Konstruktiver Meinungsaustausch und zielstrebige Kooperation von Politik und Wirtschaft sind wichtige Elemente für den Erfolg deutscher Unternehmen in der globalisierten Welt

Von Heinrich von Pierer
Die Aufgeschlossenheit der Bundesregierung wie auch vieler Ministerpräsidenten für eine solche Zusammenarbeit habe ich während meiner bald zehn Jahre dauernden Zeit als Vorstandsvorsitzender von Siemens und als Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft (APA) stets empfunden. Und gerade vergangene Woche am Rande des World Economic Forums (WEF) in New York hat ein ausführliches Gespräch zwischen Bundeskanzler Schröder und führenden Vertretern der Wirtschaft dies erneut bestätigt.
Wenn der Bundeskanzler heute, begleitet von einer Wirtschaftsdelegation, nach Lateinamerika reist, dürfte das wiederum für die deutsche Wirtschaft und die vielen exportabhängigen Arbeitsplätze in unserem Land von großem Nutzen sein. Immerhin fällt die Reise in eine Zeit intensiver Diskussionen über innen- und wirtschaftspolitische Fragen der Zukunftsgestaltung in der Region.
Für Lateinamerika insgesamt geht es um grundsätzliche Weichenstellungen zur Zukunft des Mercosur - mit mehr als 220 Millionen Verbrauchern immerhin das drittgrößte Wirtschaftsbündnis der Welt. Schließt es sich der Zielsetzung der USA an, den NAFTA-Raum auf den ganzen amerikanischen Kontinent auszudehnen, oder setzt es eher auf eine eigenständigere Entwicklung mit einer vertieften Zusammenarbeit zwischen Mercosur und Europäischer Union als wichtigem Bestandteil. Die Verhandlungen dauern an. Die Entscheidung, die für die zukünftige wirtschaftliche Zusammenarbeit große Bedeutung hat, ist noch völlig offen.
Deutsche Unternehmen haben in Lateinamerika einen guten Ruf, sind geschätzt und vor Ort präsent. Nicht nur in den Metropolen Brasiliens, Argentiniens und Mexikos begegnet man auf Schritt und Tritt den Firmenschildern deutscher Unternehmen. Wir verdanken diesen Status nicht zuletzt unserer Einstellung, auch in schwierigen Zeiten standzuhalten. Einen Bogen um Problemlagen und kritische Phasen zu machen, war noch nie unsere Maxime. Mit diesen Stärken kann Deutschland einen wichtigen Beitrag zur Zukunft Lateinamerikas leisten.
Negativ wirkt hierbei jedoch, dass Deutschland in den letzten Jahren bei den Direktinvestitionen in der Region leider nur noch eine untergeordnete Rolle spielte. Hier haben sich vor allem unsere EU-Partner Spanien, Frankreich und Italien wesentlich stärker engagiert.
Wirtschaftliche Zusammenarbeit heißt eben nicht nur klassischer Export. Die Devise in der globalisierten Wirtschaft lautet mehr und mehr "Wertschöpfung vor Ort", oder Neudeutsch "local content". Eine Reihe deutscher Unternehmen, vor allem aus der Automobil- und Stahlindustrie, der Chemie und der Elektrotechnik nutzen die Chancen vor Ort seit langem. Sie sind dort mit Forschung, Entwicklung und Produktion etabliert und erfolgreich. Aber sie leiden natürlich auch immer wieder unter krisenhaften Erschütterungen.
Natürlich erfordert lokales Engagement unternehmerischen Mut, gerade für den Mittelstand. Eine solide Finanzkraft sowie profunde Kenntnisse über Standortfaktoren, Markt- und Investitionsbedingungen sind unverzichtbare Voraussetzungen für den Sprung nach Lateinamerika. Ein guter Weg dahin kann auch eine "Huckepack-Strategie" sein. Das heißt, dass kleine und mittlere Unternehmen sich als Lieferanten einem großen deutschen Partner anschließen, etwa in der Automobilindustrie, um so die ersten Wurzeln im Land zu schlagen.
Siemens als multinationales Unternehmen geht beide möglichen Wege. Wir sind sowohl Exporteur nach klassischem deutschen Muster als auch gleichzeitig integraler Bestandteil der lokalen Wirtschaft. Wir sind in allen Ländern Lateinamerikas ein Good Corporate Citizen, und das mit langer Tradition. In Mexiko seit mehr als 100 Jahren, in Brasilien seit 1905, in Argentinien öffnete ein erstes Siemens-Büro 1908.
Wir beschäftigen in Lateinamerika derzeit rund 23.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir erzielen dort einen Umsatz von mehr als vier Milliarden Euro und betreiben beachtliche Wertschöpfung vor Ort.
Doch wirtschaftlicher Erfolg funktioniert niemals losgelöst vom politischen und gesellschaftlichen Umfeld. Die Zusammenarbeit von Politik und Wirtschaft ist daher gerade im Ausland unverzichtbar.
Die Reise des Kanzlers ist daher weit mehr als ein normaler Besuch eines deutschen Regierungschefs bei befreundeten lateinamerikanischen Staaten. Sie ist ein wichtiges Signal für eine erfolgreiche Zukunft der deutschen Wirtschaft in dieser Region.
