@2gether:
Ich halte diese Petition, oder zumindest den Denkansatz dahinter für einen Fehler.
Warum?
Punkt eins, stell dir vor, du bist ein "moralisch flexibler" CEO. Du weißt genau, selbst wenn du den Laden betrügerisch gegen die Wand fährst, Aktionäre kriegen ihr Geld zur Not von woanders zurück. Wie groß, nein, natürlich, wie gering ist dann dein Anreiz, zumindest so ehrlich zu wirtschaften, dass du zumindest dem größten Zorn der Aktionäre entgehst? Ist doch eh egal, wenn sie ihr Geld eh zurück bekommen. Soetwas fördert somit nicht eine ehrlichere Unternehmenskultur, sondern behindert sie sogar.
Zweitens, wer soll die Aktien-Einlagensicherung bezahlen? Der Einlagensicherungsfonds der Banken wird bezahlt von den Banken selbst, indem diese in Abhängigkeit von Bonität und Umsatzstärke dort einzahlen, damit von diesen Geldern die Guthaben der Kunden gedeckt werden können, falls eine Mitglieds-Bank wirklich pleite geht. Am Ende würde dies also dazu führen, dass jede Aktiengesellschaft dort in Abhängigkeit von Unternehmensgröße und was auch immer einzahlen müsste. Dies wäre zumindest im Entstehungsjahr eines solchen Fonds, wahrscheinlich aber auch fortlaufend eine deutliche finanzielle Belastung für so ein Unternehmen. Folglich würde die Gewinnsituation beeinträchtigt, und mutmaßlich würde auch der Aktienkurs dadurch fallen. Und staatliche Garantien um das betrügerische Handeln eines Unternehmens gegenüber seinen Aktionären abzufangen wird auch kein Finanzminister dieser Welt absegnen.
Und außerdem - auch wenn der Wirecard-Verlust noch so weh tut, jedem Aktionär muss klar sein, dass er das Anlagerisiko bei einer Aktie selbst trägt. Niemand kann sagen, dass ihm nicht bewußt ist, dass ein Unternehmen entweder ganz einfach durch Missmanagement pleite gehen kann oder durch einen (Anleger-)Betrug des Führungsspitze. Jeder an einem Kapitalmarkt gehandelten Aktie haftet dieses Totalverlustrisiko an, egal wie klein oder groß man es auch immer beziffern möchte. Der Lohn für dieses unternemerische Risiko welches jeder Aktionär mitträgt sind im Erfolgsfall die Dividende und die Kurssteigerungen der Aktie. Anders gesagt: Risiko und Rendite stehen bei jeder Anlageform immer in einem gewissen Verhältnis zueinander. Hohe Renditen sind nur zu haben mit erhöhtem Anlagerisiko. Sagt man jetzt, dass man abgesichert sein möchte für den Fall eines Anlegerbetrugs, dann verlagert man das Risiko auf andere, und im Fall eines solchen Einlagenfonds auf andere einzahlende Unternehmen. Das kann aber nicht Sinn der Sache sein, ganz abgesehen davon dass damit de facto der Schaden den ein betrügerischer Vorstand anrichtet von den Unternehmensgewinnen anderer Mitgliedsunternehmen dieses Fonds bezahlt würde, die dafür keine Schuld tragen.
Und: bei der momentanen Nullzinslage und den volatilen Märkten ist selbst eine sichere Einlage von Sparguthaben zu -0,5% Verzinsung am Ende oft einer Anlage in Aktien vorzuziehen. Aktien waren immer schon riskanter, als das Geld einfach liegenzulassen. Das gilt in den heutigen unsicheren Zeiten immer noch und um so mehr, und die Dummen sind halt die, die sich einreden lassen, sie könnten an den Aktienmärkten ohne Risiko mehr aus ihrem Geld machen.
Die einzige Lehre, die man aus der Wirecard-Sache ziehen kann: Breit diversifizieren. Niemals in die Lage kommen, dass der Totalverlust aus einer Aktie die finanzielle Situation von euch als Anlegern irreparabel schädigt.