Dem meisten stimme ich zu. Es gibt allerdings 2022 andere Verhältnisse als 2012 ff.
Damals wurde - um den NWS zu legitimieren - u. a. das vorgeschobene Argument verbreitet, FnF würden "nicht funktionieren", weil "das Geschäftsmodell fehlerhaft" sei. FnF sollten durch neue, "besser funktionierende" Institutionen ersetzt werden.
Heute ist klar, dass dies nicht zutrifft. FnF verdienen ziemlich regelmäßig 20 Mrd. $ pro Jahr. Keine kann mehr ernsthaft behaupten, dass das Geschäftmodell fehlerhaft sei.
Deshalb ist die neue Marschrichtung, FnF weiter als Firmen bestehen zu lassen, allerdings als "Utility Model"*. Also wie eine Energieversorger, der die Bevölkerung sicher und zuverlässig mit Strom beliefert.
(* Hier spielt die Spinstory der Regierung mit rein, FnF hätten sich 2008 durch Übernahme übermäßige Risiken verzockt. Die Zwangsverwaltung hätte dem "spekulativen Treiben" dann aber "Gott sei dank" eine Ende bereitet und die Zügel angezogen. Im Utility Model sollen FnF nur noch ihren eigentlichen Kernaufgaben nachgehen. Das ist größtenteils erstunken und erlogen, passt aber perfekt zu dem "Rettungsnarrativ" von 2008).Das Utility Model soll auf längere Sicht mit einer KE/Freilassung einhergehen. Das ist seit spätestens 2019 geplant, weil FnF seitdem ihre Gewinne zum Kapitalaufbau einbehalten können (NWS faktisch pausiert). Würden nur 20 Mrd. $ pro Jahr hinzukommen und die SPS nicht gelöscht oder umgewandelt (= organisches Recap), würden aber noch ca. 15 bis 20 Jahre verstreichen, ehe CET1 für eine Freilassung reicht. Deshalb hat Susan Wachter u. a. im CBO-Positionspapier der Regierung von Dez. 2020 verschiedene Szenarien für eine KE durchgerechnet. Eins war für 2023, das zweite für 2025.
Man kann und sollte daher davon ausgehen, dass die KE/Freilassung bis 2025 kommt, und zwar auf administrativem Wege, d.h. durch Briefvereinbarung zwischen FHFA und Schatzamt.
Zuvor müssen aber alle Prozesse "abgearbeitet" werden, sonst wäre eine KE gar nicht möglich. Dabei spielt es keine Rolle, ob - wie bei Scotus und jetzt Lamberth - die Urteile zugunsten der FHFA/Regierung "verbogen" werden. Hauptsache sie sind "durch" und die Prozesse sind weg.
Gemäß der 4. Briefvereinbarung vom Jan. 2020 kann eine KE/Freilassung erst erfolgen, wenn die Summe aller ausstehende Ansprüche aus laufenden Prozessen auf unter 5 Mrd. $ gesunken sind. Diese 5 Mrd. $ werden in den Bilanzen von FnF bereits als Prozessrisiken vorgehalten.
Die Aufrechterhaltung des "Rettungsnarrativs" (spiegelt sich auch in der Bezeichnung "Utility Model" wider) dient mMn vor allem dazu, die Stammaktionäre bei der KE/Freilassung abzuledern bzw. mit Brosamen abzuspeisen. Das hat für die Regierung den schönen Nebeneffekt, bei der KE nochmals bis zu 100 Mrd. $ einzusacken.
Das Ganze kann dann wie eine Chapter-11-Pleite abgewickelt werden (ähnlich AIG, wo die Stämme nichts bekamen). Bei Chapter-11-Pleiten sind die Firmen nach Hilfen (meist vom Staat) und Erlass der (nachrangigen) Altschulden wieder voll funktionsfähig und kehren an die Hauptbörsen zurück. Ist schon zig Mal passiert in USA, z. B. bei GM und vielen Airlines. Aber die Altaktien werden dabei in der Regel wertlos.
Deshalb hab ich auch keine Stammaktien, sondern die JPS. Die JPS haben bei FnF hinsichtlich Chapter-11-Ähnlichkeit etwa den Stellenwert von vorrangigen Unternehmensanleihen, obwohl es sich um Vorzugsaktien handelt. Der Hauptunterschied zwischen Vorzugsaktien und Bonds/Unternehmensanleihen ist, dass bei ersteren die Dividenden ausgesetzt werden können (passierte ja auch 2008), während bei Bonds und Junkbonds IMMER die Zinsen bezahlt werden müssen, solange die Firmen nicht endgültig pleite sind.