im minus, und verlor wegen der schwachen Schifffahrt in den Jahren zuvor 65%.
Der Nachholbedarf in jedem Benchmark auf dem aktuellen Niveau bei mindestens 250%
dpa-AFX: HAPAG-LLOYD IM FOKUS: Volle Fahrt trotz Pandemie
HAMBURG (dpa-AFX Broker) - Die Corona-Krise verschafft Fracht-Reedereien in
aller Welt einen ungeahnten Boom. Auch der Hamburger Containerriese Hapag-Lloyd
konnte sich in den Wochen vor Weihnachten vor der immensen
Nachfrage kaum retten. Viele Unternehmen füllen ihre krisenbedingt geleerten
Lager auf, und Menschen im Lockdown bestellen noch mehr Dinge aus Fernost als
sonst. Was bei Hapag-Lloyd los ist, was Analysten sagen und was die Aktie macht:
DAS IST LOS BEI HAPAG-LLOYD:
Ob neue Möbel fürs Wohnzimmer, eine Bohrmaschine zum Heimwerken oder ein
Rudergerät für die eigenen vier Wände: Während der Corona-Pandemie wächst die
Nachfrage nach Sachen, die das Leben zu Hause schöner machen. Wenn Restaurants
geschlossen seien und der Urlaub ausfalle, hätten die Leute Geld für andere
Dinge übrig, erklärte Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen die erhöhte Nachfrage
nach Containertransporten. "Das hat unserer Branche gutgetan", resümierte der
Manager jüngst im Gespräch mit Journalisten.
Schließlich hatten sich Reedereien in aller Welt viele Jahre lang einen
teils ruinösen Preiskampf geliefert. Nach mehreren Pleiten und einer Reihe von
Fusionen in der Branche besserte sich die Lage für Hapag-Lloyd und andere
Gesellschaften, die die Preisschlachten überlebt hatten.
So war die Ausgangslage im Corona-Jahr 2020 ganz anders als vor der
Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009, in deren Folge sich Hapag-Lloyd nur mit
Geldspritzen der Eigentümer über Wasser halten konnte. 2014 übernahm der
Niederländer Habben Jansen die Führung der Reederei - da hatte sein Vorgänger
Michael Behrendt gerade die Fusion mit der Containersparte des chilenischen
Konzerns CSAV eingeleitet.
2015 ging Hapag-Lloyd an die Börse, 2017 folgte der Zusammenschluss mit der
arabischen UASC. Zudem zog Habben Jansen mehrere Sparprogramme durch - und
trimmte das Unternehmen auf mehr Gewinn. Auch zu Beginn der Pandemie drehte er
an der Kostenschraube. Dass das Geschäft ab dem Sommer von selbst so gut laufen
würde, hatte man auch in Hamburg nicht erwartet.
So hob Habben Jansen Anfang Dezember zum zweiten Mal in diesem Quartal seine
Gewinnprognose an. Jetzt soll der Gewinn vor Zinsen und Steuern in diesem Jahr
1,25 bis 1,35 Milliarden Euro erreichen - nach 811 Millionen im Vorjahr. Noch im
März hatte der Vorstand nur 0,5 bis 1,0 Milliarden angepeilt. Allein im dritten
Quartal sprang der Gewinn um zwei Drittel auf 252 Millionen Euro in die Höhe -
obwohl Hapag-Lloyd weniger Container beförderte als ein Jahr zuvor.
Dabei profitierte die Reederei von gesunkenen Treibstoffkosten, konnte die
Transportpreise bei ihren Kunden aber stabil halten. Hinzu kamen die
Kostensenkungen aus dem Sparprogramm.
Im Herbst reichten die Schiffe kaum aus, um gewaltige Gütermengen zu ihren
Abnehmern zu transportieren. "Die plötzliche Nachfrage hat alle überrascht",
sagte Habben Jansen. Jedes der 234 Containerschiffe von Hapag-Lloyd sei
unterwegs, um die Situation zu entschärfen. Zudem hat sich die Reederei
zusätzliche Container besorgt. Doch die Häfen kämen mit der Abfertigung kaum
hinterher, berichtete der Konzernchef. In den USA müssten Schiffe teilweise eine
Woche warten. Wer sich auf sein neues Fitnessgerät freute, musste schon einmal
geduldiger sein als sonst.
Im gesamten vierten Quartal rechnet Habben Jansen bei den Transportmengen
mit einem Zuwachs im niedrigen einstelligen Prozentbereich im Vergleich zum
Vorjahr. In der Zentrale der Reederei geht man davon aus, dass der Boom noch bis
ins neue Jahr hinein anhält - mindestens bis zum chinesischen Neujahrsfest Mitte
Februar.
Und es könnte 2021 noch besser kommen für die Reederei, die weltweit mehr
als 600 Häfen miteinander verbindet. Kunden, die sich nicht rechtzeitig Platz
für ihre Waren an Bord sicherten, hätten jetzt zu kämpfen, sagte Habben Jansen.
