Ein Knigge für Computerfreaks

Im Amerikanischen gibt es das Wort „nerd“, was mit dem bayerischen „Depp“ nur unzulänglich übersetzt werden kann. Nerds sind Leute, die 22 Stunden am Tag in horizontaler Körperhaltung vor dem Bildschirm verharren, das Internet nach Erotika und Kampfflugzeugen absuchen und auch sonst nichts anderes tun, als E-Mails an Gleichgesinnte zu verschicken und sich in Chat-Rooms aufzuspielen. Nerds ernähren sich von Tiefkühlpizza, Cola, Schokoriegeln. Vor wirklichen Menschen haben sie eine Heidenangst, außer vor „Mom“, die alle paar Stunden ihre Nase ins Zimmer hängt, den Kopf schüttelt und sich fragt, was sie falsch gemacht hat bei der Erziehung.
Bisher galten Nerds als hoffnungslose Fälle, als Randexistenzen der virtuellen Gesellschaft, die ohnehin zum Autismus neigt. Dass jetzt Rettung für jene Freaks naht, für die Frauen so beschaffen sein müssen wie das Computer-Modell Lara Croft, haben wir der Technischen Universität München zu verdanken. In einem sensationellen Feldversuch sollen den Geschädigten, zu denen die Informatiker gezählt werden, Manieren beigebracht werden. Jawohl, Sitte und Anstand sollen wieder Einzug halten, die Verrohung am PC ein Ende haben!
Unter anderem geht es darum, den Kursteilnehmern der Generation Nerd beizubringen, ein Steak mit Messer und Gabel zu verspeisen, Cola aus dem Glas zu trinken (ohne Rülpsen!) oder eine Kommilitonin zu begrüßen und dabei nicht gleich vor Scham im Erdboden zu versinken. Typenberater sollen darauf achten, dass sich die TU-Absolventen keine modischen Fauxpas mehr leisten und ihre Schmuddel-T-Shirts in die Altkleidersammlung werfen. Schauspieler sollen Körpersprache lehren, Benimm-Lehrer Small-Talk unterrichten. „Technisch kompetent“, aber sozial total von der Rolle seien die Studenten, heißt es in der Begründung der Universität. Deshalb musste ein Knigge für Informatikstudenten her. Aus Nerds werden Kavaliere – es gibt doch noch gute Nachrichten.
Quelle:Süddeutsche Zeitung

Im Amerikanischen gibt es das Wort „nerd“, was mit dem bayerischen „Depp“ nur unzulänglich übersetzt werden kann. Nerds sind Leute, die 22 Stunden am Tag in horizontaler Körperhaltung vor dem Bildschirm verharren, das Internet nach Erotika und Kampfflugzeugen absuchen und auch sonst nichts anderes tun, als E-Mails an Gleichgesinnte zu verschicken und sich in Chat-Rooms aufzuspielen. Nerds ernähren sich von Tiefkühlpizza, Cola, Schokoriegeln. Vor wirklichen Menschen haben sie eine Heidenangst, außer vor „Mom“, die alle paar Stunden ihre Nase ins Zimmer hängt, den Kopf schüttelt und sich fragt, was sie falsch gemacht hat bei der Erziehung.
Bisher galten Nerds als hoffnungslose Fälle, als Randexistenzen der virtuellen Gesellschaft, die ohnehin zum Autismus neigt. Dass jetzt Rettung für jene Freaks naht, für die Frauen so beschaffen sein müssen wie das Computer-Modell Lara Croft, haben wir der Technischen Universität München zu verdanken. In einem sensationellen Feldversuch sollen den Geschädigten, zu denen die Informatiker gezählt werden, Manieren beigebracht werden. Jawohl, Sitte und Anstand sollen wieder Einzug halten, die Verrohung am PC ein Ende haben!
Unter anderem geht es darum, den Kursteilnehmern der Generation Nerd beizubringen, ein Steak mit Messer und Gabel zu verspeisen, Cola aus dem Glas zu trinken (ohne Rülpsen!) oder eine Kommilitonin zu begrüßen und dabei nicht gleich vor Scham im Erdboden zu versinken. Typenberater sollen darauf achten, dass sich die TU-Absolventen keine modischen Fauxpas mehr leisten und ihre Schmuddel-T-Shirts in die Altkleidersammlung werfen. Schauspieler sollen Körpersprache lehren, Benimm-Lehrer Small-Talk unterrichten. „Technisch kompetent“, aber sozial total von der Rolle seien die Studenten, heißt es in der Begründung der Universität. Deshalb musste ein Knigge für Informatikstudenten her. Aus Nerds werden Kavaliere – es gibt doch noch gute Nachrichten.
Quelle:Süddeutsche Zeitung