Neue Strategien für E-Commerce


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Neue Strategien für E-Commerce

 
11.02.02 11:01
Roland Honekamp gibt es unumwunden zu, dass er mit seinem Unternehmen Zooplus eine „gute Portion Glück“ gehabt hat. Der Mitgründer und Vorstand des Internet-Einzelhändlers für Haustierbedarf startete im Sommer 1999 unter besseren Bedingungen als seine bereits pleite gegangenen Kollegen von Pets.com in den USA.

Zooplus ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz aktiv, bekam insgesamt rund 20 Mill. Risikokapital und will bis Ende des Jahres profitabel werden. „Die Margen sind hier einfach besser, der Markt wird nicht so von großen Einzelhandelsketten wie in den USA dominiert und unsere Logistik funktioniert“, erklärt Honekamp.

Doch ein lupenreiner Online-Händler ist Zooplus dennoch nicht, das Münchener Unternehmen versendet seit Oktober 2000 auch Kataloge und macht immerhin 20 % seines Umsatzes außerhalb des weltweiten Datennetzes. Gute Idee: Reine Online-Händler haben langfristig keine Chance, behauptet eine Studie der Unternehmensberatung Mc Kinsey. Seit Anfang 2000 befragen die Berater regelmäßig Online-Einzelhändler, Finanzdienstleister und Informationsanbieter im Netz nach ihren Erfolgsfaktoren. Rund 70 Firmen in Europa beteiligten sich an der Umfrage, darunter 15 aus Deutschland. Ergebnis: Die Kluft zwischen den besten und den schlechtesten Akteuren im Netz wird immer größer.

Mit mehr als zwei Dritteln ist die Zahl der etablierten Offline-Händler, die auch im Internet agieren, besonders hoch. Sie können ihre Kunden sowohl im Web als auch per Katalog oder Filiale bedienen und verfügen außerdem über einen etablierten Markennamen.

Marketingausgaben für das Online- Angebot werden dabei klein geschrieben. Und das sei auch gut so, sagt Joachim Gripp, E-Commerce-Experte bei Mc Kinsey. Denn zu hohe Marketingkosten fraßen in den vergangenen Umfragen die Margen auf

So können Unternehmen wie Otto oder Tchibo das Internet als einen Vertriebskanal unter vielen nutzen und brauchen die Online-Marke selbst nicht mehr zu bewerben. Der Marketingaufwand liegt bei den besten der befragten Unternehmen gerade mal bei 6 % des Umsatzes.
Reine Online-Händler hatten es da schwerer, weil sie sich erst bekannt machen mussten. Honekamp von Zooplus orientiert sich mittlerweile bei seinem Marketingbudget ebenfalls an den großen Einzelhändlern und will nicht mehr als 5 bis 10 % des Umsatzes dafür ausgeben.

Gripp von Mc Kinsey glaubt dabei nicht, dass die Marketingkosten der Web-Töchter großer Konzerne lediglich in anderen Abteilungen versteckt werden: „Keine Abteilung hat ein Interesse, ein Online-Angebot durchzufüttern.“ Auch bei Logistik- und Vertriebskosten haben etablierte Spieler naturgemäß die Nase vorn, sie können auf vorhandene Infrastruktur zurückgreifen, die Zusatzkosten für das Web-Geschäft sind niedrig.


Nach wie vor glauben die Berater von Mc Kinsey, dass der Internet-Handel mit CD und Büchern nicht zu den lukrativsten Geschäftsmodellen im Netz zählt. Und so sieht Gripp Amazon auf dem richtigen Weg. Der weltgrößte Internet- Buchhändler erzielte gerade erstmals seit seinem Börsengang 1997 Gewinn. Amazon-Chef Bezos will künftig auch in Deutschland Produkte von Partnern über das Netz verkaufen. Kooperationen mit der US-Handelskette Target und Toys’R’us bestehen bereits. „Wenn Amazon nur dann schwarze Zahlen schreibt, wenn man sich neue Geschäftsmodelle suchen muss, dann ist das Kerngeschäft – Online-Buchhandel – allein kein Erfolg“, fühlt sich Gripp bestätigt. „Der Buchhandel im Internet ist ausgesprochen schwierig.“

Die Studie stellt fest: Neben Lebensmitteln ist auch bei Büchern, CD und Videos das Verhältnis zwischen den relativ hohen Vertriebs- und Logistikkosten im Vergleich zu den niedrigen Bestellwerten äußerst ungünstig. „Die erzielbaren Margen nach Abzug der Marketing- und Vertriebskosten sind verheerend“, sagt Gripp. Die Berater sehen wesentlich bessere Chancen bei Gütern mit höherem Bestellwert wie Textilien, Computer- und Unterhaltungselektronik.

Die wichtigsten Kennzahlen auf dem Weg in die Profitabilität sind die Margen, die nach Abzug der Marketing- und Logistikkosten übrig bleiben. Außerdem die Kosten, die für das Anwerben eines Kunden nötig sind und der Stammkundenanteil.

Nur die nach diesen Kennzahlen besten Anbieter machen das Geschäft unter sich aus, glaubt Mc Kinsey. Denn sie erwirtschaften 99 % des jeweiligen Branchenergebnisses. Honekamp von Zooplus freut sich über mehr als 80 % Stammkunden, die im Schnitt 46 pro Einkauf bei Zooplus ausgeben. Mit 5 Bestellungen pro Jahr und Kunde verkauft das Unternehmen aber im Vergleich zu den Ergebnissen der Studie noch immer zu wenig. Selbst das schlechteste Viertel setzt, auf ein Jahr gerechnet, 320 $ pro Kunde um.

Noch schwieriger scheint indes das Endverbrauchergeschäft im Netz für die Informationslieferanten. Die Kosten pro Kunde liegen im Schnitt weiterhin bei rund 0,4 $. Seit Beginn der Umfrage sanken aber die Werbeeinnahmen immer weiter. Gripp von Mc Kinsey kann den Inhalte-Anbietern kaum Hoffnungen machen: „Werbung kann man vergessen.“ Und auch den Gebührenplänen mancher Netz-Magazine steht er kritisch gegenüber: „Das wird sich nur für Anbieter exklusiver Inhalte bei intelligenter Preissetzung rechnen.“


Quelle: wiwo.de
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