1. Kein Problem. Ich bin auch nicht in allen Details der Lachsbranche drin.
Aber die Beherrschung scheint ein genereller Trend zu sein. (Marine Harvest wird zwar nicht beherrscht, der größte Aktionär hält aber annähernd 25 % und die größten 10 Aktionäre halten zusammen 50 %).
Hinter Marine Harvest würde ich Leroy derzeit als weltweite Nummer 2 in Bezug auf die Größe sehen.
Nummer 3 war/ist bis letztes Jahr Cermaq. Cermaq wurde vor 1 Jahr von der japanischen Mitsubishi aufgekauft und komplett von der Börse genommen. Die Übernahmeprämie auf den letzten Börsenkurs war etwa 15 % und etwa 25 % auf den durchschnittlichen 6 - Monatsdurchschnitt. Cermaq produziert neben Norwegen auch in Canada und Chile: dort mit den bekannten Problemen wie Marine Harvest. Wenn Chile voll produzieren kann, schafft Cermaq die gleiche Menge wie Leroy. Chile verhagelt ihnen aber komplett das Ergebnis: Cermaq hatte 2014 ein Jahres-EBIT, das geringer war als das durchschnittliche Quartals-EBIT von Leroy 2014.
Als Nummer 4 würde ich derzeit SalMar sehen. Die waren zwar früher sehr viel kleiner, wachsen jedoch schnell und sind - wie Leroy - hauptsächlich in Norwegen tätig. Von allen Konkurrenten sind sie für mich das Unternehmen, das Leroy am meisten ähnelt, daher wohl auch das Joint-Venture.
Deutlich kleiner (halb so groß wie SalMar) ist Grieg Seafood. Sie haben momentan sehr mit den Kosten zu kämpfen (obwohl sie hauptsächlich in Norwegen produzieren) und waren in Q2 nicht profitabel.
Die Frage nach den Übernahmen ist natürlich schwer zu beantworten. Leroy könnte SalMar übernehmen um dann auch von der Menge her Marine Harvest Konkurrenz zu machen. Oder Marine Harvest versucht in Norwegen zu expandieren um die Verluste in Chile zu kompensieren: dann dürften sie kaum an entweder Leroy oder SalMar vorbeikommen. Oder Austevoll versucht Leroy komplett zu kaufen. Oder Mitsubishi mischt nochmal mit. Es gibt viele Möglichkeiten. Derzeit wäre eine Übernahme Leroys aber bestimmt nicht billig. 370 - 400 NOK je Aktie müssten es wohl mindestens sein, damit wir Aktionäre schwach würden.
Sollte Austevoll seinen Anteil an mehrere Großaktionäre OTC verkaufen, würde ich das aber gar nicht schlecht finden. Bestimmt gibt es einige Banken (JP Morgan hält ja aktuell schon einige Prozent)/Pensionsfonds (z.B. hält der Lehrer-Pensionsfonds aus Ohio rund 0,5 %) die gerne aufstocken würden: Leroy wäre in einem solchen Szenario ja nicht mehr beherrscht was eine höhere Bewertung rechtfertigen würde.
2. Über mein Steckenpferd, die Dividendenthematik, könnte ich jetzt eine lange Abhandlung schreiben.
Aus theoretischer Sicht können Dividenden Agency-Konflikte minimieren, indem die Ausschüttung für eine Knappheit des Kapitals im Unternehmen sorgt. Somit sei gewährleistet, so die Befürworter der Dividenden, dass das Kapital seiner effizientesten Verwendungsmöglichkeit zugeführt wird: Würde die Dividende nicht ausgeschüttet, besteht die latente Gefahr einer 'Verschwendung' und unproduktiven Verwendung wie 'Prestige-Projekte' des Managements zu Lasten der Aktionäre. Dividenden können also disziplinierend auf das Management wirken und Überwachungskosten minimieren (der ausgeschüttete Betrag kann vom Management schon nicht mehr fehlinvestiert oder gar in den 'Sand gesetzt' werden).
Grundsätzlich und theoretisch würde ich diesen Punkten eingeschränkt sogar zustimmen. Es fußt aber auf dem pessimistischen Ansatz, dass Manager jeden eingeräumten Handlungsspielraum zu Lasten ihrer Aktionäre ausüben. Es sind aber nicht alle Manager so veranlagt, zudem wissen Manager, dass sie überwacht werden, was ihren natürlichen Anreiz zur 'Eigennutzorientierung' doch merklich einschränkt.
Ich bin dafür, dass Unternehmen, die sich in der Cash-Cow Phase befinden, mehr ausschütten sollen, als solche, die sich in der Wachstumsphase befinden. Gewinneinbehalt macht dann Sinn, wenn sinnvolle und ertragreiche Wachstumsprojekte vorhanden sind, die den Wert des Unternehmens steigern. Sind solche Projekte nicht vorhanden, dann würde durch Gewinneinbehalt der ROE in der Folgeperiode sinken. Dann wäre es besser, das Unternehmen schüttet das nicht benötigte Kapital aus und der Anleger kauft damit z.B. weitere Anteile dazu.
