Jetzt kommt der wahre Teuro!


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calexa:

Jetzt kommt der wahre Teuro!

 
17.01.03 14:59
Mit bedenklicher Gelassenheit nehmen Politiker und Notenbanker die drastische Aufwertung der Einheitswährung zum Dollar hin. Vor allem für Deutschland kann das wirtschaftlich sehr teuer werden.

Als voriges Jahr das neue Bargeld kam, war die Aufregung um den Teuro groß. Im Schnitt stiegen die Preise 2003 dann aber doch nur um gut ein Prozent. Jetzt drängt sich der Verdacht auf, dass die wahre Gefahr von außen kommt: Der Euro hat zu einem Höhenflug angesetzt, dessen Folgen erst allmählich absehbar werden.

Noch scheint der Schock des Absturzes von 1999/2000 nachzuwirken. Politiker und Notenbankchefs geben sich gelassen. Das Problem ist nur, dass sich die Notierungen von den damaligen Tiefs um 83 US-Cent je Euro drastisch entfernt haben. Der Devisen-Teuro steuert auf 1,10 $ zu. Und darauf könnte gerade Deutschland höchst anfällig reagieren.

Höhenflug bis auf 1,40 $ je Euro

Zum Dollar summiert sich die Aufwertung mittlerweile auf fast 25 Cent. Nach alter DM-Rechnung entspräche das einem Sprung von 1,60 $ je D-Mark auf mehr als 2 $. In den USA sind europäische Produkte rechnerisch jetzt um mehr als ein Viertel teurer.

Nun trägt der US-Markt im Schnitt zwar nur zu rund zehn Prozent der deutschen Ausfuhren bei. Insgesamt verkaufen die Exporteure aber 30 Prozent ihrer Waren in Länder, deren Währungen auf US-Dollar lauten oder eng daran geknüpft sind. Dazu kommt, dass der Euro nicht nur zum Dollar aufwertet. Zu britischem Pfund wie schwedischer Krone hat er sich seit dem Tief 2000 um 15 Prozent verteuert, gegenüber Japans Yen um knapp 40 Prozent. Der handelsgewichtete Außenwert liegt um fast 20 Prozent höher als im Oktober 2000.

Optimisten setzen darauf, dass der Währungstrend wieder kippt. Der Dollar sei nur durch Kriegsängste und das Nachwirken der Vertrauenskrise geschwächt. Bald werde wieder klar, dass die US-Wirtschaft eben doch kräftiger sei als die europäische.

Das klingt angesichts der Fehlprognosen der Vergangenheit wie im Märchen. Im Grunde ist der Versuch absurd, den jüngsten Euro-Trend durch verstaubte Fundamentalfaktoren wie die Wirtschaftskraft zu erklären.

Die Devisenhändler hat es in den vergangenen Wochen wenig gekümmert, dass mit Deutschland die größte Euro-Wirtschaft in eine drastische Vertrauenskrise stürzte. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass seit einem Jahr eine Negativmeldung über Staatsdefizite in Europa der nächsten folgt. Das bestätigt jene, die wie der Würzburger Währungsexperte Peter Bofinger die Devisentrends eher psychologisch erklären: mit Herdentrieben und Daumenregeln, nach dem simplen Grundmuster "Euro gut, Dollar schwach".

So ließe sich erklären, warum noch 2000 jeder Wachstumszweifel aus Deutschland den Euro schwächte, jetzt aber ohne Folgen bleibt. Und warum damals niemand ein Problem im enormen Defizit in der US-Leistungsbilanz sah - was jetzt plötzlich als ein Hauptgrund für die Dollar-Schwäche gilt.

An den Märkten habe "ein Paradigmenwechsel stattgefunden", vermutet Michael Rosenberg von Deutsche Bank Global Markets. Ein solcher Wechsel kann rasch zum Überschießen führen. Laut Rosenberg "müssen sich die Anleger auf einen plötzlichen, deutlichen Kursrutsch gefasst machen". Die Deutsche-Bank-Experten rechnen Ende 2003 mit Notierungen von 1,15 Euro. Würde das Aufwärtstempo der vergangenen Monate anhalten, gäbe es 2004 gar Kurse von 1,40 Euro.

Kein Zweifel: Für das neue Paradigma werden die Händler auf absehbare Zeit vermeintliche Belege finden - trotz höheren US-Wachstums. Eine US-Euphorie wie zu Zeiten der New-Economy-Illusion wird es vorerst kaum geben. Amerikas Präsident sorgt mit astronomischen Steuerversprechen zudem dafür, dass der Staat bis auf weiteres immer höhere Defizite einfährt. Wegen der hohen US-Importquote wird schließlich das Leistungsbilanzdefizit neue Rekorde erreichen.

