Naja, verarschen will dich Solarworld und die Ölscheichs nicht I-love-Beer, aber so wie du das im letzten Absatz geschrieben hast, so ähnlich ist es bzw. so ähnlich wird es laufen. Ganz genau weiß man es ja noch nicht.
Nur ist es es halt mal so, dass die 2016er Anleihe
A1H3W6 am Freitag bei 23% und die 2017er Anleihe
A1CR73 bei 26% notierten. Damit haben die Anleihen ja keine 550 Mio. € an Wert, sondern nur noch 138,5 Mio. € (2016er nominal 150 Mio. €/Börsenwert: 34,5 Mio. € +++ 2017er nominal 400 Mio. €/Börsenwert: 104 Mio. €).
Den Großteil der Schuldscheindarlehn über 356 Mio. € hat sich der Hedge Fonds Strategic Value Partners gekrallt und der hat diese Schuldscheindarlehn garantiert auch mit sehr deutlichen Abschlägen (meine Schätzung 60 bis 70%) gekauft.
Mit diesen Ausführungen will ich eigentlich nur sagen, dass die Verbindlichkeiten über 971 Mio. € (Stand Ende 2012) ja nur noch auf dem Papier stehen, aber heute haben die bedeutend weniger wert. Sieht man ja an den Anleihenkursen.
Sollte das so laufen wie es derzeit kolportiert wird, dass 60% der Verbindlichkeiten in Aktien umgewandelt werden und die restlichen 40% bleiben bestehen, dann werden z.B. die Anleiheninhaber doch ein gutes Geschäft machen. Könnte auch ein ganz dickes Geschäft werden, aber das wird man erst 2016 bzw. 2017 sehen.
Meiner Meinung nach kommen die Anleihengläubiger bei diesem Deal sehr gut weg. Zum einen bleiben 40% an Verbindlichkeiten weiter bestehen, bei der 2016er Anleihe also 60 Mio. €, die jedoch an der Börse aktuell nur zu 34,5 Mio. € bewertet ist und zum anderen bekommen die 2016er Anleihengläubiger noch einen Solarworld-Aktienanteil von rd. 15%. Dürfte also so ein Gegenwert von 30 Mio. € haben, wenn ich davon ausgehe, dass eine bilanziell wieder gut dastehende Solarworld (Eigenkapitalquote > 40% und Nettofinanzverbindlichkeiten < 160 Mio. €) inkl. eines sehr solventen Großaktionärs einen Börsenwert von 200 Mio. € zugestanden wird. Außerdem soll es ja noch zu einem kleinen Cashausgleich kommen über 35 Mio. €. Da würden dann die 2016er Anleiheninhaber noch ein sofortige Zahlung von 5,3 Mio. € erhalten.
Nach meiner Rechnung hat die 2016er Anleihe somit einen Gegenwert von 95 Mio. €:
- 40% des Nomialwerts bleibt = 60 Mio. €
- 15% Solarworldanteil = 30 Mio. €
- sofortiger Cashausgleich = 5,3 Mio. €
Nach meinen Schätzungen müsste die 2016er Anleihe also bei einer Notierung von 63% fair bewertet sein. Aktuell steht sie bei 26%. Damit hätten wir eine Kurslücke von 142% (!!!) und das ist doch mal ein sehr gutes Risiko/Chancenverhältnis meiner Meinung nach.
Laut meine Rechnung bezahlen die Katar-Ölscheichs für einen 29,99%igen Solarworldanteil für eine Solarworldaktie 0,03 €. Nach der Rechnung des "Aktionärs" wären es 0,05 €.
So weit so gut und es ist auch vollkommen korrekt, dass ein neuer Anker- bzw. strategischer Investor einigermaßen billig groß einsteigen kann. Zumal ja die Katar-Ölscheichs Solarworld eine Liquiditätsspritze von 200 Mio. € via Wandelanleihe zukommen lassen werden.
Dass ein Asbeck ebenfalls über die Kapitalerhöhung zu billigen Preisen wieder auf einen Anteil von 20% kommen wird, halte ich für einen Skandal. Zumal ja Solarworld diese 11 Mio. €, die Asbeck dafür bezahlen wird, mal sicher nicht unbedingt nötig hat.
Es kann ja nicht sein, dass ein Asbeck über die Kapitalerhöhung billig Aktien kaufen kann und die restlichen Altaktionäre schauen in die Röhre, weil es ganz offenbar keine Bezugsrechte für die Altaktionäre geben wird, da die Gläubiger das verhindern, denn sonst würde sie noch im Nachhinein verwässert werden.
Die Solarworldaktie ist mal ganz sicher aktuell viel zu teuer, aber das ist ja eigentlich längst so gut wie allen klar, aber die Anleihen sind meiner Einschätzung nach recht billig, wenn man davon ausgeht, dass Solarworld überlebt und mit den Katar-Ölscheichs an Bord ist doch die Überlebenschance mehr als gut.
Ich halte diese "neue" Solarworld nach den Debt Equity Deal und der Kapitalerhöhung mit dem Großaktionär Qatar Solar Technologies für absolut zukunftsfähig und das sehen die Katar-Ölscheichs wohl auch so, denn sonst würden sie nicht 235 Mio. € in Solarworld investieren.
Jedenfalls ist Solarworld das Damoklesschwert riesige Schulden los und die Situation der Solarbranche hellt sich zunehmend auf (gute globale Nachfrage, sehr stabile Modulpreise).
Sobald Solarworld ihre hohe Polysiliziumkosten in den Griff bekommen wird und mit Abstandszahlungen von um die 100 Mio. € an OCI, Hemlock und Wacker wird das wohl schnell der Fall sein, dann wird Solarworld auch ihre Produktionskosten wieder recht schnell in den Griff bekommen.
Wobei ich es für gut möglich halte, dass Solarworld die eine oder andere Wafer- und Zellfertigungskapazitäten nach Katar verlagern wird/könnte mit sehr guten Standortbedingungen: billige Strompreisen, günstigen Arbeitskosten und kaum Steuererhebungen. Subventionen für diese Ansiedlung wird es dann wohl auch geben. Dann hätte Solarworld eine Produktion in Europa, in Amerika und in Asien. Das wäre dann ein nahezu idealer Standortmix, nicht nur weil man recht nahe am Kunde wäre, sondern auch aufgrund der verschiedenen Währungsregionen.
Ich glaube, dass das Geschäftsmodell des vertikal intgerierten Solarunternehmens mit der Produktion von Wafer, Zellen und Module wieder eine Renaissance in den nächsten 12 Monate erleben wird, denn irgendwann in den nächsten 15/18/24 Monate wird das Wafer/Zellangebot mit ganz großer Wahrscheinlichkeit kleiner sein wie die Nachfrage und dann werden die Karten neu gemischt und Ruck Zuck könnte aus dem Solarworld-Geschäftsmodell wieder ein sehr attraktives und rentables Geschäftsmodell werden.