Die zwei großen taiwanesischen Zellhersteller NeoSolar und Gintech haben heute drastische Umsatzrückgänge im August vermeldet. Bei NeoSolar lag der Augustumsatz nur noch bei 20 Mio. $. Das ist ein Umsatzrückgang zum Juli von sage und schreibe 51% und einen solch niedrigen Monatsumsatz hatte NeoSolar das letzte Mal im Dezember 2011. Gintech hat heute auch ihren niedrigsten Monatsumsatz seit 2012 gemeldet mit 19,2 Mio. $. Damit ging der Augustumsatz gg. Juli um weitere 29% zurück nach dem der Umsatz schon im Juli um 41% gg. dem Juni eingebrochen war.
Hier die Links dazu:
www.pv-tech.org/news/...lar-powers-august-sales-collapse-51.65
www.pv-tech.org/news/...-further-28.7-in-august-to-record-lows
Ich denke mal ab jetzt geht es richtig rund bei Solar, denn die relativ schwache Nachfrage trifft nun auch die recht guten Solarunternehmen. Erschreckend ist auch weiterhin die Preisentwicklung bei den Zellen, denn da geht es immer noch weiter runter. Mittlerweile liegen die Zellpreise in China und Taiwan bei fast unglaublichen 0,20 $/W. Sviel haben vor ein paar Wochen noch die Wafer gekostet !! Das ist ein Preisrückgang bei den Zellen seit Ende Juni von rd. 30% und auf Jahresbasis von 40%. Auch die Modulpreise purzeln richtig runter seit Anfang Juli um über 10% in den USA und in Japan sogar noch etwas mehr, da dort nun auch die Tier 2 und Tier 3-Chinesen unterwegs sind. In China sind sie die Modulpreise seit Ende Juli um rd. 20% rückläufig. Auch in der EU kommt es nun zu einem deutlichen Preisverfall wie ja erst REC Solar Anfang dieser Woche angemerkt hat. REC Solar verkauft etwa 300 MW im Jahr mit einem Marktanteil von ca. 5% in der EU. Zitat REC Solar:
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Aber auch in Europa herrscht derzeit ein großer Preiskampf, in dem die führenden chinesischen Tier-1-Hersteller kräftig mitmischen, etwa Jinko Solar, Canadian Solar und Trina Solar. Die chinesischen Hersteller haben sich ja mittlerweile auf die Anti-Dumpingmaßnahmen eingestellt und produzieren auch außerhalb Chinas. Der Mindestimportpreis von 56 Cent pro Watt – sofern er noch auf dieser Höhe liegt, was man ja nicht genau weiß – spiegelt die realen Preise daher nicht mehr adäquat wider. Selbst Solarworld als Initiator der Anti-Dumping-Maßnahmen sieht sich zu unserer Überraschung gezwungen, mitzumachen und unter diesem Preis am Markt zu agieren.
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Es wundert darum auch nicht, dass z.B. Jinko Solar in dieser Woche aus der EU Mindestpreisregelung ausgetreten ist und nun ihre Module aus der 1,5 GW großen Malaysia-Produktion in der EU verkauft zu Preisen die mit Sicherheit 30% unter dem bis jetzt noch gültigen EU-Mindestpreis liegt.
Nun beginnt also auch der Preiskampf im bis jetzt sehr hochpreisigen EU-Solarmarkt. In den USA hat der Preiskampf eh schon etwas früher begonnen weil viele Chinesen wie z.B. Jinko Solar, Trina Solar oder Talesun große Fertigungen außerhalb Chinas gebaut haben und mittlerweile auch in Betrieb sind. Mit diesen außerchinesischen Fertigungen (Malaysia, Thaliand, Vietnam) können die Chinesen die US-Strafzölle aber auch die EU-Mindestpreisregelung ganz legal umgehen.
Man braucht sich bei dieser teilweise katastrophalen Preissituation sicher nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen, aber spätestens in Q4 werden alle produzierenden Zell/Modulhersteller rote Zahlen schreiben. Selbst die bis jetzt hochprofitable Jinko.
Bei Solarworld stelle ich mir nur die Frage landen die bei einem Nettoverlust noch von unter 100 Mio. € oder über 100 Mio. € in diesem Jahr. Denke aber, dass eher über 100 Mio. € an Verlust raus kommen wird, denn im 1. Halbjahr hatte Solarworld ja schon einen Nettoverlust von 23 Mio. € und da war die Solarwelt noch fast völlig in Ordnung. Vor allem für Solarworld weil die Preise in den USA und der EU doch recht stabil und vor allem sehr hoch waren und jetzt gehen sie rasant schnell nach unten. In den USA um 10% alleine in den letzten 2 Monaten (von 0,58 $/W auf 0,53 $/W und bis Ende September werden Preise unter 0,50 $/W erwartet) und in der EU um über 20%. Das Kernproblem für Solarworld ist nun, dass sie im Prinzip keinen Welpenschutz mehr haben durch Strafzölle oder von Mindestpreisen. Von nun an muss sich Solarworld wieder völlig bzw. fast völlig den Marktbedingungen stellen und das wird wohl mehr als knüppelhart werden.
Hier das ausführliche und recht interessante Interview mit dem REC Solar-Vertriebschef Luc Grare, der die aktuelle Branchensituation so einschätzt: "Die Situation jetzt erinnert an die Lage 2009 und 2012. Nur sehen wir diesmal noch schnellere Preiszyklen, die zu Preissenkungen entlang der kompletten Lieferkette führen. Die Hersteller scheinen dabei aus der Situation von 2012 gelernt zu haben und wollen hohe Lagerstände vermeiden. Es bleibt nur zu hoffen, dass dadurch auch wieder schneller eine Stabilisierung erreicht wird."
www.pv-magazine.de/nachrichten/details/...e-bringen_100024245/
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