Zwar sind dank Währungsunion heute gut 40 Prozent der deutschen Ausfuhren von Kursturbulenzen verschont, weil sie in die Euro-Länder gehen. Die Erfahrung mit der Euro-Abwertung 1999 lässt aber darauf schließen, dass die deutsche Wirtschaft nach wie vor nennenswert am Dollar hängt: Während die US-Exporteure danach drastisch verloren, konnten die Deutschen ihre Verkäufe weit schneller ausweiten, als die Nachfrage bei den Handelspartnern wuchs.

Jetzt droht die Kehrtwende. Eine Euro-Aufwertung zum Dollar um zehn Prozent dürfte zu einem Wachstumsverlust in Deutschland um etwa 0,7 Prozentpunkte führen, schätzt Silke Tober vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Damit würde der Devisen-Teuro zu einem weiteren Schock in einer Situation, in der die Konjunktur ohnehin etwa durch höhere Steuern und Abgaben stark belastet ist.

Japan hat in den 90er Jahren erlebt, wie wenig eine kriselnde Wirtschaft davor geschützt ist, mit einer überteuerten Währung zu kämpfen. Trotz Rezession stieg der Yen bis 1995 auf irrsinnige Höhen. Dann begann die Deflation.

Dieses Szenario, in dem sich sinkende Preise und abnehmende Nachfrage gefährlich verstärken, ließe sich in Deutschland noch verhindern. Jedes Stück Aufwertung aber bedeutet, dass ausländische Anbieter ihre Preise senken können und den Druck auf jene Firmen verstärken, die mit allen Mitteln um eine stark depressive Nachfrage kämpfen.

Europas Zentralbank sollte die Gelegenheit nutzen, die Zinsen im Euro-Raum noch einmal zu senken - um die Nachfrage zu stützen und Euro-Käufe weniger attraktiv zu machen.

Wenn der Euro dann weiter steigt, darf auch das kein Tabu sein, was laut Bofinger im Herbst 2000 zum Stopp des Euro-Absturzes beitrug: eine gemeinsame Intervention der Notenbanken am Devisenmarkt. Nur gilt es jetzt, den Dollar-Sturz zu stoppen.
(© 2003 Financial Times Deutschland)

So long,
Calexa
www.investorweb.de
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Mützenmacher:

1,40 hahahahahahaha, der Witz des Tages hahahaha o. T.

 
17.01.03 15:02
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Glasnost:

Mathematik

 
17.01.03 15:04
Grundsätzlich interessant, ich teile diese Befürchtungen. Dir ist nur ein kleiner Rehler unterlaufen:
Nach alter DM-Rechnung entspräche das einem Sprung von 1,60 $ je D-Mark auf mehr als 2 $.
Der Dollar hat nie zum DM im Verhältnis 2:1 sondern umgekehrt gestanden...

So long,
Glasnost
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dcarlito:

naklar gab es immer 1,6$ für ne Mark! ;)

 
17.01.03 15:12
kann mich noch gut an die Zeiten erinnern!
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54reab:

und was ist mit importen?

 
17.01.03 15:13
deutschland muss im großen umfang rohstoffe und energie importieren. aus der vergangenheit wissen wir, dass die importe immer wesentlich (bei gestiegener DM) zum ausgleich der exportpreise beigetragen haben.
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calexa:

Warum

 
17.01.03 15:16
sollte 1,40 ein Witz sein?

Natürlich würde es eine Zeit dauern, aber es hat doch auch niemand geglaubt, daß der Euro auf ca. 80 Cent fallen würde, und es ist passiert....

So long,
Calexa
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MaxCohen:

Was ist denn das für'n beschissenener Artikel

 
17.01.03 16:30
Da werden ja in einem fort die Währungskurse miteinander verwechselt. Das bestätigt nur meine Meinung, daß die FTD ein ziemliches Drecksblatt ist.

Zur Sache hab ich keine Meinung, aber es wurde gejammert als der Euro schwach war, jetzt wird gejammert, wenn der Euro stark ist. Da werden doch nur von irgendwelchen Devisenspekulanten Stimmungen geschürt, die Wechselkurse sind doch eh nur irgendwelche Zufallsprodukte, je nachdem welche Seite gerade stärker ist.




Jetzt kommt der wahre Teuro! 910490images.deviantart.com/large/pixelart/...nimated/Labyrinth.gif" style="max-width:560px" >


Grüße Max
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calexa:

Devisenwechselkurse sind nur Zufallsprodukte???

 
18.01.03 10:50
Naja, das ist eine These, die sicher nicht viele, die AHnung haben, unterschreiben würden....

So long,
Calexa
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