EZB und Telekom auf dem Prüfstand
Von Norbert Häring, Torsten Engelbrecht und Christian SchwalbDie Europäische Zentralbank (EZB) und die Deutsche Telekom stehen in dieser Woche im Blickpunkt der Märkte.Die T-Aktie könnte nach den starken Kursgewinnen vom Freitag unter Druck geraten. Das Unternehmen hat eingeräumt, Sonera vor Ablauf der Haltefrist den Verkauf von T-Aktien erlaubt zu haben, die der finnische Mobilfunker im Zuge der Voicestream-Übernahme erhalten hatte.
Für die EZB-Ratssitzung am Donnerstag wird allseits mit der zweiten Leitzinssenkung in diesem Jahr gerechnet. Einer Reuters-Umfrage zufolge gehen die meisten Bankvolkswirte von einer Senkung um einen viertel Punkt auf 4,25 Prozent aus. Größere Marktreaktionen sind in diesem Fall kaum zu erwarten.
Risikofaktor Geldmenge Die EZB-Politik wird weithin als zu restriktiv und damit wachstumsfeindlich eingestuft. Eine überraschend starke Senkung um 50 Basispunkte dürfte daher Euro und Aktien Auftrieb verleihen. Ein Festhalten am bestehenden Leitzins würde dagegen zu Rückschlägen führen. Bereits zum Wochenende hatte die wachsende Vermutung den Euro zeitweise belastet, dass die am Dienstag zur Veröffentlichung anstehenden Geldmengendaten sehr hoch ausfallen und damit die EZB von einem Zinsschritt abhalten könnten.
Wegen der steigenden Hoffnung auf eine Konjunkturwende rechnen die Volkswirte von MM Warburg auch bei einer Zinssenkung nicht damit, dass die Kapitalmarktzinsen nach dem deutlichen Anstieg in der vergangenen Woche nennenswert nachgeben.
Einen Tag vor der EZB-Ratssitzung beendet Bundesbankpräsident Ernst Welteke mit einer Rede in Frankfurt das sommerliche Schweigen der Ratsmitglieder. Welteke könnte einen Hinweis auf die Pläne der Zentralbank geben.
Allzu viel Hoffnung in die Geldpolitik setzen die Aktienanalysten nach den Erfahrungen in den Vereinigten Staaten allerdings nicht mehr. Viele Unternehmen haben enorme Schulden auf sich geladen und mit dem geliehenen Geld zu hohe Kapazitäten aufgebaut, weshalb der Investitionsanreiz trotz des billigeren Geldes relativ gering ist. Mehr als um die Geldpolitik sorgen sich die Analysten daher um die Gewinnentwicklung der Unternehmen.
So hatte die US-Notenbank Federal Reserve nicht nur auf eine fortgesetzte konjunkturelle Schwäche in den USA hingewiesen, sondern auch auf den Risikofaktor, dass die Unternehmensgewinne sowie die Investitionen weiter nachgeben werden. "Solange die Unternehmen noch keine Prognosen für das dritte Quartal abgegeben haben, sind wir hinsichtlich einer Stabilisierung der Unternehmensgewinne in wichtigen Branchen wie Software und Telekommunikation sehr skeptisch", sagte Aktienstratege Volker Borghoff von HSBC Trinkaus.
Telekomerholung gefährdet
Die Aktien der Deutschen Telekom hatten am Freitag mit einem Kurssprung von 8,5 Prozent auf 18,04 Euro einen Teil ihrer dramatischen Verluste der vergangenen Wochen wieder wettgemacht. Der überraschend gute Quartalsausblick des US-Netzwerkausrüsters Cisco hatte die Märkte und damit auch die T-Aktie beflügelt. Vor allem Hedge Funds in den USA sind nach Angaben von Händlern durch die steigenden Kurse in Zugzwang geraten.
