Kamps verfehlt eigene Gewinn-Prognose FTD vom 8.2.


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Kamps verfehlt eigene Gewinn-Prognose FTD vom 8.2.

 
07.02.01 21:23
Aus der FTD vom 8.2.2001 www.ftd.de/kamps
Kamps verfehlt eigene Gewinn-Prognose
Von Kirsten Bialdiga, Düsseldorf

Mit einem enttäuschenden Jahresergebnis 2000 und einer verhaltenen Prognose hat Europas größte Bäckereikette Kamps Anleger und Analysten überrascht.

Der Gewinn je Aktie von 1,62 DM verfehlte die Prognose vom November deutlich. Damals hatte Vorstandschef Heiner Kamps noch 1,71 DM je Aktie vorhergesagt. Auch der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) blieb nach vorläufigen Zahlen mit etwas über 200 Mio. DM unter den Erwartungen vieler Analysten, die überwiegend mit 210 bis 220 Mio. DM gerechnet hatten. In diesem Jahr erwartet Kamps zwar ein Umsatz-Plus von mehr als 20 Prozent und eine überproportionale Ebit-Steigerung. Dabei schlägt allerdings der Kauf des französischen Toast- und SB-Warenherstellers Harry’s zu Buche, der 2001 erstmals voll konsolidiert wird.

Die Börse reagierte am Mittwoch prompt: Der Kurs der im MDax notierten Aktie stürzte um mehr als 17 Prozent auf 14,15 Euro ab. Die Investmentbank Merrill Lynch stufte das Papier wegen der bescheidenen Aussichten für 2001 von "Kauf" auf "Neutral" zurück, HSBC Trinkaus & Burkhardt sogar um zwei Stufen, von "Aufstocken" auf "Reduzieren". Ein Kamps-Firmensprecher betonte indes, dass die 20-Prozent-Prognose nur die untere Grenze der Erwartungen für 2001 markiere.



Kritischer Punkt


Die veröffentlichten Zahlen unterstreichen, dass Kamps an einem kritischen Punkt seiner Wachstumsstrategie durch große Zukäufe angelangt ist. Seit ihrem Börsengang im Frühjahr 1998 hat die Kette weit mehr als 2 Mrd. DM Umsatz zugekauft. Binnen drei Jahren schnellte der Umsatz von 0,44 auf 3,2 Mrd. DM im vorigen Jahr hoch - allein gegenüber 1999 ein Plus von 290 Prozent. Zum Unternehmenswachstum aus eigener Kraft macht Kamps derzeit keine Angaben - nur so viel: Die Handwerksbäckereien legten 2000 um rund vier Prozent zu. Sie machen aber nur noch gut ein Viertel des Konzern-Umsatzes aus, das Gros stammt aus dem SB-Bereich. Analysten schätzen das konzernweite interne Wachstum nur auf zwei bis drei Prozent, der Rest stammt aus Akquisitionen.


Nach Einschätzung von Marktbeobachtern lassen sich die großen Zukäufe nicht so schnell integrieren wie geplant - auch wenn Kamps selbst das Gegenteil behauptet. "Das Unternehmen hat unterschätzt, wie schwierig in einigen Fällen die Synergien zu heben sind", sagt Analyst Burkhard Sawazki von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Zum Beispiel in der Logistik. Dort müsse der Bäcker bei der Schließung von Produktionsstätten berücksichtigen, dass die Frische der Backwaren trotz weiterer Anfahrten nicht leide.


Auch in der Bilanz werden die Großeinkäufe künftig deutlichere Spuren hinterlassen. Denn im vergangenen Jahr flossen die Zahlen von Harry’s nur für drei Monate in die Konzernrechnung ein. Für den französischen Hersteller von Frühstücks-Backwaren zahlt Kamps insgesamt rund 900 Mio. DM. Wenn Harry’s in diesem Jahr erstmals voll konsolidiert ist, werden Zinsaufwand und Goodwill-Abschreibungen deutlich steigen. "Kamps könnte eine Kapitalerhöhung gut gebrauchen, ansonsten drohen spätestens 2003 ungesunde Bilanz-Relationen", sagt DG-Bank-Analyst Christian Bruns. Doch beim derzeitigen Aktienkurs ist an eine Beschaffung von Kapital über die Börse kaum zu denken.


Für Kursfantasie hatte lange Zeit das "Bakerstreet-Konzept" gesorgt. Danach plante der Düsseldorfer Bäcker den Verkauf von Backwaren an Tankstellen in mehreren europäischen Ländern. 1000 bis 2000 Shops sollten früheren Angaben zufolge in den nächsten Jahren an Tankstellen, aber auch an Bahnhöfen und Flughäfen entstehen. Doch der bereits für das erste Halbjahr 2000 angekündigte Start lässt auf sich warten, die Verhandlungen mit Mineralölgesellschaften ziehen sich hin. Nun sollen die ersten Shops in Deutschland offenbar im ersten Quartal eröffnen. Doch Kamps tastet sich nur noch vorsichtig an diesen Markt heran: Fünf bis zehn Bakerstreet-Shops sind nun das vorläufige Ziel.



© 2001 Financial Times Deutschland

gruß
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