Und da fällt einem in der Tat so einiges auf:
1. Die Beteiligungen, bei denen Internet Capital großen Einfluss hat, veröffentlichen nie Daten zu einem Zeitpunkt, die den Shortseller in Bedrängnis bringen. Das war früher schon ab und zu der Fall, wenn eine der Beteiligungen eine Auszeichnung bekam - und das konnte man ja schlecht unter dem Deckel halten. Das haben sie jetzt offensichtlich besser "in den Griff bekommen".
2. Vor ca. drei oder vier Jahren ist der Inkubator von Internet Capital, das seinerseits auch wieder einer ist, ausgestiegen: Safeguard. Die haben sich inzwischen schlechter entwickelt als Internet Capital, was dem dortigen Management sicher peinlich ist. Mit ihren ausgezeichneten Verbindungen könnten sie versucht sein, den Aufstieg in Bahnen zu lenken - Kritik kommt wahrscheinlich bei plötzlichen Kurssprungen nach dem Motto "Wären wir doch da nicht raus .....". Und da passt auch meine Vermutung über Insiderinformationen (alte Seilschaften).
3. Über die vermutlich umsatzstärktste Kernbeteiligung, Credittrade, wird geschwiegen wie ein Grab. Im letzten Quartalsbericht immerhin ein oder zwei Satz/Sätze - wohl aus Angst vor der SEC, die ihnen Verschweigen wichtiger Informationen anhängen könnte. Dabei boomen Kreditderivate ohne Ende und Credittrade ist einer der größten Broker und Datenlieferanten.
Zum Boom ein Text aus der heutigen FTD:
Dossier Banken arbeiten an Großverbriefung
von Reinhard Hönighaus und Yasmin Osman, Frankfurt
Citigroup, Eurohypo und Barclays wollen einen Teil der Kredite für die 7 Mrd. Euro schwere Übernahme der früheren Eon-Wohnungstochter Viterra in den kommenden Monaten an institutionelle Investoren weiterreichen. Dies sagte Alexander von Trotha, Chef der deutschen Verbriefungssparte der Eurohypo, der FTD.
Außenansicht der Viterra AG in EssenGekauft hatte Viterra der britischen Beteiligungsfonds Terra Firma. Damit bahnt sich eine der größten derartigen Transaktionen in Deutschland an. Hintergrund ist, dass nach milliardenschweren Übernahmen auf dem Immobilienmarkt Finanzinvestoren und ihre Kredit gebenden Banken daran arbeiten, Risiken durch Verbriefung auf dem Kapitalmarkt wieder loszuwerden.
Zu Jahresbeginn hatten die US-Häuser Morgan Stanley und Citigroup auf diese Weise Kredite über 1,5 Mrd. Euro aus dem 2,1 Mrd. Euro teuren Kauf der 48.000 ThyssenKrupp-Wohnungen am Kapitalmarkt refinanziert. Im Schnitt sind Transaktionen in Europa nur 500 Mio. Euro bis 1 Mrd. Euro groß.
Die Risiken sollen über Commercial Mortgage Backed Securities (CMBS) platziert werden. CMBS sind strukturierte Anleihen, die mit gewerblichen Immobilien besichert sind. Dabei werden mehrere Objekte zu einem Portfolio gebündelt und so das Risiko der Anleger gestreut. Das genaue Emissionsvolumen aus der Viterra-Finanzierung steht laut Trotha noch nicht fest. Es würden aber in jedem Fall mehrere Milliarden Euro platziert.
