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Schwerin (dpa/mv) - Mecklenburg-Vorpommerns Regierungschef Erwin Sellering (SPD) hält ungeachtet der zunehmenden Sorge um ausufernde Stromkosten den Bau von Offshore-Windparks für unverzichtbar. „Wir brauchen die Windkraft auf See und an Land, damit die Energiewende gelingt“, betonte Sellering am Dienstag in Schwerin. Er warnte davor, „einen künstlichen Gegensatz zwischen Onshore und Offshore“ aufzubauen.
Zuletzt hatten führende Verbraucherschützer unter Hinweis auf technische Probleme und drohende Zusatzkosten für Stromkunden den Verzicht auf neue Offshore-Windkraftprojekte auf hoher See gefordert. In einer neuen Analyse kam die Verbraucherzentrale Bundesverband zu dem Schluss, dass sich der Bau von Windkraftanlagen weit draußen im Meer immer mehr „als ein ökonomischer und technologischer Irrläufer“ herausstelle. Je schneller der Ausstieg aus dem Offshore-Ausbau vereinbart werde, umso geringer würden die negativen Folgen im Hinblick etwa auf die Kosten ausfallen, hieß es.
Unsicherheiten für Investoren und Schwierigkeiten beim Anschluss an die Stromnetze hatten den Ausbau der See-Windparks ins Stocken gebracht. Zudem planen die Bundesländer eine massive Erweiterung der deutlich billigeren Windparks an Land, stoßen dabei vor Ort aber auch auf Widerstände bei den Bürgern.
Die Errichtung von Windrädern vor den Küsten sei mit weniger Beeinträchtigungen für die Bevölkerung verbunden, erklärte Sellering. Vor allem aber wehe auf See der Wind stärker und verlässlicher, so dass mit den Anlagen „praktisch grundlastfähig“ Strom produziert werden könne. „Dort können auch große Einheiten aufgebaut werden, die wir brauchen, um in zehn Jahren aus der Atomenergie aussteigen zu können“, erklärte der Schweriner Ministerpräsident, der seit langem gemeinsam mit seinen norddeutschen Amtskollegen vom Bund verlässliche Rahmenbedingungen für den Bau von Windparks auf See fordert.
Die krisengebeutelte Schiffbauindustrie erhofft sich zudem neue Aufgabengebiete. Die Nordic-Werften in Wismar und Rostock-Warnemünde haben bereits Aufträge für den Bau sogenannter Konverterplattformen für die Ableitung des Windstroms von See an Land erhalten. Auch der Fährhafen Sassnitz will von den Offshore-Windparkprojekten in der Ostsee profitieren, beklagt aber, dass die Investitionen wegen ausstehender Entscheidungen des Bundes kaum vorankommen. Rund 24 Millionen Euro investierte der Fährhafen auf Rügen nach Angaben der Geschäftsführung in den Bau eines Offshore-Terminals, das aber noch nicht genutzt werde. Sassnitz will Drehkreuz für den Bau von vier geplanten Windparks vor der Insel Rügen werden.
Seit Monaten bestimmen die spürbaren Strompreissteigerungen die Diskussionen um die angestrebte Energiewende hin zu erneuerbaren Quellen wie Wind und Sonne. Vor allem die gesetzlich fixierten hohen Abnahmepreise für Solarstrom haben sich als Kostentreiber erwiesen. Nun zeichnet sich ab, dass hohe Einspeisevergütungen für Windstrom der Offshore-Anlagen den Anstieg der Verbraucherpreise weiter anheizt. Der Energiegipfel der Länderregierungschefs mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im März hatte keine Verständigung auf eine Strompreisbremse gebracht.
Bisher plant die Bundesregierung in der Nord- und Ostsee bis zum Jahr 2020 Anlagen mit einer Leistung von 10 000 Megawatt, bis 2030 sollen es 25 000 Megawatt sein. Derzeit sind es erst rund 200 Megawatt. Zum Vergleich: Atomkraftwerke, wie sie derzeit noch am Netz sind, verfügen über eine Leistung von knapp 1500 Megawatt.