Er erwartet, dass die Nachfrage im neuen Jahr erst einmal steigt, weil Kunden
solche Szenarien künftig vermeiden wollten.
DAS MACHT DIE AKTIE:
Hapag-Lloyd hatte den Börsenhafen 2015 eher im Schlingerkurs erreicht. Erst
musste der Konzern den Ausgabepreis je Aktie senken, und dann wurde er die
Papiere mit 20 Euro nur am unteren Ende der schon gesenkten Preispanne los. Und
in den Monaten darauf sackte der Kurs an der Börse zeitweise sogar unter 15 Euro
ab. Erst rund ein Jahr später kletterte er nachhaltig über den Ausgabepreis.
Dann ging es aber schnell: 2017 war bereits die Marke von 40 Euro in Sicht.
Im Corona-Jahr vollführte die Aktie sogar unangeahnte Kapriolen. Von rund 76
Euro Ende 2019 tat sich bis Mitte April erst einmal nicht viel, dann aber schoss
der Kurs über mehrere Wochen hinweg steil nach oben - bis er im Mai bei 186 Euro
ein Rekordhoch erreichte. Dann sackte er bis Ende Juni wieder auf rund 50 Euro
ab, Ende September waren es nur noch gut 40 Euro. Dann griffen die Anleger
wieder beherzt zu und trieben die Kurs bis kurz vor Weihnachten wieder auf knapp
86 Euro hoch - eine Verdopplung in nur drei Monaten. Damit liegt er etwa zehn
Prozent höher als zum vergangenen Jahreswechsel.
Was die Kursexplosion vom Frühjahr ausgelöst hat, hat der Vorstand bis jetzt
nicht herausgefunden. "Das würden wir auch gerne wissen", ließ Hapag-Chef Habben
Janssen wissen. Wer seine Papiere in diesen Wochen verkaufte, konnte sich eine
goldene Nase verdienen. Wer hingegen kaufte, dürfte sich inzwischen schwarz
ärgern.
Begünstigt haben dürfte die Kursschwankungen der Streubesitz von nur 3,6
Prozent. Das sind die Aktien in der Hand von Anlegern, die damit auch
tendenziell an der Börse handeln. Müssen sich zum Beispiel Leerverkäufer mit
Aktien eindecken, um eine Schieflage zu verhindern, steht ihrer Nachfrage ein
nur kleines Angebot gegenüber. Sie müssen dann entsprechend viel bieten, um
Anteilseigner zum Verkauf zu bewegen.
Gemessen am jüngsten Kursniveau wird Hapag-Lloyd an der Börse insgesamt mit
rund 15 Milliarden Euro bewertet und damit höher als manch ein Dax-Konzern
. Allerdings befindet sich der Löwenanteil der Papiere in den
Händen der Großaktionäre Klaus-Michael Kühne, CSAV, der Stadt Hamburg und den
Staatsfonds aus Saudi-Arabien und dem Emirat Katar. Der geringe
Streubesitz-Anteil steht sogar einer Aufnahme in den Nebenwerteindex SDax
im Weg.
DAS SAGEN ANALYSTEN:
Branchenexperten sind mit Blick auf die Hapag-Lloyd-Aktie gespalten. Von
sieben Analysten, die ihre Einschätzungen seit der Erhöhung der Gewinnprognose
Anfang Dezember aktualisiert haben, raten nur zwei zum Kauf der Aktie. Zwei
tendieren zum Halten und drei empfehlen den Verkauf. Im Schnitt schreiben sie
dem Papier ein Kursziel von rund 73 Euro zu - und liegen damit ein Stück unter
dem jüngsten Kursniveau. Allerdings liegen ihre Erwartungen teils deutlich
auseinander.
Am pessimistischsten zeigte sich zuletzt Branchenexperte Patrick Creuset von
der US-Investmentbank Goldman Sachs. Er hob sein Kursziel zwar von 35 auf 56
Euro an - auch weil die Preise für Containertransporte zuletzt ein Rekordniveau
erreicht hätten. Dennoch hält er die Hapag-Aktie für zu hoch bewertet, gerade im
Vergleich zur weltgrößten Reederei A.P. Moller-Maersk . Daher rät
er wie sein Kollege Christian Cohrs von Warburg Research zum Verkauf.
Adrian Pehl von der Commerzbank kommt auf Basis der gleichen Fakten zu einer
anderen Einschätzung. Er bestätigte seine Kaufempfehlung für die Aktie und hob
sein Kursziel sogar von 80 auf 88 Euro an. Auch Analyst Johannes Braun vom
Analysehaus Stifel Europe rechnet wegen einer erwarteten Konjunkturerholung mit
einer guten Entwicklung in der Logistikbranche. Er hob sein Kursziel von 57 auf
80 Euro an, rät aber weiterhin zum Halten. So hat der Börsenkurs inzwischen auch
Brauns Kursziel überschritten./stw/knd/eas/fba
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