Heinrich von Pierer ist Vorstandsvorsitzender der Siemens AG, München.

Von Heinrich von Pierer
Die Aufgeschlossenheit der Bundesregierung wie auch vieler Ministerpräsidenten für eine solche Zusammenarbeit habe ich während meiner bald zehn Jahre dauernden Zeit als Vorstandsvorsitzender von Siemens und als Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft (APA) stets empfunden. Und gerade vergangene Woche am Rande des World Economic Forums (WEF) in New York hat ein ausführliches Gespräch zwischen Bundeskanzler Schröder und führenden Vertretern der Wirtschaft dies erneut bestätigt.
Wenn der Bundeskanzler heute, begleitet von einer Wirtschaftsdelegation, nach Lateinamerika reist, dürfte das wiederum für die deutsche Wirtschaft und die vielen exportabhängigen Arbeitsplätze in unserem Land von großem Nutzen sein. Immerhin fällt die Reise in eine Zeit intensiver Diskussionen über innen- und wirtschaftspolitische Fragen der Zukunftsgestaltung in der Region.
Für Lateinamerika insgesamt geht es um grundsätzliche Weichenstellungen zur Zukunft des Mercosur - mit mehr als 220 Millionen Verbrauchern immerhin das drittgrößte Wirtschaftsbündnis der Welt. Schließt es sich der Zielsetzung der USA an, den NAFTA-Raum auf den ganzen amerikanischen Kontinent auszudehnen, oder setzt es eher auf eine eigenständigere Entwicklung mit einer vertieften Zusammenarbeit zwischen Mercosur und Europäischer Union als wichtigem Bestandteil. Die Verhandlungen dauern an. Die Entscheidung, die für die zukünftige wirtschaftliche Zusammenarbeit große Bedeutung hat, ist noch völlig offen.
Deutsche Unternehmen haben in Lateinamerika einen guten Ruf, sind geschätzt und vor Ort präsent. Nicht nur in den Metropolen Brasiliens, Argentiniens und Mexikos begegnet man auf Schritt und Tritt den Firmenschildern deutscher Unternehmen. Wir verdanken diesen Status nicht zuletzt unserer Einstellung, auch in schwierigen Zeiten standzuhalten. Einen Bogen um Problemlagen und kritische Phasen zu machen, war noch nie unsere Maxime. Mit diesen Stärken kann Deutschland einen wichtigen Beitrag zur Zukunft Lateinamerikas leisten.
Negativ wirkt hierbei jedoch, dass Deutschland in den letzten Jahren bei den Direktinvestitionen in der Region leider nur noch eine untergeordnete Rolle spielte. Hier haben sich vor allem unsere EU-Partner Spanien, Frankreich und Italien wesentlich stärker engagiert.
Wirtschaftliche Zusammenarbeit heißt eben nicht nur klassischer Export. Die Devise in der globalisierten Wirtschaft lautet mehr und mehr "Wertschöpfung vor Ort", oder Neudeutsch "local content". Eine Reihe deutscher Unternehmen, vor allem aus der Automobil- und Stahlindustrie, der Chemie und der Elektrotechnik nutzen die Chancen vor Ort seit langem. Sie sind dort mit Forschung, Entwicklung und Produktion etabliert und erfolgreich. Aber sie leiden natürlich auch immer wieder unter krisenhaften Erschütterungen.
Natürlich erfordert lokales Engagement unternehmerischen Mut, gerade für den Mittelstand. Eine solide Finanzkraft sowie profunde Kenntnisse über Standortfaktoren, Markt- und Investitionsbedingungen sind unverzichtbare Voraussetzungen für den Sprung nach Lateinamerika. Ein guter Weg dahin kann auch eine "Huckepack-Strategie" sein. Das heißt, dass kleine und mittlere Unternehmen sich als Lieferanten einem großen deutschen Partner anschließen, etwa in der Automobilindustrie, um so die ersten Wurzeln im Land zu schlagen.
Siemens als multinationales Unternehmen geht beide möglichen Wege. Wir sind sowohl Exporteur nach klassischem deutschen Muster als auch gleichzeitig integraler Bestandteil der lokalen Wirtschaft. Wir sind in allen Ländern Lateinamerikas ein Good Corporate Citizen, und das mit langer Tradition. In Mexiko seit mehr als 100 Jahren, in Brasilien seit 1905, in Argentinien öffnete ein erstes Siemens-Büro 1908.
Wir beschäftigen in Lateinamerika derzeit rund 23.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir erzielen dort einen Umsatz von mehr als vier Milliarden Euro und betreiben beachtliche Wertschöpfung vor Ort.
Doch wirtschaftlicher Erfolg funktioniert niemals losgelöst vom politischen und gesellschaftlichen Umfeld. Die Zusammenarbeit von Politik und Wirtschaft ist daher gerade im Ausland unverzichtbar.
Die Reise des Kanzlers ist daher weit mehr als ein normaler Besuch eines deutschen Regierungschefs bei befreundeten lateinamerikanischen Staaten. Sie ist ein wichtiges Signal für eine erfolgreiche Zukunft der deutschen Wirtschaft in dieser Region.
Heinrich von Pierer ist Vorstandsvorsitzender der Siemens AG, München.