23.08.2007 17:13
Nach IKB (Nachrichten/Aktienkurs) und Sachsen LB hat eine weitere deutsche Bank Probleme im Zusammenhang mit der US-Immobilienkrise eingeräumt. Die HSH Nordbank teilte am Donnerstag mit, es gebe bei ihr fremdgemanagte Investments von 300 Millionen Euro, bei denen sich die Bank "nicht ganz so komfortabel" fühle. Insgesamt entspannte sich die Lage an den Märkten weiter: Der deutsche Aktienmarkt verzeichnete erneut Kursgewinne. Die meisten Ökonomen rechnen nach wie vor nicht mit negativen Auswirkungen der US-Krise auf den Wirtschaftsaufschwung in Deutschland. Die schlechte Nachricht für Verbraucher: Kredite werden nach Meinung von Experten zum Teil teurer.
HSH-Nordbank-Chef Hans Berger sagte, für Risiken aus diesen Geschäften seien 50 Millionen Euro zurückgelegt. Eine gravierende Belastung des Ergebnisses sei nicht zu erwarten. Insgesamt sehe sich die Landesbank der Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein von den Erschütterungen auf den Finanzmärkten nur wenig berührt. Nach Bergers Angaben ist das Institut indirekt mit 1,8 Milliarden Euro auf den nordamerikanischen Immobilienmärkten engagiert, aber überwiegend in gewerblichen Projektfinanzierungen.
BERGER: KEINE ALLGEMEINE BANKENKRISE HERBEIREDEN
Berger warnte davor, eine allgemeine Bankenkrise herbeizureden. "Es sind Fehler im Zusammenhang mit der Finanzierung von amerikanischen Privatimmobilien gemacht worden", sagte er in Hamburg. "Wenn man so will, liegt der Sinn der Krise gerade darin, diese Fehler zu korrigieren." Das werde zwar nicht ohne Verluste ausgehen, er halte es aber für völlig überzogen, daraus eine allgemeine Kreditkrise abzuleiten.
Die Landesbank Berlin versicherte, sie sei im Markt zweitklassiger US-Hypothekenkredite "nicht engagiert". Aus diesem Geschäft habe sich das Institut "bewusst ferngehalten", sagte der Vorstandsvorsitzende Hans-Jörg Vetter während der Jahreshauptversammlung. Mit riskanten Immobiliengeschäften im Inland hatte sich die damalige Bankgesellschaft im Jahr 2001 an den Rand des Zusammenbruchs gebracht.
SPITZENVERBÄNDE DER DEUTSCHEN KREDITWIRTSCHAFT: SPÜRBARE NORMALISIERUNG
Die Spitzenverbände der deutschen Kreditwirtschaft haben eine spürbare Normalisierung des Geldmarktes festgestellt. Die Europäische Zentralbank habe "mit ihrer Liquiditätssteuerung dafür gesorgt, dass kurzfristige Engpässe beseitigt wurden", teilte der Zentrale Kreditausschuss der Banken- und Sparkassenverbände mit.
Die Stabilität des deutschen Kreditgewerbes stehe trotz der von Unsicherheit geprägten Situation an den Finanzmärkten nicht in Frage. Vorübergehende "Verspannungen" hätten keine nachhaltigen Auswirkungen auf das Geschäft unter den Banken. Inzwischen gebe es Anzeichen, dass die Märkte sich wieder normalisierten. Angesichts der robusten Konjunktur in Deutschland und der Welt sei eine nachhaltige Beeinträchtigung der Wirtschaft nicht zu befürchten
CREDITREFORM: KREDITAUFNAHMEN WERDEN SCHWIERIGER
Die Düsseldorfer Wirtschaftsauskunftei Creditreform ist überzeugt, dass infolge der Krise Privatkunden und Unternehmen künftig nicht mehr so leicht an Kredite herankommen werden. Es sei zu erwarten, dass die Banken die Vergabe künftig strenger prüfen werden. "Der Blick über den Atlantik nach Amerika lässt bereits erahnen, was in Deutschland in den kommenden Monaten eintreten wird", sagte Helmut Rödl, Mitglied des Gesamtvorstandes von Creditreform. Dort hätten sich die Finanzierungsbedingungen erheblich verschärft. Ein Wiederanstieg der Firmenpleiten in Deutschland sei vor diesem Hintergrund nicht auszuschließen. Von einer Kreditklemme für den deutschen Mittelstand könne aber nicht die Rede sein.
In den USA kostete die Hypotheken- und Immobilienkrise bereits zehntausende Arbeiter und Angestellte den Job. Bisher stellten mehr als 50 Hypothekenfirmen ihre Tätigkeit ein. Die Bank of America (Nachrichten) (BAC) stieg bei der schwer angeschlagenen größten US-Hypothekenbank Countrywide mit zwei Milliarden Dollar (1,5 Mrd Euro) ein.
Ausgelöst worden waren die Turbulenzen, weil in den USA viele Hausbauer ihre Kreditraten nicht mehr zahlen konnten. Die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB war über ihren Rhineland-Fonds von der Krise um minderwertige US-Immobilienkrediten schwer getroffen worden. Die IKB wurde von einem Bankenpool um die staatliche KfW Bankengruppe mit einer Bürgschaft von 8,1 Milliarden Euro gerettet. Auch die Sachsen LB, die kleinste deutsche Landesbank, war infolge der US-Immobilienkrise in Bedrängnis geraten und durch einen Kredit der Sparkassen-Gruppe über 17,3 Milliarden Euro vor der Zahlungsunfähigkeit bewahrt worden