Meinung der KI gestern Abend zu den Zahlen...
Ja – der erste Blick auf die Zahlen wirkt deutlich schlechter, als das operative Bild tatsächlich ist. Der Kursrückgang von -8,4 % nachbörslich ist nachvollziehbar, aber ich würde die Meldung nicht als grundlegenden Bruch der PAAS-Story interpretieren.
Bei Pan American Silver würde ich die Meldung so einordnen:
1. Der EPS-Miss ist unschön – aber nicht das Wichtigste
* Non-GAAP EPS: 0,73 $ statt erwarteter 0,87 $
* Umsatz: 1,12 Mrd. $, rund 20 Mio. $ unter Erwartung
* Umsatz trotzdem +37,9 % YoY
Der Markt bestraft hier vor allem die Kombination aus Gewinnmiss + schwächerem Gold-Ausblick.
Entscheidend ist aber: Bei einem Silberproduzenten sollte man nicht nur auf das Quartals-EPS schauen. Viel wichtiger sind Silberproduktion, AISC, Free Cashflow, Cashbestand und die Entwicklung der Metallpreise.
2. Die Silberseite sieht weiterhin ziemlich gut aus
PAAS produzierte im zweiten Quartal 6,5 Mio. oz Silber und lag damit am oberen Ende der Quartalserwartung. Gleichzeitig hat das Unternehmen die Jahresprognose von 25–27 Mio. oz Silber bestätigt.
Das ist für mich der wichtigste Punkt.
Die eigentliche Silberstory ist also nicht beschädigt.
Und gerade wenn Silber tatsächlich bei bzw. oberhalb von 60 $ bleibt, verändert sich die Ertragskraft von PAAS massiv.
3. Problematischer ist Gold
Hier hat PAAS die Prognose faktisch verschlechtert:
* 2026 Goldproduktion jetzt am unteren Ende von 700–750 koz
* Q3 sogar 3–6 koz unter der bisherigen unteren Prognose
* Gold-AISC jetzt am oberen Ende von 1.700–1.850 $/oz
Gründe sind insbesondere Jacobina und El Peñon sowie höhere Arbeits- und Verbrauchskosten.
Bei Jacobina kommen zusätzlich Sicherheitsmaßnahmen wegen der dort beobachteten seismischen Ereignisse hinzu. PAAS lässt größere Pfeiler stehen und verändert teilweise die Abbaumethode. Das ist kurzfristig negativ für die Produktion, aber aus meiner Sicht eher ein operatives Problem als ein existenzielles Problem.
4. Interessant ist die Steuerprognose
Das wird in der Schlagzeile fast völlig übersehen:
PAAS erhöht die erwarteten Cash Taxes 2026 auf 585–635 Mio. $, und zwar ausdrücklich wegen der höheren Profitabilität aufgrund der gestiegenen Metallpreise.
Für die Kalkulation verwendet das Unternehmen für H2:
* Silber: 60 $/oz
* Gold: 4.000 $/oz
Das ist ein ziemlich deutlicher Hinweis darauf, dass PAAS selbst inzwischen mit erheblich höheren Metallpreisen rechnet bzw. diese zumindest in der Planung berücksichtigt.
5. Warum der Markt trotzdem so heftig reagiert
Ich glaube, hier spielen drei Dinge zusammen:
A. Die Aktie war bereits sehr stark gelaufen.
Bei einem stark gestiegenen Silberproduzenten werden gute Zahlen schnell zur Voraussetzung. Ein EPS-Miss von 16 % reicht dann für Gewinnmitnahmen.
B. Goldproduktion/AISC verschlechtern sich.
Das ist die eigentliche negative Überraschung.
C. Der Markt hatte vermutlich auf einen noch stärkeren operativen Hebel gehofft.
PAAS ist mittlerweile keine kleine spekulative Silbermine mehr. Mit Juanicipio und dem größeren Produktionsportfolio ist die Erwartungshaltung deutlich gestiegen.
Und nach diesen Zahlen würde ich meine Einschätzung so formulieren:
Unter 50 $ würde ich PAAS aktuell eher kaufen als verkaufen. Zwischen 50 und 60 $ halte ich die Aktie für attraktiv. Bei 60–70 $ würde ich halten. Oberhalb von 80 $ würde ich anfangen, Gewinne abzusichern – es sei denn, Silber etabliert sich tatsächlich nachhaltig oberhalb von 80 $.
Der für mich interessanteste Bereich wäre deshalb ein möglicher morgiger Rückgang auf 47–50 $. Denn dann würde der Markt meiner Meinung nach den EPS-Miss und die Goldprobleme möglicherweise überproportional einpreisen, während sich an der eigentlichen Silber-Cashflow-Story wenig geändert hat.
Und noch etwas: Morgen ist der Conference Call. Dort würde ich besonders auf Aussagen zu Jacobina, AISC, Q3-Produktion, Steuern und der Verwendung des enormen Cashflows achten. Der Call findet am 13. August um 11:00 ET statt.
Mein Urteil nach Q2: PAAS bleibt für mich ein Kaufkandidat – aber nicht mehr „blind kaufen“. Unter 50 $ wird es für mich richtig interessant.