N E U E R M A R K T
Investoren bereinigen ihr Depot
Der verhaltene Marktausblick der US-Notenbank löste ein Schlachtfest unter den Wachstumswerten aus. Gabriele Baumann, Fondsmanagerin bei Julius Bär, spricht von einer Bereinigungsphase. In einem Exklusiv-Interview mit manager-magazin.de gibt sich die Aktienexpertin dennoch hoffnungsvoll. Die Trendwende wird kommen.
manager-magazin.de: Der Neue Markt ist nach dem Treffen der US-Notenbank wieder eingebrochen. War der Konjunktur-Ausblick von Fed-Chef Alan Greenspan wirklich so negativ?
Gabriele Baumann: Die Äußerungen von Alan Greenspan bezüglich der US-Wirtschaft waren verhalten. Aber er hat keine Zinsentscheidung gefällt. Dies hat zumindest die Optimisten an der Börse etwas irritiert. Diejenigen, die an eine Jahresendrallye geglaubt hatten, haben auf eine Zinssenkung gehofft. Diese kam jedoch nicht.
Einige Investoren sehen sich nun gezwungen, Technologietitel zu verkaufen. Sie wollen ihr Portfolio bereinigen und zum Jahresende die schlechten Werte abstoßen. Zusätzlicher Druck entsteht dadurch, dass sich am heutigen Tag keine Käufer finden.
Ist der Käuferstreik maßgeblich für die schlechte Stimmung verantwortlich?
Ja, es ist schwierig, überhaupt noch Titel in einem größeren Umfang zu fairen Preisen zu verkaufen. Die technische Situation hat in diesen Tagen großen Einfluss. Fundamental gibt es keine Neuigkeiten. In den vergangenen Wochen gab es immer wieder Anzeichen für eine Erholung der TMT-Titel (Technologie, Medien, Telekommunikation). Der Markt ist jedoch sehr volatil. Die Frage ist nur: Wann kommt die Wende?
Wie sind die Umsätze am Neuen Markt? Stehen institutionelle Investoren hinter dem Kurseinbruch?
Die Umsätze sind hoch. Sie liegen etwa 20 Prozent über dem 200-Tage-Umsatzdurchschnitt. Ich vermute, dass zum großen Teil institutionelle Investoren verkaufen. Sie betreiben "Window-Dressing". In der Vergangenheit wurden zum Jahresende traditionell die Titel nachgekauft, die gut gelaufen sind. Die schlechten Werte dagegen wurden abgestoßen.
Der Neue Markt hat fast jede Widerstandslinie gebrochen. Gibt es charttechnisch noch Unterstützungspunkte?
Die Stimmung ist schlecht, das Vertrauen geschwunden. Wir sind in einer Bereinigungsphase. Die Charts geben da kaum noch Hinweise.
Die europäischen Börsen blicken immer zur Wall Street. Gibt es eine Möglichkeit sich abzukoppeln, um so dem negativen Einfluss der Nasdaq zu entrinnen?
Solange Europa nicht weiß, wo es langgeht, ist es schwierig sich abzukoppeln. Aber die heutige Situation hat meines Erachtens nach mit dem Jahresende zu tun. Die Investoren bereinigen ihre Portfolios.
Wann können Anleger mit der Wende am Neuen Markt rechnen?
Es ist sicher, dass die Wende bei den TMT-Titeln kommen wird. Vielleicht schon in einigen Wochen, unter Umständen aber auch erst später. Fraglich bleibt, in welchem Ausmaß die Trendumkehr erfolgen wird; vor allem aber werden die Investoren selektiver vorgehen. Im März dieses Jahres haben viele wahllos Technologiewerte gekauft.
Worauf müssen Investoren in den kommenden Wochen achten?
Auf Qualität! Das bedeutet, dass sich Investoren besser informieren müssen im gegenwärtigen Marktumfeld. Besonders wichtig in diesem Zusammenhang ist das Business Modell eines Unternehmens. Ist es realistisch oder überzogen. Wie ist das Unternehmen positioniert, und was macht die Konkurrenz?
Wie schätzen sie das kommende Jahr ein?
Ich bin positiv für den Technologiebereich. Der Markt wird aber künftig verstärkt zwischen Gewinnern und Verlierern differenzieren.
