Iran-Krieg wird für Lufthansa zur großen Chance
Stand: 09.03.2026, 04:43 Uhr
Von: Panagiotis Koutoumanos
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Buchungen für Asien-Flüge steigen kräftig – Umsatz und Gewinn sollen in diesem Jahr weiter zulegen
Frankfurt – Krieg, Terror, Naturkatastrophen, Epidemien: Kaum eine andere Branche ist derart anfällig für externe Schocks wie die Luftfahrt. Insbesondere wenn dabei auch noch der Ölpreis in die Höhe schießt, wie jetzt im Zuge des US-israelischen Krieges gegen den Iran, der die gesamte Golfregion erfasst hat. Das bekam auch der Lufthansa-Konzern in den vergangenen Tagen zu spüren: Um fast 14 Prozent sank der Aktienkurs des MDax-Unternehmens bis Donnerstagabend – und damit deutlich stärker als Dax und MDax. Kein Wunder: Furcht hält viele Menschen nun mal vom Reisen ab, und die Kerosinrechnung bildet mit mehreren Milliarden Euro den zweitgrößten Kostenblock nach den Personalkosten.
Gleichwohl könnte Europas größter Luftfahrtkonzern im Wettbewerb mit den anderen Airlines als ein Gewinner aus dem Iran-Krieg hervorgehen, wie der Lufthansa-Vorstand am Freitag anlässlich der Bilanzvorlage des Konzerns darlegte. Getrieben vom deutlichen Ölpreis-Anstieg, ist der Preis für Kerosin um rund 70 Prozent auf mehr als 1400 Dollar pro Tonne geklettert – und damit auf den höchsten Stand seit Juni 2022. „Aber wir haben 77 Prozent unseres Treibstoffbedarfs für dieses Jahr bei 846 Dollar abgesichert“, berichtete Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr in Frankfurt. Damit hat sich die Lufthansa-Gruppe besser abgesichert als das Gros der Wettbewerber.
Flugreisende meiden nun Umstieg am Golf
Einen weiteren Wettbewerbsvorteil durch den Iran-Krieg erhält der Lufthansa-Konzern gegenüber den rasant gewachsenen Golf-Airlines Emirates, Qatar Airways und Etihad. Mit ihren gewaltigen Flughäfen in Dubai, Doha und Abu Dhabi haben sie der Lufthansa in den vergangenen Jahren viele Umsteigepassagiere auf den lukrativen Strecken nach Asien abgeluchst: 2025 durchquerte rund ein Drittel aller Flüge zwischen Europa und Asien die Flughäfen am Persischen Golf. Doch abgesehen davon, dass deren Flughäfen in den vergangenen Tagen lahmgelegt waren und die Golf-Airlines den Flugbetrieb nur eingeschränkt wieder aufnehmen, haben allem Anschein nach viele Europäer nun Angst, weiterhin über die Golf-Airports zu fliegen. „Unsere Buchungen nach Asien und Afrika laufen seit dem Wochenende über“, sagte Spohr. So habe sich der entsprechende Umsatz etwa für April um satte 75 Prozent erhöht. Deshalb wolle der Konzern mehr Flüge als bislang geplant in diesen Regionen anbieten – zum Beispiel nach China, Singapur und auch Südafrika.
Ob die Kunden angesichts der geopolitischen Unsicherheit am Golf auch langfristig von den Golf-Airlines auf die Lufthansa umsteigen werden? Diese Frage wollte Spohr nicht eindeutig bejahen. „Wir wissen letztlich nicht, wie lange dieser Effekt am Golf anhält, ob das nun eine Zäsur ist“, sagte der Vorstandschef. „Aber nach unseren Erfahrungen mit anderen Krisen denken wir, dass es Verschiebungen geben wird. Die Golf-Airlines werden leiden.“ Dabei setzt Spohr auch auf die „umfassendste Flottenerneuerung in unserer Geschichte“, wie er sagte. Allein in diesem Jahr soll der Konzern 45 neue Flugzeuge mit komfortablerer Kabinenausstattung erhalten, die den Golf-Airlines stärker Paroli bieten und die Durchschnittserlöse verbessern können, die 2025 weiter gesunken sind.
Margenschwäche bei Rekorderlösen
Fürs laufende Geschäftsjahr zeigte sich die Lufthansa-Führung jedenfalls optimistisch: Nach dem Umsatz- und Gewinnanstieg 2025 sollen Umsatz und Gewinn 2026 weiter wachsen. „Wir erwarten erneut eine deutliche Ergebnissteigerung sowie eine weitere Margenverbesserung“, sagte Finanzvorstand Till Streichert. So sollen die Aktionäre für 2025 eine Dividende von 33 Cent pro Aktie erhalten, 3 Cent mehr als im Vorjahr.
Wie der Lufthansa-Konzern am Freitag bekannt gab, steigerte er 2025 den Umsatz um fünf Prozent auf den Rekordwert von 39,59 Milliarden Euro. Und nach dem Gewinneinbruch im Jahr zuvor erhöhte sich der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) immerhin um 19 Prozent auf 1,96 Milliarden Euro – vor allem, weil aufgrund des stabileren Luftfahrtbetriebs 362 Millionen Euro weniger für Entschädigungen verärgerter Passagiere gezahlt werden mussten; weil die Sprit-Rechnung niedriger ausfiel, weil die zu Jahresbeginn eingegangene 41-prozentige Beteiligung an der italienischen ITA Gewinn beisteuerte und auch weil keine Streikkosten mehr anfielen.
Aber beim Gewinn ist der Konzern – zu dem neben Lufthansa Airlines die Swiss, Eurowings, Austrian Airlines und Brussels Airlines sowie Lufthansa Cargo und Technik gehören – von einem Rekord weit entfernt. Diesen hatte der Konzern 2017 mit einem Gewinn von 2,97 Milliarden Euro eingeflogen. 2025 ist indes vom hohen Umsatz erneut wenig Ertrag geblieben: Die Ebit-Marge hat sich von mickrigen 4,4 Prozent auf 4,9 Prozent verbessert. Die für Anleger wichtige Rendite auf das eingesetzte Kapital (ROCE) erreichte 10,3 Prozent. Zum Vergleich: Der IAG-Konzern, zu dem neben British Airways unter anderem Iberia und Aer Lingus gehören, steigerte 2025 seine bereinigte Ebit-Marge auf 15,3 Prozent und seine ROCE auf 18,5 Prozent.