Sie hatten auf einen weiteren Kursverfall der T-Aktie gesetzt. Als so genannte Leerverkäufer ("Short-Verkäufer") hatten sich die Fonds T-Aktien geliehen und verkauft, um bei niedrigeren Kursen wieder einzusteigen und die Kursdifferenz als Spekulationsgewinn zu verbuchen. Da die geliehenen Papiere zurückgegeben werden müssen, der Kurs der T-Aktie aber nicht auf das erhoffte Niveau gefallen ist, geht die Rechnung der Fonds nicht auf. "Weltweit dürfte es rund 300 Millionen Short-Positionen auf die T-Aktie geben, davon 250 Millionen in den USA", sagte Horst Krämer, Händler bei Merck Finck.
Am Montag droht eine Berichtigung des Treuebekenntnisses verschiedener Telekom-Großaktionäre, das der Aktie am Freitag zusätzlich Auftrieb gegeben hatte. Dass die Telekom den Verkauf der T-Aktien aus dem Sonera-Bestand billigte, dürfte dem Misstrauen in die Informationspolitik des Konzerns Nahrung geben. "Der Hauptfehler der Telekom war es, keine Transparenz in Bezug auf die Voicestream-Finanzierung geschaffen zu haben", sagt Analyst Theo Kitz von Merck Finck. "Ungewissheit ist Gift für eine Aktie."
Wie die Wall Street nach ihrem fulminanten Schlussspurt am Freitag die neue Woche meistert, ist dagegen vor allem eine Frage der Marktstimmung. Von Cisco beflügelt hatte die Technologiebörse Nasdaq am Freitag vier Prozent zugelegt. Die Bestätigung des Quartalsausblicks durch den US-Netzwerkausrüster wog damit schwerer als der negative Ausblick für Unternehmensgewinne, den die US-Notenbank gegeben hatte.
US-Verbraucher im Fokus
Quartalsberichte wichtiger Unternehmen stehen in dieser Woche nicht an, sodass das Verbrauchervertrauen im August am Dienstag und die erste Revision der Daten zum US-Wirtschaftswachstum am Mittwoch die wichtigsten Impulse liefern dürften.
Experten rechnen einerseits mit einem zunehmenden Optimismus der Verbraucher, andererseits aber damit, dass das Wachstum im zweiten Quartal stagniert. In der ersten Schätzung war noch von einem Anstieg um 0,7 Prozent ausgegangen worden. "Solange wir uns akute Sorgen über eine Rezession machen, müssen wir uns auch über das Konsumentenvertrauen Sorgen machen", betonte Chefvolkswirt Bruce Kasman von JP Morgan.
Die japanischen Finanzmärkte hoffen der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge, dass Premierminister Junichiro Koizumi in dieser Woche Einzelheiten seines Reformplans zur Bankensanierung vorstellt und damit dem Aktienmarkt neue Impulse gibt.
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Der positive Ifo-Indikator hat der EZB etwas die Schau gestohlen
Verspätung
Vom Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, wird erwartet, dass er am Donnerstag eine Leitzinssenkung verkündet. Die Preisdaten der letzten Tage und Wochen waren unerwartet günstig. Der Markt spielt aber bereits wieder mit der Möglichkeit, dass sich die Konjunktur bald erholt.
Hoffnung
Wenn der japanische Regierungschef Junichiro Koizumi wie erwartet bald seine Pläne für die Sanierung des maroden Bankensystems des Landes konkretisiert, könnte dies dem Aktienmarkt aus seiner Lethargie helfen. Der Nikkei-Index verließ die Woche nahe seinem 16-Jahrestief bei wenig über 11.000 Yen.
Richtungsentscheid
Der Euro bewegt sich seit einiger Zeit im engen Band zwischen 91 und 92 US-Cent. In welche Richtung er dieses Band verlässt, dürfte die Frage entscheiden, ob die jüngste Aufwertung nur ein Zwischenhoch war wie zur Jahreswende oder die erste Etappe auf dem Weg zur Parität.
Zwischenhoch
Am Freitag legte die T-Aktie um mehr als 8 Prozent zu. Mit einer nachhaltigen Fortsetzung dieses Kursschubs rechnen Börsianer jedoch nicht. Das Eingeständnis, dass Sonera zusätzliche T-Aktien verkauft hat, dürfte das Vertrauen in die Telekom wieder schwächen.
ftd.