Das Interview führte Harald Grimm
gruß
proxi
Investoren bereinigen ihr Depot
Der verhaltene Marktausblick der US-Notenbank löste ein Schlachtfest unter den Wachstumswerten aus. Gabriele Baumann, Fondsmanagerin bei Julius Bär, spricht von einer Bereinigungsphase. In einem Exklusiv-Interview mit manager-magazin.de gibt sich die Aktienexpertin dennoch hoffnungsvoll. Die Trendwende wird kommen.
manager-magazin.de: Der Neue Markt ist nach dem Treffen der US-Notenbank wieder eingebrochen. War der Konjunktur-Ausblick von Fed-Chef Alan Greenspan wirklich so negativ?
Gabriele Baumann: Die Äußerungen von Alan Greenspan bezüglich der US-Wirtschaft waren verhalten. Aber er hat keine Zinsentscheidung gefällt. Dies hat zumindest die Optimisten an der Börse etwas irritiert. Diejenigen, die an eine Jahresendrallye geglaubt hatten, haben auf eine Zinssenkung gehofft. Diese kam jedoch nicht.
Einige Investoren sehen sich nun gezwungen, Technologietitel zu verkaufen. Sie wollen ihr Portfolio bereinigen und zum Jahresende die schlechten Werte abstoßen. Zusätzlicher Druck entsteht dadurch, dass sich am heutigen Tag keine Käufer finden.
Ist der Käuferstreik maßgeblich für die schlechte Stimmung verantwortlich?
Ja, es ist schwierig, überhaupt noch Titel in einem größeren Umfang zu fairen Preisen zu verkaufen. Die technische Situation hat in diesen Tagen großen Einfluss. Fundamental gibt es keine Neuigkeiten. In den vergangenen Wochen gab es immer wieder Anzeichen für eine Erholung der TMT-Titel (Technologie, Medien, Telekommunikation). Der Markt ist jedoch sehr volatil. Die Frage ist nur: Wann kommt die Wende?
Wie sind die Umsätze am Neuen Markt? Stehen institutionelle Investoren hinter dem Kurseinbruch?
Die Umsätze sind hoch. Sie liegen etwa 20 Prozent über dem 200-Tage-Umsatzdurchschnitt. Ich vermute, dass zum großen Teil institutionelle Investoren verkaufen. Sie betreiben "Window-Dressing". In der Vergangenheit wurden zum Jahresende traditionell die Titel nachgekauft, die gut gelaufen sind. Die schlechten Werte dagegen wurden abgestoßen.
Der Neue Markt hat fast jede Widerstandslinie gebrochen. Gibt es charttechnisch noch Unterstützungspunkte?
Die Stimmung ist schlecht, das Vertrauen geschwunden. Wir sind in einer Bereinigungsphase. Die Charts geben da kaum noch Hinweise.
Die europäischen Börsen blicken immer zur Wall Street. Gibt es eine Möglichkeit sich abzukoppeln, um so dem negativen Einfluss der Nasdaq zu entrinnen?
Solange Europa nicht weiß, wo es langgeht, ist es schwierig sich abzukoppeln. Aber die heutige Situation hat meines Erachtens nach mit dem Jahresende zu tun. Die Investoren bereinigen ihre Portfolios.
Wann können Anleger mit der Wende am Neuen Markt rechnen?
Es ist sicher, dass die Wende bei den TMT-Titeln kommen wird. Vielleicht schon in einigen Wochen, unter Umständen aber auch erst später. Fraglich bleibt, in welchem Ausmaß die Trendumkehr erfolgen wird; vor allem aber werden die Investoren selektiver vorgehen. Im März dieses Jahres haben viele wahllos Technologiewerte gekauft.
Worauf müssen Investoren in den kommenden Wochen achten?
Auf Qualität! Das bedeutet, dass sich Investoren besser informieren müssen im gegenwärtigen Marktumfeld. Besonders wichtig in diesem Zusammenhang ist das Business Modell eines Unternehmens. Ist es realistisch oder überzogen. Wie ist das Unternehmen positioniert, und was macht die Konkurrenz?
Wie schätzen sie das kommende Jahr ein?
Ich bin positiv für den Technologiebereich. Der Markt wird aber künftig verstärkt zwischen Gewinnern und Verlierern differenzieren.
Das Interview führte Harald Grimm
gruß
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