Das Kapital: Noch spricht einiges für Deutschland
Anders als der Dax und fast unbemerkt, hat der gute alte CDax seinen Höchstwert aus dem Frühjahr 2000 bereits geknackt. Weitere Themen in diesem Kapital: Intel und Metallaktien.
Der marktbreite, 689 Titel umfassende Index reflektiert damit die relative Stärke von Werten mit kleiner und mittlerer Kapitalisierung. Allerdings läuft der deutsche Gesamtmarkt per saldo auch schon seit den düsteren Tagen vom Frühjahr 2003 besser als sein europäisches Pendant, wobei die relative Stärke seit dem Sommer 2006 durchaus ansehnlich ist. Folglich hat sich zumindest die KGV-Bewertung dem europäischen Durchschnitt von rund 15 auf Basis 2007 angenähert. Die nicht-finanziellen deutschen Firmen genießen mit einem 2007er KGV von etwa 16,5 inzwischen sogar einen kleinen Bewertungsaufschlag.
Nun wollen wir ausnahmsweise nicht darüber streiten, ob derartige Multiplikatoren auf Basis von Spitzengewinnen gerechtfertigt sind, sondern vielmehr fragen, ob die relative Stärke anhalten kann. Immerhin ist der hiesige Markt an Umsatz, Cashflow oder Buchwert gemessen nach wie vor so um ein Fünftel billiger als der europäische Gesamtmarkt. Dazu kommen eine derzeit überragende Wettbewerbsfähigkeit der Firmen sowie die Kapitalgüternachfrage aus den Schwellenländern. Und nicht zu vergessen: die klassischen Symptome eines selbsttragenden Aufschwungs.
Insofern scheint weiter einiges für Deutschland zu sprechen. Nur sollten die Anleger darüber nicht vergessen, dass der Export 47 Prozent des BIP ausmacht. Die kleinsten Zweifel an der Weltwirtschaft, und mit der relativen Stärke des industriell geprägten, zyklischen hiesigen Marktes ist es ganz schnell vorbei.
Intel/STMWas wie ein Befreiungsschlag wirkt, mutet auf dem zweiten Blick eher wie Blendwerk an. Obgleich die Schaffung eines Joint Ventures (JV), in das Intel

und STMicro (STM) ihre defizitären (vor allem Nor-)Flash-Speicher-Aktivitäten einbringen wollen, als strategischer Defensivschritt zwingend erscheint, beginnt die Affäre mit Fragezeichen.
So ist nicht nachzuvollziehen, ob die Anteilsverteilung am JV gerechtfertigt ist, da das operative Ergebnis des Geschäfts von Intel unbekannt ist und der kolportierte Eigenkapitalwert des JV von 2,4 Mrd. $ lediglich die 150 Mio. $ hochrechnet, die der Finanzinvestor Francisco Partners für seinen Anteil von 6,3 Prozent bezahlt. Allerdings in Form einer risikoärmeren Wandelschuldverschreibung und überproportionalen Mitspracherechten.
Weiter erstaunt, dass das JV fast 1 Mrd. $ an die beiden Chipfirmen bar auszahlt. Für die in dieser kapitalintensiven Branche nötigen Investitionen muss das JV nun erneut Geld beschaffen. Damit wäre man beim in diesem Subsektor schwierigen Thema Börsengang. Denn im Gegensatz zu den anderen Speicherchips, DRAM und Nand-Flash, hat Nor-Flash nicht nur mit der branchenüblichen starken Umsatz- und Preisvolatilität zu kämpfen, sondern auch noch mit starken Marktanteilsverlusten - Nor befindet sich auf dem Rückzug.
Ohne Börsengang ist für Intel und STM allerdings wenig gewonnen, denn über ihre hohen Anteile partizipieren sie immer noch voll an dem JV-Geschäft. Und das dürfte trotz zu erwartender Synergien stärkeren Gegenwind bekommen. Ausgerechnet der in diesem Geschäft nur ein Drittel so große Samsung-Konzern zeigt sich extrem aggressiv. Als einziger der großen konnte Samsung im ersten Quartal seinen Umsatz mit Nor steigern. Wie schnell Samsung zum Leidwesen des Wettbewerbs die Spitze erklimmen kann, haben die Koreaner bereits bei DRAM und Nand gezeigt. Die Kuh ist für STM und Intel noch lange nicht vom Eis.
MetallaktienDas Fusionsfieber hat die Bergbau- und die Metallbranche gepackt. Alcan

hat Alcoas

Angebot abgelehnt, zum weltgrößten Aluminiumkonzern zu verschmelzen. Das war absehbar, dümpelt Alcoas Angebot doch acht Prozent unter dem Alcan-Kurs dahin. Als Weißer Ritter käme BHP Billiton

in Betracht, auch wenn BHP angeblich eine Übernahme des Erzrivalen Rio Tinto

plant und seinerseits ins Visier der Finanzinvestoren geraten sein könnte. Unterdessen besserte Russlands Norilsk Nickel am Mittwoch im Kampf gegen Xstrata sein Gebot für den Nickelproduzenten Lionore nach.
Die Konzentration stärkt natürlich die Preismacht. Vorbild ist der Eisenerzmarkt, wo drei Firmen 70 Prozent der weltweiten Exporte unter sich aufteilen. Der jetzige Aufschwung bei Industriemetallen ist der stärkste seit Jahrzehnten. Die Anleger zweifeln dennoch, ob der Zyklus noch lange hält, nicht nur aufgrund von Befürchtungen hinsichtlich der Nachfrage. Schon jetzt wettert Peking gegen die Preiserhöhungen für Eisenerz und sucht intensiver nach Ersatz für Nickel und Kupfer. Sollte sich BHP an Rio Tinto versuchen, dürften die Regulatoren der Welt aufhorchen. Attraktiver als direkt auf Rohstoffe zu setzen, erscheinen die relativ billigen Metallwerte allerdings schon.
Quelle: Financial Times Deutschland
Servus, J.B.