„MLP hat einen fairen Wert von 17 Euro“


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jack303:

„MLP hat einen fairen Wert von 17 Euro“

 
05.07.02 08:21
Interview
„MLP hat einen fairen Wert von 17 Euro“

5. Juli 2002 Mit stark schwankenden oder gar fallenden Kursen sind die Börsen eher ungemütlich. Nicht wenige dürften auf Verlusten sitzen und verzweifelt auf bessere Zeiten hoffen.

Aber es gibt auch Ausnahmen. FAZ.NET unterhielt sich mit Hedge Fonds Manager Nicolas Mathys von Zulauf Asset Management. Er und seine Kollegen haben es in den ersten fünf Monaten immerhin auf eine Rendite von etwas mehr als elf Prozent geschafft. Das ist im aktuellen Umfeld ein sehr guter Wert, auch wenn sie in den vergangenen Tagen vom Wordcom-Debakel negativ überrascht wurden.

Wie schätzen Sie die Märkte aktuell ein?

Auch wenn uns die Stimmung in den vergangenen Tagen etwas nervös macht, sind wir grundsätzlich immer noch ziemlich optimistisch. Die Stimmung ist so schlecht, dass schon viel passieren müsste, dass die Märkte noch viel weiter nach unten gehen. Auf Basis der recht positiven Konjunkturdaten rechnen wir sogar mit einer Sommerrally in den kommenden zwei bis drei Monaten.

Was sind die Gründe für die Unsicherheit?

Das ist bei den Anlegern sicher die Angst und die Tatsache, dass viele viel Geld verloren haben. Dazu kommen die hohen Erwartungen an eine starke Wirtschaftserholung, die zumindest im Technologiebereich nicht zu sehen ist.

Auf welche Werte würden sie momentan setzen?

Wir denken, dass einige Unternehmen des Telekom- und Techbereichs interessant sein könnten. Damit meinen wir allerdings nicht die hoch verschuldeten Unternehmen wie France Telecom oder die Deutsche Telekom, sondern solidere Firmen mit solidem Cash Flow und geringer Verschuldung.

Welche zum Beispiel, etwa die Swisscom?

Nein, die hatten ja nur Glück, dass sie im entscheidenden Augenblick kein Geld hatten, sonst hätten sie auch eine teure UMTS-Lizenz gekauft, die jetzt kaum noch etwas wert wäre. Wir halten beispielsweise eine Bouygues in Frankreich oder eine Philips in den Niederlanden für interessant. In Singulus Technologies am Neuen Markt haben wir auch eine kleine Position aufgebaut.

Bouygues ist deswegen interessant, da das Unternehmen im Mobilfunkbereich tätig ist, aber keine Ausgaben für Lizenzen hatte. Da jedoch der französische Staat noch weitere Lizenzen vergeben will, ist das Unternehmen der einzige Interessent und dürfte deswegen günstig zum Zug kommen. Gleichzeitig ist das Unternehmen auch im Baubereich tätig und hat nach dem jüngsten Verkauf der Mehrheit an der Offshore-Einheit an die italienische Saipem seine Kasse aufgebessert.

Ist Philips wirklich interessant, das Halbleitergeschäft läuft doch nicht so blendend?

Bei DRams bin ich eher skeptisch, deswegen auch für Infineon. Dagegen halte ich jedoch die Consumer Electronics für interessant. Außerdem hat Philips kein Schuldenproblem.

Mit was zeichnet sich Singulus aus?

Die machen sich gut in einem schwierigen Umfeld und sind dabei noch profitabel. Auch der Chart zeigt, eine gewisse Unterstützung.

Kennen sie auch ein interessantes Schweizer Unternehmen?

Ja, im Mid-Cap-Bereich mögen wir die Charles Vögele Holding. Dieser Wert ist spottbillig. Die Aktie kommt herunter von 350 Franken in der Spitze und liegt heute bei etwa 45 Franken. Das Unternehmen befindet sich in einer interessanten Turn-Around-Situation, nachdem die Kosten in einer starken Expansionsphase aus dem Ruder gelaufen waren. Ich denke, der Wert könnte in sechs bis zwölf Monaten über 100 Franken liegen.

Wie sieht es international aus?

Wir denken, dass die Politik des starken Dollar Vergangenheit ist und dass der Euro nach einer Zwischenkonsolidierung eher noch zulegen wird. Davon könnten international orientierte US-Unternehmen wie etwa Coca Cola oder McDonalds stark profitieren.

.. und mit Short Positionen?

Die meisten haben wir geschlossen. Bis auf MLP, da haben wir immer noch eine Position.

Wo soll denn diese Aktie noch hin gehen, sie ist ja schon unter 30 Euro gefallen?

Die kann auf zehn oder auf 15 Euro fallen. Wenn man ein Dividend-Discount-Modell nimmt und selbst relativ optimistische Wachstumsraten eingibt, dann erhält man einen fairen Wert von 17 Euro. Orientiert man sich langfristig sogar nur am allgemeinen Wirtschaftswachstum, dann kommt man sogar nur auf elf Euro. Und das nur, wenn die Bilanzen sauber sind. Selbst wenn die stimmen sollten, werden die Gerüchte das Geschäft belasten und damit das Wachstum dämpfen. Fällt das Unternehmen dann noch aus dem Dax, wäre das ein weiteres Negativum.

Was halten Sie von den Gerüchten über die Fusion zwischen der Credit Suisse und der Deutschen Bank?

Nicht viel. Dafür ist die Credit Suisse Gruppe zu stark angeschlagen. Sie ist so stark von der Marktentwicklung abhängig, dass die Aktionäre nur noch auf die Erholung der Börsen hoffen können. Aber Hoffen ist keine gute Strategie für einen Anleger.

 
 Das Gespräch führte Christof Leisinger

Text: @cri
Quelle faz.net
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