Taktueriker81 das Problem bei den Jinko-Zahlen sind die sehr vielen und teilweise auch hohen Sondereffekte, die vor allem regelmäßig im Finanzergebnis enthalten sind und auf das EPS eine nicht unerhebliche Auswirkung hat:
- Zeitbewertung der Wandelanleihe (Plus 10,3 Mio. $ in 2014)
- Währungsgewinne/verluste (Minus 23,7 Mio. $ in 2014)
- Abschreibungen bzw. Rückstellungen auf Kundenkredite (rd. 10 Mio. $ Minus in 2014)
- Steuerquote aufgrund der Einbringung der Verlustvorträge
Wenn man diese Effekte nicht deuten oder verstehen kann und dann die Zahlen im Gesamten nicht sauber analysiert, dann hat man definitiv ein Problem. Genau deshalb kam es ja im letzten Jahr eigentlich immer nach Jinko Zahlenbekanntgabe zu recht deutlichen Kursabschlägen. So wurden z.B. die Q1-Zahlen 2014 erheblich durch die neue Wandelanleihe im Finanzergebnis belastet, weil der Yuan gg. dem US-Dollar im Zeitraum der Herausgabe der Wandelanleihe um 5% nachgegeben hat. Das war damals ein negativer Effekt von rd. 20 Mio. $ bzw. beim EPS von 0,64 $. Die Börse war ja damals zunächst fast geschockt und hat rd. 6 Std. gebraucht bis sie es kapiert hat, dass dieser Effekt eigentlich nichts zu sagen hat und rein bilanzieller Natrur war und dass die Q1-Zahlen mit einer Bruttomarge von 24% und einer EBIT-Marge von 10,1%, bereinigt lag sie sogar bei 11%, hervorragend waren ohne diesen nicht liquiditätswirksamen Effekt.
Viele schauen halt nur auf den Nettogewinn bzw. dem EPS und da kommt man halt bei Jinko meist nicht allzu weit wegen diesen Sondereffkten. Jinko hat einfach sehr viele Sondereffekte und der größte regelmäßige Sondereffekt ist die quartalsmäßige Zeitwertsbestimmung der Wandelanleihe und dazu gibt es zu den Anleihen noch das Sicherungsinstrument der Capped-Call-Optionen, die als Sicherheit für die Wandelanleiheninhaber dient. Hier mal dieser Effekt im letzten Jahr pro Quartal:
- Q1: + 4,3 Mio. $ (EPS: + 0,14 $)
- Q2: - 2,9 Mio. $ (EPS: - 0,09 $)
- Q3: - 4,1 Mio. $ (EPS: - 0,13 $)
- Q4: + 12,9 Mio. $ (EPS: - 0,42 $)
Umso stärker sich der Kurs von Anfang Quartal zu Ende Quartal bewegt umso größer sind diese Auswirkungen. In Q4 gab es durch den deutlich gesunken Aktienkurs einen positiven Effekt von sage und schreibe 13 Mio. $ und in diesem Q1 wird es wohl genau anderes rum laufen und es dürfte wohl ein negativer Sondereffekt von um die 12 Mio. $ rausschauen (Q4 Kurs um 6 $ gefallen/Q1 Kurs um 6 $ gestiegen). Mit dem eigentlichen Jinko-Geschäft hat das gar nichts zu tun und liquiditätswirksam ist die Zeitwertsbestimmung der 2011er Wandelanleihe auch nicht, aber der belastet bei großen Kursauschlägen innerhalb des berichteten Quartals die Jinko-Quartalszahlen enorm.
Ich schaue eigentlich zuerst immer auf die Brutto- und EBIT-Marge und dann kann ich ganz flott erkennen ob die Zahlen gut oder schlecht sind und damit bin ich bis jetzt immer sehr gut gefahren.