Steuerliche Nachteile hat man durch die Dividende aber, das ist klar. Auch bei inländischen Gesellschaften.
Ich verteufle Dividenden nicht. Vielmehr sehe ich das auf den Einzelfall bezogen.
Mir geht es aber genau wie dir: wenn ausschließlich auf die Dividende geschaut wird, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Eigentlich sollte jeder Anleger wissen was die Dividende bewirkt und das ist besonders am Ex-Dividenden-Tag gut zu sehen: der Kurs der Aktie fällt um den Betrag der Dividende!
Der Anleger hat also zwei fiktive Konten: ein Dividendenkonto und ein Kurskonto. Bei Auszahlung der Dividende wird das Kurskonto belastet und dem Dividendenkonto gut geschrieben. Damit ist zunächst weder etwas gewonnen noch etwas verloren, sondern es ist nur eine Frage der Gewinnverwendung.
Gemäß der Theorie hat ein Unternehmen, welches den kompletten Gewinn ausschüttet, ein Wachstum von Null!
Allgemein kann das Wachstum gemäß der Formel:
g = (1 - D/G) x ROE berechnet werden.
Leroy hat eine langfristige Zielausschüttungsquote von 35 % des Nettogewinns.
g = (1-0,35) x ROE = 8,88 % Wachstum p.a.
Leroy plant aber konservativer mit 4,90 % Wachstum für 2015.
Um auf ein Wachstum von 4,90 % zu kommen, dürfte Leroy rechnerisch sogar 65 % ausschütten.
Das ist recht nahe an der tatsächlichen letzten Ausschüttungsquote von 71,9 %.
Leroy hat also derzeit das 'Luxusproblem', dass sie bei der Zielausschüttungsquote von 35 % um fast 9 % p.a. wachsen müssten. Ich kann mir vorstellen, dass das in der Realität aus mehreren Gründen (v.a. biologische Gegebenheiten) nicht geht. Umgekehrt ist der ROE so hoch, dass Leroy sich 65 % Ausschüttungsquote leisten kann und trotzdem um die angestrebten 4,9 % wächst. Ein Wachstum von 4,9 % halte ich auch für gesünder und nachhaltiger als 8,9 %. Auf Dauer dürften auch 4,9 % noch zu hoch sein.
Ausblick:
Der norwegische Aktienmarkt ist (im Gegensatz zum deutschen) recht avers gegenüber Dividendenkürzungen. D.h. Dividenden werden dort als Signal für das wirtschaftliche Wohlergehen eines Unternehmens verstanden. Entsprechend ungern und selten reduzieren Manager die Dividende.
Daher gehe ich davon aus, dass Leroy auch im kommenden Jahr für 2015 mindestens wieder 12 NOK je Aktie ausschüttet - auch wenn das ziemlicher sicher mehr als 35 % des Netto-EPS sein werden. Leroy kann es sich leisten und es schützt meiner Meinung nach vor exorbitantem Wachstum. Zusätzlich schützt eine Dividende vor sog. 'homemade dividends' durch anteilige Aktienverkäufe in Höhe der gewünschten 'Dividendenrendite', diese ist aktuell mit über 3,80 % für alle Dividendenjäger immer noch ordentlich - wenngleich sie auch aussagelos ist.
Die Umsetzung des Wachstums ist in meinen Augen der neuralgische Punkt für die Zukunft von Leroy. Anders ausgedrückt: kann Leroy Quartalsmengen von 45.000 t (und mehr) abliefern ohne dabei die bisherigen Kennzahlen zu verschlechtern? Bisher ist es nur eine Zielsetzung, bisher hat Leroy nie soviel im Quartal produziert. Sollte Leroy die 166.000 t Jahresmenge plus anteilige Joint Venure Menge von ca. 15.500 t = gesamt 181.500 t herstellen können, würde der Aktienmarkt die Zielerreichung höchstwahrscheinlich belohnen. Man darf nicht vergessen, dass viele Konkurrenten (v.a. die in Chile tätig sind) die Menge aufgrund von biologischen Problemen zurückfahren (müssen). Umso deutlicher wird der Marktanteil von Leroy steigen.
Ich hoffe nur, sie bleiben vernünftig - und damit in Norwegen.
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Dass der Kurs heute auf NOK 314 'zurückfällt', halte ich aufgrund der Mini-NOK-'Aufwertung' von 9,60 kommend auf 9,20 aktuell für normal und angemessen.
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Zum Thema vertikale Expansion: das ist in der Tat ein spannendes Feld, wenn man bedenkt, dass Leroy für 1 kg Lachs ca. 4,40 Euro erzielt und wir im REWE für 1 kg umgerechnet 20 Euro bezahlen müssen. Auch unter Berücksichtigung der Umsatzsteuer verbleiben hier einige Hundert Prozent an Wertschöpfung dazwischen. Auf den ersten Blick also kaum zu glauben, dass dieses Segment so margenschwach ist.