Können Schutzzölle Solarworld retten und wie lief das 1. Quartal?
Ich denke Schutzzölle sind kein erfolgskritischer Faktor. Zu Preisen, zu denen Nachfrage herrscht, kann KEIN Anbieter, ob Solarworld oder Chinese kostendeckend anbieten. Das ist hinreichend bewiesen worden. Trotz riesiger Nachfrage 7,5 GW in 2011, 7,6 GW in 2012 sind ausnahmslos alle Hersteller Konkurs gegangen.
Nun sinkt die Förderung weiter um 1,8% pro Monat! Wie in Allerherrgottsnamen soll dann Solarworld überleben können, selbst wenn es der einzige Anbieter waere?
Erhöht Solarworld die Preise bricht die Nachfrage sofort ein, da die Produkte von Solarworld INVESTITIONSGÜTER sind, die nur installiert werden werden, wenn die Mindestrendite passt. Und ansonsten eben nicht.
Das heisst, der erfolgskritische Faktor für Solarworld ist nicht die Konkurrenz, sondern die Förderungshöhe durch die Bundesregierung und die eigene Faehigkeit, Kosten senken zu können. Nur haben das ja selbst die Chinesen trotz aller Subventionen nicht hinbekommen mit der Kostensenkung. Sonst waeren sie ja nicht alle pleite.
Wie will das Solarworld hinbekommen in einem deflationaeren Umfeld, wo von Monat zu Monat die Daumenschraube der sinkenden Förderung weiter angezogen wird?
Der einzige, wirklich grosse Vorteil von Schutzzöllen für Solarworld ist, dass durch den wesentlich geringeren zukünftigen Zubau an PV Anlagen auch die zukünftigen Förderkürzungungen geringer ausfallen dürten. Das will ich nicht verhehlen.
Wie war das 1. Quartal?
a) Solarworld hatte 2012 über 60% Deutschlandanteil am Umsatz, wenn ich mich recht erinnere.
b) Der PV Zubau im 1. Quartal 2012 waren 2.000 MW, im 1. Quartal 2013 nur 800 MW!!!
c) Gleichzeitig sank die Förderung um ca. 15% und somit wohl auch der Durchschnittsverkaufspreis/Watt
Wenn Solarworld es geschafft haben sollte seinen Marktanteil zu halten (sehr fraglich), dann sind denen 60% des Absatzes in Deutschland und somit 36% des Gesamtabsatzes weltweit weggebrochen (unter der ceteris paribus Annahme, dass sich am Rest der Welt nichts veraendert hat).
Dazu kommt aber auch noch mal ein Preisrückgang um 15% mindestens, der dafür sorgt, dass die restlichen 64% übriggebliebener Absatz auch nochmal mit 0,85 multipliziert werden müssen (1 - 0,15), so dass wir nur noch einen Umsatz von 54% haben dürften gegenüber dem ersten Quartal 2012.
Wenn sich also der Umsatz im ersten Quartal 2013 halbiert hat gegenüber dem Vorjahresquartal, dann Gute Nacht Marie.
Schauen wir einfach auf die am Freitag veröffentlichten Zahlen von Centrosolar, um genauere Abschaetzungen machen zu können.
www.solarserver.de/solar-magazin/nachrichten/aktuelle…
"Dementsprechend lag der Gesamtumsatz des Konzerns in den fortgeführten Geschäften mit 24,5 Millionen Euro um 46 % unter dem Vorjahreswert von 45,2 Millionen Euro."
"Die Entwicklung der Modulpreise habe sich im Laufe des ersten Quartals zwar stabilisiert, dennoch lag das Preisniveau bei Standardmodulen im Schnitt um 25 % unter dem Wert des Vorjahresquartals. "
Hier hatte ich bei Solarworld 15% angenommen. Bei 25% brennt noch mehr der Baum.
"Der Cash Flow aus operativer Geschäftstätigkeit betrug minus 10,7 Millionen Euro (Vorjahr -9,0 Mio. EUR). Hier machte sich neben den operativen Verlusten die Zahlung des jährlich im Februar fälligen Zinscoupons der Anleihe in Höhe von 3,5 Millionen Euro bemerkbar"
Ja, ja, ja, ja. Die Zinscoupons. Das wird auch bei Solarworld noch mal schön hineinschaeppern.
"Dennoch lag der zur Bedienung der Betriebskosten verfügbare Rohertrag infolge des Umsatzeinbruchs mit 6,7 Millionen Euro um 47 % unter dem Vorjahr (12,7 Mio. EUR). "
Wenn wir jetzt bei Solarworld auch einmal vereinfacht einen Rohertrag von 50% gegenüber dem 1. Quartal 2012 annehmen würden, haetten wir 50% von ca. 128 Mio. Euro also 64 Mio. Euro.
Ich gehe nicht davon aus, dass die kompletten fehlenden 64 Mio. Euro auf das Ergebnis durchschlagen werden aber lassen wir mal 37 Mio. durchschlagen, dann hat man statt 7 Mio. Gewinn (2012) ca. 30 Mio. Verlust im ersten Quartal 2013.
Somit rechne ich, nachdem zur Zeit 38 Millionen Euro negatives EK zu Buche stehen mit noch einmal 30-50 Millionen Miese, so dass wir auf negative 68-88 Millionen Euro Eigenkapital kaemen.