Jedoch wird es immer schwieriger die Jinko-Zahlen einzuschätzen. Vor 2 Jahren war das noch recht einfach. Man nehme den geschätzten Quartalsmodulverkaufspreis und die geschätzten Fertigungskosten (da liefert ja Jinko in den Conference Call immer gute Infos dazu) und schon hat man die Bruttomarge und damit auch fast schon die EBIT-Marge. Das geht heute so nicht mehr aufgrund der Strafzölle und weil es mittlerweile rd. 35 Länder gibt mit einer jährlichen Nachfrage über 100 MW und überall sind die Preise anders. Es wurde z.B. hier im Thread nicht großartig darauf eingegangen warum Jinko in Q4 eine sehr gute Bruttomarge mit 22,8% abgeliefert hat (zu Q3 + 2,2%). Sicher waren dafür auch die steigende Modulpreise in China mitbeteiligt (von 0,55 auf 0,58 $/W), aber auch die EU-Mindestpreise, denn der Jinko Europa Q4-Absatzanteil lag bei sehr hohen 28%. Jinko fährt in der EU zweigleisig, man arbeitet mit der Mindestpreisvereinbarung, aber man umgeht auch diese EU-Regelung ganz legal in dem man Wafer/Zellen in Taiwan einkauft und in Portugal werden dann die Module zusammengebaut. Seit die US-Strafzölle auch für die Taiwanesen gelten sind deren Zellpreise deutlich gefallen um über 20% und das hilft Jinko ungemein bei dieser EU-Strategie und hatte in Q4 dann durch den hohen Absatzanteil einen recht großen positiven Effekt bei der Q4-Bruttomarge.
Das ganze wird aber noch komplexer. So wird Jinko ihre Modulfertigungskapazitäten in diesem Jahr auf 4 GW erhöhen, aber die Zell- wie auch der Waferfertigungskapazitäten werden nicht mitgezogen und es entsteht eine Differenz von 1,5 GW (im letzten Jahr waren es nur 0,6 GW). Das heißt dann, sobald Jinko voll ausgelastet ist wird die Diskrepanz Inhouse-Fertigungskosten zu den tatsächlichen Fertigungskosten mit Zukauf Wafer und/oder Zellen wohl immer größer (in Q4 lag die Inhouse Bruttomarge bei 24,3% und die tatsächliche Modulbruttomarge bei 21,9%) , denn logischerweise werden die Produktionskosten wenn man Zellen und/oder Wafer dazu kauft höher, denn GCL Poly als Jinko-Waferproduzent will ja auch damit Geld verdienen. Demnächst kommt dann noch die neue Malaysiaproduktion dazu und dann wirds noch schwieriger das ganze ab/einzuschätzen.
Auf der anderen Seite ist hochinteressant wie sich Jinko so weiter entwickelt in kleinen bzw. auch manchmal großen Schritten neben dem Ausbau des Projektgeschäftes. Mit der Südafrikaproduktion ist man für Projektierer interessant wegen der dortigen Local Content-Regelung, mit der Portugalproduktion wird teilwiese der EU-Mindestpreis wie auch die vorgeschriebene Absatzmenge legal umgangen und mit der neuen Malaysiaproduktion werden die US-Strafzöllen legal umgangen und zugleich steigt Jinko mit der Malaysiaproduktion in die hocheffiziente PERC-Zelltechnologie ein (Passivated Emitter Rear Cell) und hat zugleich eine Kooperationsvereinbarung mit DuPont abgeschlossen zur Weiterentwicklung der DuPont PERC-Metallisierungspaste "Solamet PV19x". Sobald die Malaysiaproduktion voll und planmäßig läuft wird Jinko in China einige ihrer bestehenden Zellfertigungslinien upgraden auf PERC. Mit PERC ist ein Zellwirkungsgrad für multikristalline Zellen in der Massenproduktion von > 19,5% möglich. Aktuell liegt der Jinko Durchschnitts Multi-Zellwirkungsgrad in ihrer Produktion bei recht guten 18,2%.
So wie es aussieht wird Jinko in diesem Jahr auch bei den monokristallinen Module versuchen auf einen signifikanten Absatz zu kommen. Bis jetzt ist da auch fast tote Hose angesagt gewesen. Jedenfalls konnte Jinko im letzten Jahr den Zellwirkungsgrad ihrer monokristallinen Zellen enorm steigern von 18,6 auf 19,6%. Seit 2012 stagnierte bei Jinko der Wirkungsgrad ihrer Mono-Zellen bis Mitte 2014, denn eigentlich hat Jinko in den letzten Jahren nur ihre multikristalline Eagle-Produktreihe verkauft die dann vor etwas über einem Jahr auf 72 Zell-Module erweitert wurde.
Von der technologischen Seite her war bei Jinko noch nie so viel Dampf dahinter wie zur Zeit und das sieht man auch bei den Entwicklungskosten, denn die wurden im letzten Jahr um 63% auf 17 Mio. $ gesteigert. Hatte Jinko Ende 2013 87 Patentrechte und weitere 89 waren in Bearbeitung so waren es Ende 2014 130 respektive 156.
Es tut sich also auch abseits der Zahlen bei Jinko richtig viel und da könnte dann die eine oder andere Überraschung durchaus kommen, die dann auch auf die Zahlen einen positiven Einfluss haben.