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Erlau bekommt Riesen-Windrad
Die größte Windanlage Sachsens wächst in den Himmel - genau gesagt auf 186 Meter Höhe
Erlau. Die erste Drei-Megawatt-Windenergieanlage im Freistaat Sachsen wird in Erlau montiert. Eine größere Leistung ist zurzeit im Binnenland technisch nicht umsetzbar. Als Bauherr fungiert die Firma Energieanlagen Frank Bündig aus Waldheim. Die Anlage vom Typ Enercon E-101 gehört zum Modern-sten, was der Markt gegenwärtig aufzubieten hat. Sie ist eine Weiterentwicklung der ersten Generation gleichen Typs und verfügt über eine Nennleistung von drei Megawatt, einer Nabenhöhe von 135 Metern und einem Rotordurchmesser von 101 Metern. Das bedeutet, wenn ein Rotorblatt pfeilgerade gen Himmel zeigt, ergibt sich eine Gesamthöhe von rund 186 Metern. Die höchsten bisher in Sachsen gebauten Anlagen erreichen zwar eine stattliche Höhe von 179 Metern - in Erlau sind das aber immerhin sieben Meter mehr.
5,3 Millionen Euro lässt sich die Waldheimer Firma den in absehbarer Zeit weithin sichtbaren Riesen kosten, der Ende des Jahres den ersten Strom erzeugen soll. "Für die Einspeisung in das Netz erhalten wir vom Energieversorger pro Kilowattstunde neun Cent. Das heißt in 12 bis 15 Jahren sind die Anschaffungskosten gedeckt", sagt Hans-Ulrich Schindler, Projektingenieur. Mehr als 40 Windanlagen wurden durch das Unternehmen in den zurückliegenden Jahren errichtet, allein fünf davon stehen in Erlau. Die Lebensdauer beziffert der Fachmann auf 30 Jahre, einschließlich einer Generalreparatur nach 20 Jahren Laufzeit.
Bis eine Anlage Ring für Ring in die Lüfte gewachsen ist und sich die Rotorblätter das erste Mal drehen, liegt hinter dem Betreibern ein langer Weg. Ein Genehmigungsverfahren kann bis zu fünf Jahren dauern. Dabei werden alle Landschafts-, Naturschutz- und Rechtsfragen erörtert. Und der Transport der Turmsegmente erweist sich bei Autobahnbrücken von 4,50 Meter Höhe als ein schweres Stück Arbeit. Ebenso eine Herausforderung ist für den Betreiber, den Strom vom Windrad ins Netz zu bringen. "In Erlau erfolgt das durch die bestehende Kabeltrasse, die in die Übergabestation in Lauenhain führt", erklärt Schindler.
179 Windräder in Mittelsachsen
Er glaubt nicht daran, dass in den nächsten Jahren Windräder mit einer Drei-Megawatt-Leistung wie Pilze aus dem Boden schießen werden, obwohl Deutschland mit dem beschlossenen Atomausstieg in Zukunft verstärkt auf Strom aus erneuerbaren Energien setzt. Der Döbelner Hans-Jürgen Schlegel, Experte in Sachen Klimaschutz, hat herausgefunden, dass in den 179 Windrädern in Mittelsachsen ein enormes Potenzial steckt. Er hat im Auftrag der Landtagsfraktionen der Grünen zusammen mit acht weiteren Autoren die Studie zum sogenannten Repowering der Windenergie in Sachsen erstellt. Repowering bedeutet, eine Leistungssteigerung, bei der die alten durch neue Winderräder ersetzt werden, um mehr Strom zu produzieren.
Gewinne nach 15 Jahren
Theoretisch seien alle Anlagen umrüstbar. Schlegel: "Mit den Neuen kann viel mehr erreicht werden als bislang, ohne den gesamten Landstrich mit diesen zu überziehen." Da stimmt ihm Schindler zu und nennt zugleich mehrere Dinge, die das einschränken. Erstens können nicht an jedem Standort alte Windanlagen durch neue ersetzt werden, weil der Abstand zur Wohnbebauung nicht mehr den gesetzlichen Vorschriften entspreche. Zudem brauchen die Anlagen mit größeren Rotorblättern größere Abstände. Außerdem hätte nicht jeder Betreiber die Motivation dazu, die Anlagen zu ersetzen. "Nach 12 bis 15 Jahren sind sie aus der Finanzierung und bringen Gewinne. Da nimmt man doch nicht gleich wieder einen Kredit auf", erklärt der Projektleiter. Da jedoch die Standorte in Sachsen begrenzt sind, an denen eine Anlage stehen kann, ist eine Leistungssteigerung der bestehenden Anlagen ein richtiger Schritt. Schindler: "Will Sachsen, die Klimaschutzziele von Bund und Europäischer Union erreichen, so wird man neben dem Repowering um neue Windparks nicht herumkommen."