg eines Investors gescheitert, weil er millionenschwere Unterstützung verlangte, die Produktion aber weitgehend nach Asien verlegen wollte.
bs
Gute Aussichten sind wertlos. Es kommt darauf an, wer sie hat.(Karl Kraus, österr. Schriftsteller)