KÖLN/DÜSSELDORF: "Wir wollen keinen Messekrieg"


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KÖLN/DÜSSELDORF: "Wir wollen keinen Messekrieg"

 
09.02.02 22:29
In der WELT am SONNTAG sagen die Oberbürgermeister von Köln und Düsseldorf, wie sie sich eine Kooperation ihrer Messen vorstellen können

Köln/Düsseldorf - Weder die Kölner noch die Düsseldorfer Prinzengarde wird bewaffnet. Das Feld der letzten Schlacht zwischen Köln und Düsseldorf - es liegt seit 714 Jahren friedlich bei Worringen - behält seine Ruhe. "Ich will keinen Messekrieg", sagt Kölns OB Fritz Schramma, CDU, gegenüber WELT am SONNTAG. Bei seinem Kollegen und Parteifreund Joachim Erwin aus Düsseldorf klingt es so: "Wir werden keinen Krieg machen."

Was die beiden Vorsitzenden der jeweiligen Messe-Aufsichtsräte allerdings nicht hindert, äußerst unterschiedlicher Meinung zu sein zu einem Thema, das auch die Landesregierung brennend interessiert. Diese Woche hat die Diskussion darüber durch einen Vorstoß des Düsseldorfers Manfred Kronen neu an Hitze gewonnen. Kronen, Chef der Igedo, will sein auf Damenmode fixiertes Portefeuille jetzt um eine "CPD men" erweitern, "eine Reaktion auf den Ruf den Marktes", wie Düsseldorfs OB Erwin meint.

Collections Premieren für Herrenmode nur 40 Kilometer rheinabwärts von der Kölner "Herrenmodewoche" - Kölns OB Schramma beklagt deshalb "eine neue Qualität der Auseinandersetzung". Denn: "Bisher hat jeder der Nachbarn die Schwerpunkte des Wettbewerbers respektiert. Wir machen keine ‚bötchen' gegen die ‚boot', die Düsseldorfer agitieren nicht gegen unsere ‚Internationale Möbelmesse'. Verhärtungen nützen keinem. Auch nicht dem Land."

Nordrhein-Westfalen hält jeweils 20 Prozent der Anteile an den Messegesellschaften in Köln und in Düsseldorf. Für Wirtschaftsminister Ernst Schwanhold und seinen Staatssekretär Jörg Bickenbach bieten die Beteiligungen ein Faustpfand vorausschauender Infrastrukturpolitik. Bickenbach hat laut über einen Verbund im Messeland NRW nachgedacht - eine Messe AG NRW, die Köln und Düsseldorf, Essen und Dortmund unter ein gemeinsames Dach bringen und das Land damit in eine Spitzenposition auf dem Weltmarkt katapultieren sollte. Unterdessen denkt Finanzminister Peer Steinbrück vor allem daran, dass die Messebeteiligungen erstklassige Privatisierungsmasse darstellen könnten.

Aber noch machen die Landesminister die Rechnung ohne die kommunalen Wirte. Düsseldorfs Stadt-Chef Joachim Erwin jedenfalls wehrt ab: "Schiere Größe, die Addition von Messe-Zahlen, ist nicht wirklich hilfreich. Messen sind auch regional gebundene Veranstaltungen, die man nicht einfach vom grünen Tisch aus verpflanzen kann. Deshalb plädieren wir dafür, Kooperationen überall dort zu realisieren, wo es von den Aufgaben her Sinn macht - und Eigenständigkeit dort zu stärken, wo sie den Messen, deren Heimatstädten und deren Kunden nützt." Immerhin gelte es, allein für Düsseldorf um die 13500 messenahen Arbeitsplätze und einen Umsatz von zwei Milliarden Euro im Jahr zu sichern.

Kölns OB Fritz Schramma hatte sich aus anderer Perspektive bereits für eine Messe-Fusion zwischen Köln und Düsseldorf stark gemacht und will nun weiter auf enge Kooperation ("gleich ob Holding- oder Fusionslösung") dringen: "Wenn wir es richtig machen, ist in diesem Fall eins plus eins plötzlich drei." Und bei den getrennt geplanten Großinvestitionen (Köln: 500, Düsseldorf: 600 Millionen Euro) könne man dann auch gleich "etwas kürzer treten".

Dabei stützt sich Schramma auf eine Studie, die nicht allein "Größenvorteile" herausarbeitet. Schramma: "Es geht auch um die inhaltliche Ergänzung. Köln ist stark im Bereich der Konsumgüter wie Mode, Möbel, Lebensmittel und Foto. Düsseldorf führt bei Investitionsgütermessen wie Druck und Kunststoff. Vorteile entstehen also vor allem in Marktsynergien." Eine "Rheinmesse Köln-Düsseldorf" könne aus bestehenden Veranstaltungen neue gemeinsame Marktführerschaft begründen in Umwelttechnologien, bei Mode, Gesundheit und Wellness, bei Kommunikation, Kunst und Kultur, Wohnen und Einrichtung sowie bei der Ernährung.

Düsseldorfs OB Erwin hält dagegen: "Die Studie enthält einige Denkfehler. Messen zu vereinigen ist etwas anderes als die Fusion zweier Schraubenfabriken." Sinnvoller sei es, schrittweise zusammenzubringen, was zusammen passt. Erwin: "Wir haben vorgeschlagen, die Lifestyle-Messen in eine gemeinsame Gesellschaft zu überführen. Das wurde abgelehnt."

Erwin weiter: "Es bringt etwas, im Ausland die bisher getrennten Netze zusammenzulegen. Das klappt vorzüglich mit der Messe Essen, mit der zuvor eine engere Verflechtung beendet worden war. Im Ausland ist Düsseldorf schon präsent in Moskau, Chicago und Brünn, in Warschau, Leon, Shanghai und Singapur. In Chicago und Singapur hatten wir Räume reserviert für die Kölner. Aber die Zusammenarbeit kam nicht zu Stande."

Es sei "zu früh gewesen", sagt OB Schramma dazu. Ohnehin steht er auf dem Standpunkt, Kooperation in Teilsegmenten oder bei Datenverarbeitung und Einkauf sei "schön für die regionale Außendarstellung", bleibe aber "ohne Wirkung auf die Wettbewerbsfähigkeit".

Fritz Schramma und die Kölner setzen offenkundig auf die Kraft der eigenen Zahlen: Die Metropole Köln mit rund einer Million Einwohner ist fast doppelt so groß wie die Landeshauptstadt Düsseldorf. Kölns Messe meldete letztes Jahr 55 Veranstaltungen, 401 Millionen Mark (!) Umsatz. Düsseldorf kam auf 33 Messen und 260 Millionen Euro (!) Umsatz. Beide planen kräftiges Wachstum ein. Und Düsseldorfs OB Erwin erwartet von einem betriebswirtschaftlichen Vergleich beider Gesellschaften ein Übergewicht von etwa 60: 40 für seine Heimatmesse: "Auch das gehört dazu, wenn man über eine Fusion nachdenken will."
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Schnorrer:

Köln hat keine Million Einwohner. Nur rechnerisch.

 
09.02.02 22:32
Köln selbst hat knappe 300.000.

In Köln leben ohnehin nur größenwahnsinnige Jecken. Allen voran Hajo Neunmalklug.
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