"Solaraktien werden weiter leiden"
Nach Ansicht von WestLB-Analyst Sebastian Zank bieten sich derzeit kaum Solartitel zum Kauf an. Es herrsche zu viel Unsicherheit. Wegen der drastischen Kürzungen der Solarförderungen rechnet Zank mit einer Konsolidierungswelle.
Bild zum Artikel Sebastian Zank, Analyst von der WestLB
boerse.ARD.de: Kürzungen der Solarförderung, verstärkte Konkurrenz aus Asien - wie lange scheint für die deutsche Solarbranche noch die Sonne?
Zank: Für die Firmen, die gut aufgestellt sind und ein integriertes Geschäftsmodell haben, wird die Sonne in Zukunft noch lange scheinen. Kleinere Firmen, die nicht die Mittel haben, einen Teil ihrer Produktion nach Asien zu verlagern und die keinen Zugang zum Endkunden haben, dürften es schwer haben, am Markt zu überleben.
boerse.ARD.de: Droht also bald eine Pleitewelle?
Zank: Ab 2011 wird es am Markt zur Ernüchterung kommen. Dann drohen einige Solar-Firmen zu verschwinden oder geschluckt zu werden. Die Zeit der hohen zweistelligen Zuwachsraten ist vorerst vorbei.
boerse.ARD.de: Einige Experten rechnen in diesem Jahr aber noch mit Vorzieheffekten wegen der geplanten Senkung der Einspeisevergütungen...
Zank: Wir gehen für dieses Jahr von zwei Peaks im zweiten und vierten Quartal aus. Die Vorzieheffekte dürften allerdings im ersten Halbjahr größer sein als im zweiten Halbjahr wegen der höheren Renditen für Anlagen.
boerse.ARD.de: Könnte die Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) noch gekippt werden?
Zank: Nein, die EEG-Novelle wird kommen wie geplant. Wir gehen davon aus, dass die Kürzungen der Einspeisevergütungen nicht verschoben, sondern rückwirkend durchgesetzt werden - trotz Einberufung des Vermittlungsausschusses im Bundesrat.
boerse.ARD.de: Wer sind die Gewinner der EEG-Novelle?
Zank: Firmen wie Solarworld, die praktisch die gesamte Wertschöpfungskette vom Wafer über die Zelle bis zum Modul abdecken, dürften am ehesten die geplanten Kürzungen wegstecken.
boerse.ARD.de: Als Profiteur werden auch die Spezialmaschinenbauer als Zulieferer genannt…
Zank: Angesichts des Preisdrucks benötigen die Solarzellen- und Module-Hersteller künftig effizientere Anlagen. Das dürfte den Maschinenbauern einen Auftragsschub geben. Es wird sich aber vornehmlich um Spezialanlagen handeln. Insofern rechne ich nicht mit einem Solar-Boom bei den Zulieferern wie 2007. Zumal der Wettbewerb zwischen den Maschinenbauern zugenommen hat. Viele Maschinenbauer, die in der ersten Phase des Booms nicht auf den Solar-Zug aufgesprungen sind, versuchen jetzt, in den Markt vorzudringen. Das erhöht den Preis- und Margendruck. Andere Zulieferer wie beispielsweise Manz ändern ihre Strategie und setzen auf Spezial-Equipment wie Antireflexbeschichtung.
boerse.ARD.de: Gibt es weitere Gewinner der EEG-Novelle?
Zank: Phoenix Solar profitiert ebenfalls von der Kürzung der Solarförderung. Sie können zum einen billiger Module einkaufen und zum anderen bei den Kunden Preise mit attraktiver Rendite durchsetzen. Auch der Wechselrichter-Hersteller SMA Solar braucht sich als Oligopolist keine Sorgen zu machen.
boerse.ARD.de: Zellenhersteller versuchen, mit der Verlagerung ins Ausland die Kosten zu drücken. Q-Cells bringt auf der Intersolar Billig-Module auf den Markt. Reicht das?
Zank: Wenn man keinen Endkunden-Zugang hat, nutzt auch die Billig-Produktion im Ausland nichts. Das hat Q-Cells offenbar erkannt und vermarktet jetzt aktiv seine eigens gefertigten Module bei Endkunden.
boerse.ARD.de: Die meisten Solaraktien haben in diesem Jahr Kurseinbußen verzeichnet. Ist nun eine Erholung in Sicht? Oder gibt es weiteres Abwärtspotenzial?
Zank: Solaraktien werden in den nächsten Monaten weiter leiden. Wir empfehlen derzeit nahezu keinen Solartitel zum Kauf. Unter den Investoren herrscht noch zu viel Ungewissheit, was nach 2010 kommt. Es ist unklar, wie sich die Situation in Deutschland entwickelt und ob die Auslandsnachfrage den prognostizierten wegbrechenden Inlandsmarkt kompensieren kann.
Solange das runter Reden nicht aufhört, werden sich die Kurse auch nicht nachhaltig erholen können. Die verunsichern doch nur alle zukünfigen Investoren. Leider.
Gruß