Die Q3-Zahlen sind richtig gut. Umsatz mit 451,2 Mio. € ist super und dürfte wohl das umsatzstärkste Quartal der Unternehmensgeschichte gewesen sein.
Mit diesem unerwartet hohen Q3-Umsatz war es ja eigentlich nur folgerichtig, dass die Umsatzjahresguidance angehoben wurde auf 1,65 bis 1,75 Mrd. €. Mit dem 9 Monatsumsatz von 1,27 Mrd. € ist das auch nur logisch. Der Q4-Umsatz sollte damit in etwa die gleiche Größenordnung wie in Q3 haben und damit wird Nordex alle Analystenumsatzprognosen deutlich überbieten.
Der operative Gewinn lag sogar höher wie der im klasse Q1-Ergebnis und um 7,4 Mio. € bzw. 47% höher wie im enttäuschenden Q2. Q3-EBITmarge erwartungsgemäß bei 5,1% und somit ein wenig besser wie im klasse Q1. Somit hat Nordex ebenfalls erwartungsgemäß ihre EBIT-Margenguidance präzisiert mit "EBIT-Marge soll die obere Hälfte der Bandbreite erreichen". Damit dürfte die Q4-EBIT-Marge wohl noch besser ausfallen wie die in Q3 (9 Monate EBIT-Marge bei 4,7%). Die relativ gute EBIT-Marge kommt großteils von den Umsatzskaleneffekten, während die Bruttomarge mit 20,4% in Q3 weiterhin für Nordexverhältnisse recht schwach war (Q1:24,0%/Q2: 19,8%/Q3 2013: 23%).
An der Bruttomarge sieht man die von Nordex erwähnten Kostenprobleme bei der N117 hervorgerufen durch die Rotorblätter und den Hypridtürmen. Wenn Nordex diese Kostenprobleme in den Griff bekommt, es wurden ja einige Maßnahmen dazu schon eingeleitet, dann ist eine EBIT-Marge in der Größenordnung alleine bezogen auf die N117 von um die 7% mehr als realistisch. Wird natürlich nicht auf eine Schwung gehen, aber ich denke mal, dass spätestens am Q1/Q2 2015 das deutlich erkennbar sein könnte.
Enttäuschend für mich war der schwache Auftragseingang mit nur 344 Mio. € in Q3. Offiziell wurden von Nordex innerhalb des Q3 384 MW gemeldet und damit habe ich einen deutlich besseren Auftragseingang erwartet in der Größeordnung von 450 Mio. €. Offenbar wurden einige gemeldete Aufträge vom Juli noch im Q2-Auftragseingang verbucht, anders kann ich den relativ schwachen Q3-Auftragseingang mir nicht erklären. Das Q3 Book to Bill Ratio beträgt nur 0,84 (Q1: 1,32/Q2: 0,98) und ist damit schlechter wie in Q2, deutlich schlechter wie in Q1 und auch in absoluten Zahlen ist Q3 das schwächste Quartal in diesem Jahr (Q1:562 Mio. €/Q2: 347 Mio. €/Q3: 344 Mio. €). Wobei aber man dabei berücksichtigen muss, dass der bisherige Auftragseingang in diesem Jahr mit 1,25 Mrd. € der beste Auftragseingang der Unternehmensgeschichte ist auf Basis der ersten 9 Monate.
Aufgrund des hohen Umsatzes und des schwachen Auftragseingang ist der fest finanzierte Auftragsbestand leicht um 70 Mio. € auf 1,35 Mrd. € zurück gegangen. Auch der bedingte Auftragsbestand war in Q3 leicht rückläufig um 60 Mio. € und beträgt 659 Mio. €. Jedoch ist die Auftragslage mit einem Gesamtauftragsbestand von 2 Mrd. € ohne Service (da kommen weitere rd. 600 Mio. € noch dazu) nach wie vor sehr gut.
In der Präsentation gibt sich Nordex vor allem für die Türkei weiter sehr optimistisch und erwähnt explizid, dass in Südafrika ab November das Financial Clousure der 3- Auktionsrunde ansteht und damit ist natürlich der 111 MW Windpark "Gibson Bay" gemeint.
Finanziell könnte Nordex eigentlich gar nicht besser dastehen wie zu Ende Q3. Die Liquidität inkl. Festgelder liegt bei hervorragenden 417 Mio. € (+ 32 Mio. € zu Q2) und der Nettocash bei sehr guten 263 Mio. € (+ 83 Mio. € zu Q2). Diese tollen finanziellen Zahlen kommen von der richtig guten Cash Flow-Generierung. In diesem Jahr hat bis jetzt Nordex einen operativen Cash Flow von 163 Mio. € erzielt (Q1: 28 Mio. €/Q2: 63 Mio. €) und einen Free Cash Flow von 120 Mio. € (Q1: 15 Mio. €/Q2: 55 Mio. €Q3: 50 Mio. €).
Kurzes Resümee zu den Q3-Zahlen von mir:
Umsatz hervorragend, Cash Flow-Generierung weiter sehr gut, EBIT-Marge gut und Auftragseingang schwach.
Die Top 4-Länder nach 9 Monate:
1. Deutschland 270,5 MW
2. Türkei 129,6 MW
3. Irland 103,5 MW
4. Südafrika 102,5 MW