Wirtschaftskrimi
Chinesische Tochterfirma von Grohe ist pleite
Der chinesische Tochterbetrieb Joyou ist nach einem Bilanzskandal pleite. Die Geschäftsführung teilt mit: Es gibt keine Folgen für den Standort Lahr. Was steckt dahinter?
Die bewegte Geschichte des Badezimmerausstatters Grohe ist um einen Wirtschaftskrimi reicher. Zum Konzern zählt nicht nur ein Werk samt 700 Beschäftigten in Lahr, sondern auch eine chinesische Tochterfirma. Diese wird von einem Bilanzskandal erschüttert und hat nun Insolvenz beantragt. Die Chefs bei Grohe lassen mitteilen: Im südbadischen Werk muss trotz allem niemand um seinen Job bangen.
Europas größter Hersteller von Duschbrausen und Wasserhähnen fürs Badezimmer kommt nicht zur Ruhe. Dreimal hatte das Unternehmen innerhalb von anderthalb Jahrzehnten den Eigentümer gewechselt. Unter der Führung von Finanzinvestoren erlebten die Beschäftigten Jobabbau und Werkschließungen; das Unternehmen nahm derweil einen wirtschaftlichen Aufschwung. 2013 kaufte der japanische Lixil-Konzern Grohe. Die folgende Ruhe war nicht von Dauer.
Joyou ging an die Börse
Vor einigen Jahren hatte Grohe den chinesischen Badezimmerausstatter Joyou übernommen – und sich damit ein Problem eingekauft, wie sich nun herausstellt. Während unter der Marke Grohe Badarmaturen made in Germany hohe Preise erzielen, produziert Joyou die Billiglinie für weniger zahlungskräftige Kunden. 2010 ging Joyou an die Frankfurter Börse.
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Seit Ende April kommt scheibchenweise ein Bilanzskandal bei Joyou ans Licht. Ein Sprecher der PR-Agentur Hering Schuppener, die für Grohe-Chef David Haines spricht, sagte der BZ: Seit Mitte April lägen dem Aufsichtsrat von Joyou Hinweise darauf vor, dass die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage bei Joyou in der Vergangenheit unzutreffend dargestellt worden sein könnte.
An den Büchern vorbeigearbeitet
Am 27. April machte das der Aufsichtsrat öffentlich. Seitdem läuft eine Sonderprüfung bei Joyou, an der mehr als 40 Wirtschaftsprüfer und Anwälte internationaler Kanzleien beteiligt sind. Was sie ans Tagelicht brachten, ist brisant. Aus Konzernkreisen heißt es, Vorstandsmitglieder von Joyou hätten mitunter "komplett an den Büchern vorbeigearbeitet". Am Freitag beantragte die Joyou AG beim Amtsgericht Hamburg Insolvenz. Grund: Überschuldung. Eine Aktie kostete in Spitzenzeiten mehr als 16 Euro, am Freitag noch 36 Cent.
Das Firmengeflecht von Grohe ist kompliziert. Vereinfacht gesagt steht unterm Dach der japanischen Mutter Lixil die Grohe Group Sàrl in Luxemburg. Deren Vorstandschef ist David Haines. Eine Ebene darunter finden sich die Grohe AG in Düsseldorf und die Hamburger Joyou AG. In beiden sitzt Haines im Aufsichtsrat. Zur Grohe AG gehört das Werk in Lahr. Die deutsche Joyou AG ist nur ein Dach. Diese Holding hat weder eine Belegschaft noch Fabriken, aber das Geld der Aktionäre eingesammelt.
Was wird aus den 3300 Mitarbeitern?
Unter ihrem Dach stehen die chinesischen Tochterfirmen, die das eigentliche Geschäft betreiben. Pleite ist nun die deutsche Holding. Was aus den chinesischen Firmenteilen und den 3300 Mitarbeitern dort wird, ist unklar. Was mögliche finanzielle Folgen für die Grohe Group Sàrl angeht, verwies der Sprecher auf die Finanzkraft der japanischen Lixil-Gruppe. Sie setzt umgerechnet mehr als zehn Milliarden Euro im Jahr um.
Die Joyou-Holding hatte dem Sprecher von Haines zufolge ein Grundkapital von 24 Millionen Dollar. Sie war an einer Firma in Hongkong beteiligt. Diese Beteiligung musste sie abschreiben. Schlimmer noch – die Joyou AG hatte für die Firma in Hongkong Garantien für ein Bankdarlehen in Höhe von 300 Millionen Dollar gegeben. Die Kreditgeber zogen nun diese Garantien, weshalb das Grundkapital von Joyou aufgezehrt wird. Es folgte die Pleite.
Der Sprecher im Auftrag Grohes sagte: "Die Grohe AG, zu der das Werk in Lahr zählt, ist unabhängig finanziert. Der Insolvenzantrag der Joyou AG hat keinerlei Folgen für die Grohe AG oder für Lahr." Bei Joyou gab es personelle Konsequenzen. Die Vorstände Jianshe Cai und Jilin Cai seien abberufen worden. Ihnen drohten "umfassende rechtliche Schritte".
Firma sieht keinen Imageschaden
Der Sprecher sagte: "Einen Imageschaden für die Marke Grohe sehe ich nicht. Es gibt keine Querverbindungen." Personelle Verbindungen gibt es jedoch durch Haines. Er sitzt im Aufsichtsrat von Joyou. Es ist die Aufgabe des Aufsichtsrats, die Arbeit des Vorstands zu kontrollieren. Haines wird sich die Frage gefallen lassen müssen, ob er die Unregelmäßigkeiten nicht früher hätte erkennen können.
Aktionärsschützer betrachten die Vorgänge bei Joyou nicht als einzigartig. "Es gibt mehrere Fälle, bei denen eine in Deutschland ansässige Holding, die den Zweck hat, Kapital nach China weiterzureichen, in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist", sagte Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) der BZ. Anleger, die in China investieren wollen, sollten von solchen Konstrukten die Finger lassen. "Wer in China investieren will, greift lieber zu einem entsprechenden Fonds."
www.badische-zeitung.de/lahr/...ohe-ist-pleite--105233977.html