ZUM THEMA DOKUMENTE, AUDIO/VIDEO RESSOURCEN
Eurostat droht Strenge bei Verbriefungen an (www.ftd.de/politik/europa/61168.html)
Mittelstand: Unternehmen entdecken neue Finanzquellen (www.ftd.de/unternehmen/52765.html)
(€) Leitartikel: Gekaufte Marktmacht (www.ftd.de/meinung/kommentare/21231.html)
(€) Dossier: Terra Firma will Preis für Viterra nachverhandeln (www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/11644.html)
HWWA: Kreditverbriefung - Innovation mit Fragezeichen (pdf) (www.ftd.de/div/link/63810.html)
Investopedia: Commercial Mortgage-Backed Securities - CMBS (www.ftd.de/div/link/63811.html)
DIE ZEIT: Immobilienkredite - Schulden auf Weltreise (www.ftd.de/div/link/63812.html)
Commercial Real Estate Direct: Global CMBS Volume (Statistik) (www.ftd.de/div/link/63813.html)
"Von der Art und vom Volumen her werden solche Transaktionen auch aus europäischer Perspektive bemerkenswert sein", so Detlef Scholz, Geschäftsführer bei der Rating-Agentur Moody's in Deutschland, ohne sich direkt auf den Deal zu beziehen.
Bei Verbriefungen liegt Deutschland derzeit europaweit zwar nur an fünfter Stelle. Gerade bei gewerblichen Immobilienverbriefungen rechnen Experten nun aber mit einem Emissionsschub. "Wir glauben, dass Deutschland nach Großbritannien in diesem Jahr der zweitgrößte Markt für CMBS-Anleihen werden kann", sagte Birgit Specht, die bei Citigroup die Strategie für Verbriefungsprodukte leitet. "Das CMBS-Volumen wird in den kommenden Jahren stark wachsen, weil viele angelsächsische Investoren deutsche Immobilienportfolios aufgekauft haben und diese auch finanzieren beziehungsweise refinanzieren müssen", sagte Stephan Bone-Winkel, Professor an der European Business School in Oestrich-Winkel.
Milliardeninvestments in Deutschland
Allein 2005 haben globale Kapitalanleger für knapp 40 Mrd. Euro deutsche Wohnungen, Büros und faule Immobilienkredite aufgekauft. "Die Verbriefung von Immobilienkrediten ermöglicht es den Finanzinvestoren, sich hoch zu verschulden", sagte Jean-David Cirotteau, Verbriefungsexperte von Société Générale. Die Investoren hebeln durch die Verschuldung ihre Eigenkapitalrendite nach oben. Dazu kommt, dass eine Refinanzierung über eine Verbriefung günstiger sei als ein Bankkredit. Die Renditeaufschläge für CMBS-Anleihen befinden sich laut Cirotteau nahe ihrer Tiefstände, während das Material noch knapp sei. "Die Investoren schätzen es, dass der deutsche Immobilienmarkt noch nicht so heiß gelaufen ist wie andere europäische Märkte."
Angesichts des allgemeinen Anlagedrucks halten institutionelle Investoren wie Pensionskassen, Fonds und Versicherungen viel Geld für diese Wertpapiere bereit. CMBS-Tranchen, die von den Rating-Agenturen mit Dreifach-A bewertet werden, bieten bei gleichem Risiko eine etwas höhere Verzinsung als Staatsanleihen oder ähnliche festverzinsliche Wertpapiere. "Selbst die schlechter gerateten Tranchen mit höherem Risiko sind begehrt. Wer die Immobilienmärkte gut kennt, wagt sich auch in die BBB-Tranchen vor", sagte Eurohypo-Experte Trotha.
Die emittierende Bank ist fein raus, denn CMBS sind so genannte True-Sale-Verbriefungen. "Die Darlehen gehen aus unseren Büchern raus, die Risiken landen ultimativ beim Käufer der CMBS", sagt Trotha. An Stelle der Bank treten die Anleihekäufer als Darlehensgeber auf.
In ganz Europa ist das Neuemissionsvolumen für verbriefte gewerbliche Immobilienkredite angeschwollen. "Das Neuemissionsvolumen hat sich europaweit von 2004 auf 2005 auf 45 Mrd. Euro verdreifacht und dürfte dieses Jahr auf 60 bis 70 Mrd. Euro steigen", sagte Christoph Anhamm, Leiter der Verbriefungs- und Pfandbriefanalyse von ABN Amro. "Deutschland dürfte dabei mit 15 Mrd. Euro die zweite Stelle halten."
Aus der FTD vom 10.04.2006
© 2006 Financial Times Deutschland, © Illustration: Viterra AG
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