OLYMPIA: Im Quotenglück

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OLYMPIA: Im Quotenglück Happy End

OLYMPIA: Im Quotenglück

 
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Die Winterspiele in Salt Lake City waren ein voller Erfolg. Nicht nur für die deutschen Sportler, sondern auch für die Medien, Sponsoren und Werbungtreibenden.

Hamburg - Auch wenn der Dopingskandal um Langläufer Johann Müllegg noch nicht ausgestanden ist, waren die Olympischen Winterspiele 2002 von Salt Lake City finanziell ein großer Erfolg. Wie Mitt Romney, Vorsitzender des Organisationskomitees (SLOC), mitteilte, erzielten die olympischen Ausrichter nach der vorläufigen Bilanz einen Gewinn von 99 Millionen Dollar. Olympia 2002 wird damit die Steuerzahler in den USA mit keinem Cent belasten.

Anders hier zu Lande. Die Übertragungen der medaillenreichen Spiele kostete die Gebührenzahler einiges. ARD und ZDF mussten allein für die Übertragungsrechte rund 28 Millionen Euro hinblättern. Dazu kommen noch die Produktionskosten, die sich auf circa 42 Millionen Euro belaufen sollen. Immerhin rackerten auch rund 400 Mitarbeiter in Salt Lake City, um eine reibungslose Übertragung zu garantieren. Die Werbeeinnahmen konnten da nur einen Teil der Ausgaben wettmachen.

Quoten-Höhepunkt Skispringen

Aber der Aufwand hat sich offensichtlich gelohnt. Laut einer Forsa-Umfrage befanden 76 Prozent der Zuschauer die Olympia-Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Sender als "sehr gut" oder "gut". Wie schön war es, an dem Goldrausch teilzuhaben und mit den Sportlern zu fiebern und zu ächzten - ohne fortwährend von Werbeblöcken gestört zu werden. Die Quoten sprechen für sich. Rund zwei Millionen Zuschauer mehr als bei den Sommerspielen in Sydney zog es jeden Abend vor die Bildschirme, um am Medaillenregen teilzuhaben. Im Schnitt verfolgten zu den Hauptsendezeiten rund 5,2 Millionen Zuschauer die Sport-Übertragungen im ZDF. Der Biathlon-Wettbewerb der Frauen, den die ARD übertrug, bannte 7,08 Millionen Zuschauer vor die Flimmerkiste - und übertrumpfte damit sogar die Fußball-Übertragung Deutschland gegen Israel.

Auch das Zickenrennen von Claudia Pechstein und Anni Friesinger war mit 10,08 Millionen Zuschauern ein voller Quotenerfolg. Höhepunkt war aber das Skispringen von der 120-Meter-Schanze der deutschen Mannschaft. Insgesamt 11,87 Millionen Zuschauer sahen den Goldjungen zu, wie sie durch die Luft segelten - Marktanteil 42,2 Prozent. ARD und ZDF befanden sich damit ebenfalls auf Goldkurs.

Sender im Quotenhoch

Aber nicht nur bei ARD und ZDF stiegen die Quoten, auch Eurosport profitierte von dem populären Sportereignis. Der Marktanteil schoss zeitweise in bisher unbekannte Höhen von über sechs Prozent. Auch bei Premiere World, das die Olympischen Spiele erstmals komplett übertrug, zeigten sich zufriedene Gesichter. Der defizitäre Sender hatte 40 seiner Mitarbeiter nach Salt Lake City geschickt. 70 Prozent der Abonnenten schauten sich die Olympiade an. Doch bei der Frage, wer die besten Moderatoren hat, haben wieder die Öffentlich-rechtlichen die Nase vorn. Das Marktforschungsinstitut Forsa ermittelte Wolf-Dieter Poschmann (ZDF) und Gerhard Delling (ARD) als die Publikumslieblinge.

Doch das Ende der olympischen Winterspiele bedeutet auch das Ende des Quotenglücks, in dem sich die vorher genannten Sender sonnten. Schnell pendeln sich die Quoten wieder auf normales Niveau ein. Das Siegerfähnchen am vergangenen Montagabend eroberte der Privatsender RTL zurück. Quotenjäger Günther Jauch war mit seinem Quiz "Wer wird Millionär?" nicht zu schlagen.

Doch neben TV-Medien können sich auch die Werbungtreibenden wie die Markenartikler Adidas, Bitburger und Chevrolet freuen. Spielend erreichten sie während der Olympiade überraschend hohe Marktpräsenz. Dabei musste jedoch das ZDF mitten während der Spiele sogar die Werbepreise für die Fernsehspots senken und gewährte Rabatte. Grund: die Werbeinseln waren nicht ausgebucht. Doch sei kräftig nachgebucht worden, hieß es seitens des ZDF. Kunden waren beispielsweise Procter & Gamble, Ferrero und Dallmair.

Die ARD hatte ihrerseits kurz vor Beginn der Spiele Rabatte gewährt, damit sie beispielsweise Sendezeiten für die erst jetzt entdeckte "Trendsportart" Curling loswurde. Auch wenn ARD und ZDF die Einnahmen durch die Werbung nicht beziffern, die Sender dürften einige Millionen durch die Werbung eingenommen haben. Der US-amerikanische Sender NBC meldete zumindest einen Gewinn von 75 Millionen Dollar. Der Maßstab für die Winterspiele in Turin 2006 ist nun hoch angesetzt.


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