Riesiger Verlust - Eigenkapital weg - Außerordentliche HV - Banken zerlegen - Abschied vom Neuen Markt
ag Düsseldorf - Der Softwarehersteller SER Systems AG hat 2001 einen alle Erwartungen übertreffenden Verlust von 176 Mill. Euro erwirtschaftet. Im Vorjahr war noch ein Gewinn von gut 16 Mill. Euro erzielt worden. Auf der Passivseite führt der Verlust zu einer weitgehenden Aufzehrung des Eigenkapitals im Konzern. Das Eigenkapital der SER Systems AG beträgt zum 31. Dezember 2001 noch 14,1 Mill. Euro. Das Unternehmen hat für den 18. April 2002 zu einer außerordentlichen Hauptversammlung nach Köln geladen. Die SER-Aktie verlor am Neuen Markt zeitweise rund 20 % auf rund 0,38 Euro.
In dieser außerordentlichen Hauptversammlung soll den Aktionären neben einem Wechsel vom Neuen Markt in den Geregelten Markt eine Änderung des Namens und des Geschäftszwecks vorgeschlagen werden. Die SER soll auf eine Beteiligungs-Holding reduziert werden. Über mehrere Management Buy-outs von Tochtergesellschaften sollen Bankenverpflichtungen abgelöst werden. Die Kreditinstitute haben bei SER die Zügel in die Hand genommen.
Wie es im Zwischenbericht für das vierte Quartal heißt, wurden im Verlauf des Jahres 2001 "erhebliche Probleme" in der Umsetzung des Geschäftsmodells sichtbar, die mehrere - auch grundsätzliche - Anpassungen des tief greifenden Restrukturierungsprogramms notwendig gemacht hätten. Das Vorsteuerergebnis (Ebt) wurde nach Angaben der Gesellschaft mit "Einmaleffekten" von rund 139 Mill. Euro belastet und rutschte dadurch von einem Plus von knapp 18 Mill. Euro im Vorjahr auf sage und schreibe - 171 Mill. Euro ab.
Anlässlich der Vorlage der Neunmonatszahlen waren "lediglich" 55 Mill. Euro Sonderabschreibungen angekündigt worden. Einer Sprecherin zufolge setzt sich die nunmehr veröffentliche Summe an Sonderbelastungen aus 23 Mill. Euro Umsatzverschiebungen in das Jahr 2002 zusammen, ferner aus 10 Mill. Euro für Personal- und Restrukturierungsmaßnahmen, 30 Mill. Euro für betriebliche Abläufe und 76 Mill. Euro für Sonderabschreibungen.
Im vierten Quartal 2001 haben die involvierten deutschen Banken die vorzeitige Rückführung der bestehenden Bankverbindlichkeiten gefordert. Nun sollen werthaltige Töchter in den USA (85 %) und Deutschland/Österreich (100 %) über MBOs veräußert werden. Die Tochter in Frankreich hat inzwischen Insolvenz angemeldet. Um die nicht zu behebenden Verluste der Tochter in Großbritannien zu begrenzen, werden ebenfalls Verhandlungen über ein MBO geführt.
Die BHF-Bank als einer der beiden Designated Sponsors hat ihren Betreuervertrag fristgerecht zum 31. März 2002 gekündigt.
Quelle: Börsen-Zeitung.de