05.03.2013, 14:26 Uhr
Vor über vier Jahren ist hat die US-Regierung die Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac verstaatlicht. Nun haben sich die Häuser in die Gewinnzone zurückgekämpft – und wird über einen Ausstieg nachgedacht.
Der Sitz des Hyothekenhauses Fannie Mae in Washington.
Washington. Mehr als vier Jahre nach der Verstaatlichung der beiden Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac hat die US-Regierung erstmals ein Ausstiegsszenario skizziert. Nach den Vorstellungen der für den Häusermarkt zuständigen Behörde FHFA sollen die beiden Institute in diesem Jahr ein Gemeinschaftsunternehmen gründen, das sich auf die Verbriefung von grundsoliden Hypotheken spezialisiert.
Die neue Einheit soll dann voraussichtlich 2014 mit einer eigenen Infrastruktur und Mannschaft an den Start gehen und das gesunde Kerngeschäft von Fannie und Freddie bündeln. Im besten Falle könnte die Plattform am Ende privatisiert werden - und die beiden ursprünglichen Institute, die ihre illiquiden Restbestände ohnehin abschmelzen sollen, würden ohne großen Schaden für den Markt abgewickelt und wären Geschichte. Der Steuerzahler könnte aufatmen.
Die Multimilliarden-Einschnitte im US-Haushalt
Warum drohen die Kürzungen jetzt?
Die Sparbombe geht auf einen früheren Haushaltskompromiss vom Sommer 2011 zurück, als der Streit um die Anhebung der Schuldenobergrenze die USA an den Rand der Zahlungsunfähigkeit gebracht hatte. Die Einschnitte waren eigentlich als Drohkulisse gedacht, damit sich Republikaner und Demokraten auf einen Plan zum Abbau des Defizits verständigen. Zu einer Einigung kam es aber nie.
Ursprünglich sollten die automatischen Kürzungen bereits zum 1. Januar in Kraft treten, zeitgleich mit dem Ende von Steuererleichterungen für fast alle US-Haushalte. Der Kongress wendete diese sogenannte Fiskalklippe aber nach erbitterten Verhandlungen ab: Steuererhöhungen gab es nur für Reiche, die Frist für die drakonischen Einschnitte wurde um zwei Monate verschoben.
Auch ein Andocken der neuen Plattform an eine Regierungseinrichtung wäre denkbar, wie der amtierende FHFA-Direktor Edward DeMarco in der Nacht zum Dienstag in Washington erläuterte. "Was wir anstreben ist, etwas Werthaltiges zu schaffen, das entweder verkauft oder von der Politik als Fundament für den Hypothekenmarkt der Zukunft genutzt werden kann", erklärte er. "Wir sind dabei, die überholten Systeme von Fannie und Freddie zu ersetzen."
Die beiden Immobilienfinanzierer mussten 2008 von der Regierung aufgefangen werden, weil sie nach dem Crash auf dem amerikanischen Häusermarkt auf einem großen Berg fauler Kredite saßen und die Verluste alleine nicht mehr schultern konnten. Die Regierung pumpte seither fast 200 Milliarden Dollar in die Institute, um sie am Leben zu halten.
Fannie und Freddie sind extrem wichtig für den US-Häusermarkt: Sie vergeben selbst zwar keine Hypotheken. Aber sie stellen anderen Banken Liquidität zur Verfügung, indem sie ihnen Häuserkredite abkaufen und in den meisten Fällen zu Wertpapieren verbriefen und an Investoren weiterreichen. Sie sind quasi ein Durchlauferhitzer für den Markt - eine Funktion, die das neue Gemeinschaftsunternehmen nun übernehmen soll, zumal die alten Namen seit der Finanzkrise ohnehin negativ besetzt sind.
Fannie und Freddie haben sich inzwischen zwar mühsam in die Gewinnzone zurückgekämpft, denn der US-Immobilienmarkt hat sich spürbar erholt. Doch in der Politik mehren sich die Stimmen derer, die einen klaren Schnitt wollen. Bislang mangelte es an Alternativen zu den beiden Instituten.
Quelle: Reuters
LG T-Rexi