Ich bin ja nicht bei Jinko drin, aber desaströs würde ich die Zahlen nicht bezeichnen. Gut sind sie aber auch nicht.
Jinko hat sogar ihre Finanzschulden in Q1 um 30 Mio. $ senken können. Das zeigt, dass die Cash Flow-Generierung in Q1 gut war. Gegenüber der Konkurrenz sogar sehr gut. Auch die sau billigen Produktionskosten mit 0,74 $/W sind gut und damit konnte Jinko ihre Produktionskosten von Q4 zu Q1 um satte 19% senken. Damit ist Jinko Kostenführer. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass Jinko eine Inhouse Bruttomarge von 10,8% ausweist. Nur muss jetzt Jinko langsam aber sicher diese Inhouse Bruttomarge auch in die "richtige" Bruttomarge transformieren können, dann wird das hier schon noch was.
Die hohe Differenz zwischen Bruttomarge und Inhouse Bruttomarge zeigt aber, dass Jinko wohl mit langfristigen, unrentablen Zell- und Waferverträge rum kämpft. Mal sehen ob Jinko beim Conference Call irgendetwas darüber sagen wird, denn das ist wohl der Dreh- und Angelpunkt für Jinko. Das Problem muss Jinko jedenfalls schnellstens lösen.
Die Finanzschulden sind aber mal sicher ein Problem von Jinko, denn betragen immerhin 473 Mio. $. Bin mal gespannt wie Jinko vor allem die kurzfristigen Finanzverbindlichkeiten von 447 Mio. $ refinanzieren wird.
Wenn ich mal die negative Sondereffekte raus nehme beim EBIT (24 Mio. €), dann hat Jinko nur noch ein negatives EBIT von 25 Mio. $ und damit wird Jinko wohl spätestens in Q3 operativ Gewinne ausweisen. Zumal ja Jinko im 2.Halbjahr noch 100 bis 150 MW in China an Projekten umsetzen wird und die sind sehr margenstark mit einer Bruttomarge von 20%. Da werden alleine schon Bruttogewinne von 35 bis 55 Mio. $ raus schauen.
Schaut man sich die Q1-Zahlen mal detailiert an, dann ist Jinko durchaus ein hoch interessanter Turn Around Kandidat, denn die Kostenstruktur von Jinko ist meiner Einschätzung die beste was die Solarbranche zu bieten hat. Das Risiko sehe ich hier bei der Refinanzierung der kurzfristigen Schulden. Sollte Jinko das über eine Bank regeln können, dann wäre das für die Aktionäre das absolut Beste.
Ich finde den Ausblick für Q2 zwar nicht so gut, aber schlecht ist ein Modulabsatz zwischen 200 bis 240 MW nun nicht gerade. Das ist immerhin ein Plus gegenüber Q1 von 43 MW (+ 27%) bzw. 83 MW (+ 52%). Denke mal solche Wachstumsraten können sich doch sehen lassen. Sollte Jinko 240 MW Modulabsatz in Q2 erreichen, dann reden wir immerhin von einem Umsatzplus von 68 Mio. $ gegenüber Q1. Preisbereinigt (Modulverkaufspreisrückgang von 8% gegenüber Q1) würde in Q2 ein Umsatz von etwa 210 Mio. $ raus kommen.
Jinko ist und bleibt hoch volatil. Hat man ja die letzten Tage gesehen. In den letzten 4 Börsentage gab es ein sattes Plus von 20%. Ob das Q1-Ergebnis aber gut genug ist um die 38-Tageslinie bei knapp 4,60 $ überwinden zu können, das glaube ich nicht, obwohl ich der Meinung bin, dass das Q1-Ergbnis auf dem 2.Blick gar nicht so schlecht ist, wenn man es mit der Konkurrenz vergleicht.