So wie ich das einschätze hat die richtig miese Kursentwicklung der Solaraktien nichts mit der Ausgliederung von Solarkraftwerken zu tun. Siehe Solar Edge z.B.. Sondern zum einen von der riesen SunEdison-Pleite (der dortige Insolvenzverwalter hat offenbar ganz große Probleme viele Projekte von SunEdison überhaupt verkaufen zu können - Interesse scheint nicht allzu groß zu sein) und zum anderen seit ein paar Wochen von der Wafer/Zell- und Modulpreisentwicklung, denn die sind wirklich eine reine Katastrophe.
Aber mal kurz zu einer eventuellen Ausgliederung der Solarkraftwerke. Ich bin übrigens zu 90% davon überzeugt, dass zumindest der Großteil der Jinko Solarkraftwerke im Herbst/Ende des Jahres ausgegliedert werden oder in einem Bundel über einen oder zwei Green Bonds direkt an die Börse gebracht werden. Jedenfalls wurde durch die Maßnahme im Mai, dass die chinesischen Energieversorger rd. 75% des erzeugten Solarstroms mindestens abnehmen/bezahlen müssen deutlich aufgewertet. Jinko hat z.B. zwei größere Solarkraftwerke wo von Oktober bis März überhaupt kein Solarstrom abgenommen wird, weil das Stromnetz durch den Kohlestrom in dieser Zeit aufgrund der dortigen Heizperiode voll ist.
Aber diese Ausgliederung an und für sich ist ja nicht das Wichtigste, sondern was dabei für Jinko am Ende raus schaut. Sprich welche stille Reserven können denn wirklich gehoben werden mit den Solarkraftwerken. Wir reden hier mit Sicherheit von über 200 Mio. $. Also kein Pappenstiel. Das ist für die Jinko Aktionäre wohl zunächst mal das Wichtigste. Übrigens Goldwind hat z.B. schon seit zig Jahren einige Windparks im Eigenbestand und die Kapazitäten liegen mittlerweile bei satten 2 GW, aber Goldwind denkt überhaupt nicht daran die zu verkaufen. So lange die Projektfinanzierer hier kein Problem haben, so lange hat Jinko auch kein Problem. Zumal ja die Projektkredite ohnehin abgesichert sind durch die Solarkraftwerke (Jinko hat je Solarkraftwerk einen Eigenkapitalanteil zwischen 22 bis 30%) und damit durch den Stromverkauf somit hat die Projektfinanzierung mit dem operativen Geschäft von Jinko eigentlich überhaupt nichts am Hut.
Über die Schulden von Jinko mache ich mir echt keine Gedanken, denn ohne die Finanzverbindlichkeiten auf die Solarkraftwerke, die ja ohnehin rein bezogen auf einzelne Projekte sind (Ende Q1 bei 865 Mio. $) hätte Jinko nur eine Nettofinanzverschuldung von 406 Mio. $ und hier sind die stillen Reserven aus eventuellen Solarkraftwerksverkäufen nicht mir drin. Mit diesen Schulden kann Jinko leicht und locker leben.
Schaut man sich die Wafer/Zell- und Modulpreisentwicklung der letzten 4, 5 Wochen an, dann muss einem echt Angst und Bange werden. Die Waferpreise für Multi-Wafer sind seit Anfang Mai um 0,10 $/Stk. bzw. 12% auf 0,76 $/Stck. quasi eingebrochen. In dieser Woche sind die Zellpreise in China und Taiwan auf 0,26 $/W gefallen. Anfang des Jahres lag er noch bei 0,335 $/W. Also ein Preisrückgang innerhalb 7 Monaten von 22%. Da zu diesen Zellpreisen nach Versand/Verschiffung kaum noch was verdient werden kann fahren nun einige ihre Produktionen (sehr) deutlich zurück. In China ist in dieser Woche der Modulpreis auf 0,475 $/W gefallen. Vor 3 Wochen lag er noch bei 0,50 $/W. Damit ist der Modulpreis in China in gerade mal 3 Wochen um 5% eingebrochen und es ist ja jetzt schon abzusehen, dass im August der Modulpreis in China wohl bei um die 0,45 $/W liegen wird. Hier der Link dazu:
pv.energytrend.com/price/..._Solar_Chain_Reach_New_Depths.html
Ich habs ja mal vor 2, 3 Wochen schon geschrieben ich gehe davon aus dass mit großer Sicherheit im Herbst der Startschuss zum endgültigen Solar Shake Out kommen wird. Da die Preiseentwicklung jetzt aber sogar noch miserabler ist wie ich gedacht/eingeschätzt habe sage ich der Solar Shake Out wird zu 100% sehr bald kommen. Eine solche katastrophale Preisentwicklung in einem solch kurzem Zeitraum gab es meines Erachtens bei Solar noch nie. Mittel bis langfristig ist das mit Sicherheit für Jinko ein ganz klares Plus, aber kurzfristig wird es auch bei Jinko natürlich schwierig.
Die Q2-Zahlen von Jinko werden sicher noch absolut top sein, da die Preisentwicklung in Q2 noch recht gut war (in China ging z.B der Modulpreis in Q2 gerade mal um 0,02 $/W von Anfang Q2 bis Ende Q2 zurück - also ein Q2-Durchschnittspreis von um die 0,51 $/W in China), aber schon Q3 wird richtig schwierig (wohl ein Durchschnittsmodulpreis in China von nur noch 0,46 $/W = -10% zu Q2) und so wie man die Lage derzeit einschätzen kann wird Jinko in Q4 sogar Schwierigkeiten haben schwarze Zahlen zu bringen, denn in Q4 werden dann auch noch die hochprofitablen Solarstromumsätze deutlich rückläufig sein.
Ich finde eigentlich bei dieser wirklich richtig miesen Preisentwicklung inkl. einer wohl eher verhaltenen Nachfrage die Kursentwicklung von Jinko noch gar nicht mal so übel. Andere Solaraktien wie Canadian, JA Solar, Trina Solar oder Sunpower hatten vor 3 Wochen sogar 3 Jahrestiefs. Man muss ja dabei auch sehen, dass die Nachfrage im laufenden 2. Hj. wohl nicht viel höher sein wird wie im 2. Hj. 2015 (1. Hj. 2016 war super klasse mit ca. 30 GW an Solarinstallationen/2. Hj. 2016 wohl so ca. 32 bis 34 GW), aber in diesem Zeitraum wurden etwa 15 GW an neuen Zellfertigungskapazitäten und ca. 20 GW an neuen Modulfertigungskapazitäten aufgebaut und weitere rd. 3 bis 5 GW werden noch bis Ende des Jahres dazu kommen. Einzig die chinesische Regierung mit einem neu aufgelegten Solarprogramm kann die katastrophale Preisentwicklung noch einigermaßen aufhalten meiner Einschätzung nach..
Mal eine hoch interessante fast unglaubliche Zahl aus China. Im 1. Halbjahr wurden in China sage und schreibe 22,4 GW an Solarkraftwerkskapazitäten ans Stromnetz angeschlossen:
pv.energytrend.com/news/..._June_Estimated_to_Exceed_10GW.html